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Konzerte

Für Österreich ist das Eurovision Song Contest-Feeling noch lange nicht vorbei

18.05.2026 von Stefan Baumgartner

Für Österreich ist das Eurovision Song Contest-Feeling noch lange nicht vorbei: Denn wenngleich der Jubiläums-Contest nun Geschichte ist, werden doch einige der ESC-Stars demnächst unsere Bühnen erneut besuchen!

Der 70. Eurovision Song Contest in Wien bot vergangenes Wochenende ein außergewöhnlich diverses musikalisches Programm und reichte von fast an Heavy Metal erinnernden Hard Rock über Dance Banger und klassische Balladen bis hin zu Retro-Charme und Ethno-Schick. Viel wurde über das Moderatoren-Duo Swarovski und Ostrowski gelästert, nicht minder viel wurde die eindrucksvolle Bühne gelobt – und ebenso viel war im dritten Jahr in Folge Israel natürlich das Hauptthema: Der Boykott von fünf Ländern wegen seiner Teilnahme und Demonstrationen, die allerdings auch Solidaritätsbekundungen für Israel auslösten – all das sorgte bereits im Vorfeld für eine sonderbare Stimmung und für wahre ESC-Fans wohl auch für eine Belastung; Die Übermüdung über die überschattende Dauerpräsenz wirkte für viele wohl enervierend – denn wenngleich man dem ESC nicht absprechen kann, auch ein politisierendes Spiegelbild der Gesellschaft darzustellen, so sollte es doch in erster Linie um das Verbindende – Stichwort “united by music” – und nicht um das Trennende gehen.

Und auch bei der Punktevergabe beim großen Finale am Samstag war die Spannung deutlich spürbar: Erst in allerletzter Sekunde überholte Bulgarien mit Daras “Bangaranga” den israelischen Teilnehmer Noam Bettan mit “Michelle” – nicht unähnlich zum Vorjahr, als JJ mit “Wasted Love” doch noch Yuval Raphael mit “New Day Will Rise” vom ersten Platz ablöste. Geschrieben wurde “Bangaranga” übrigens vom Griechen Dimitris Kontopoulos, der im ESC-Kosmos kein Unbekannter ist – er zeichnete unter anderem auch für “Shady Lady” (Ukraine, Zweitplatziert 2008) und “Hold Me” (Aserbaidschan, Zweitplatziert 2013) verantwortlich, für die Bühnenumsetzung verantwortlich war wiederum der schwedische Choreograf Fredrik Rydman, der bereits mit Mans Zelmerlöw und “Heroes” 2015 in Wien sowie mit Nemo und “The Code” 2024 in Malmö den ESC gewann.

Apropos: Dass Bulgarien – und nicht die rundum als Favoriten gehandelten Finnen – den diesjährigen Eurovision Song Contest gewann, ist nicht nur ein kleines Wunder, sondern tatsächlich auch Grund zum Jubel. Dara, bürgerlich Darina Nikolaewa Jotowa, stammt aus Warna und ist bereits seit gut einem Jahrzehnt Teil der bulgarischen Musikszene: Nicht nur kann sie in ihrer Heimat bereits einige Hits vorweisen, zuletzt saß sie auch als Coach bei “The Voice of Bulgaria” am Sessel. Und der Jubel, der ihr weit nach Mitternacht durch die Stadthalle entgegenhallte, war durchaus gerechtfertigt: Ihr “Bangaranga” ist nicht nur einer meiner Favoriten gewesen, weil tatsächlich ein wahrer Banger (zudem mit einer wichtigen Botschaft: Es geht um Selbstbestimmung), sondern auch nach drei Jahren Zwangspause der erneute Einstand für das finanziell gebeutelte Balkanland, das als Ausrichter des 71. Eurovision Song Contest kommendes Jahr möglicherweise einen touristischen Aufwind erlangen wird können.

Wien bleibt im ESC-Fieber

Bevor der Eurovision Song Contest kommendes Jahr nach Bulgarien wandert, fließt aber noch einiges an Wasser die Donau hinab: Wenngleich unser Beitrag – Cosmó mit “Tanzschein” – lediglich vorletzter wurde, so werden doch in den kommenden Wochen und Monaten – während in der Stadthalle die Abbauarbeiten bereits im vollen Gang sind – einige Interpreten des diesjährigen, aber auch der vergangenen Eurovision Song Contests Österreich erneut besuchen und die Stimmung, die vergangene Woche zumindest Wien fest im Griff hatte, weitertragen oder erneut aufleben lassen.

Kurz vor seinem ESC-Auftritt hat Cosmó noch seine erste EP “Lieber tanz ich weiter” und damit auch einen Soundtrack einer Jugend zwischen Unsicherheit und Überforderung veröffentlicht, zudem wird er auch weiterhin auf der Bühne stehen: Bereits im Mai bei der Starnacht am Neusiedlersee, anschließend im Vorprogramm von etablierten Größen wie Folkshilfe, AUT of ORDA und Pizzera & Jaus, bevor er im Herbst auf Tour durch ganz Österreich geht. Und ganz ehrlich: Sein “Tanzschein” ist deutlich besser als die Platzierung im Finale!

Auch unser Vorjahres-Sieger Johannes JJ Pietsch hat soeben seine erste EP veröffentlicht: Sie ist mit “Into The Unknown” betitelt und das Titelstück wurde im Rahmen des ESC auch live präsentiert. Wenngleich er da erneut seine gekonnte Grätsche zwischen Klassik und Pop präsentiert, kommt JJ bekanntlich aus der Hochkultur: Umso spannender wird also wohl sein Auftritt auf der kärntnerischen Burg Taggenbrunn am 6. Juni werden, wenn er mit dem Ensemble MY Sounds Vienna Arien von u. a. Georg Friedrich Händel präsentiert!

Der großartige oberösterreichische Klangkünstler Parov Stelar ging zwar nicht für Österreich ins Rennen, war aber Teil des ESC-Showprogramms: Er präsentierte nicht unähnlich zur Superbowl-Halftime-Show einen energiegeladenen Auftritt zwischen stilvollem Electro-Swing und pulsierendem Clubsound. Für seine opulente Show wählte er den erst kürzlich veröffentlichten Song “Black Lilies” - und gab damit wohl auch einen ersten Eindruck davon, was man von seiner Show am 4. Dezember in der Stadthalle erwarten kann!


Für die Schweiz ging dieses Jahr Veronica Fusaro mit der musikalisch großartigen und thematisch hochbrisanten Nummer “Alice” ins Rennen - allerdings verpasste sie im zweiten Halbfinale den Einzug ins Finale knapp, aber doch: Dabei kam Fusaros Auftritt beim Publikum besser an als bei den Jurys. Glücklicherweise geht es dann bei ihrem Livekonzert am 12. Oktober in der ((szene)) auch um das Publikum - und das kann nicht nur eine stimmlich starke, sondern zudem authentische Sängerin hautnah live erleben!

Für unsere deutschen Nachbarn trat Sarah Engels mit “Fire” an - und landete damit nur einen Platz vor unserem Cosmó. Wie auch beim “Tanzschein” ist “Fire” jedoch deutlich besser als sein Ruf: Bekanntlich hat es Deutschland meist sehr schwer beim Eurovision. Zudem muss man ihr zugutehalten, dass sich aus der ehemaligen DSDS-Kandidatin eine wirklich gute Sängerin entwickelt hat, die zudem - wir denken an ihr letztes Album “Strong Girls Club” - zudem für Empowerment steht. Und auch am 10. April sind wir in der SIMMCity on fire!

Bleiben wir gleich in Deutschland: Mit dem Song “Black Glitter” belegte der nichtbinäre Sänger Wavvyboi hinter Sarah Engels den zweiten Platz beim deutschen Vorentscheid für den ESC, wurde dafür als Punktesprecher für Deutschland eingesetzt. Man kann nur mutmaßen, ob er vielleicht nicht doch der für die ESC-Bubble bessere Repräsentant für Deutschland gewesen wäre - übersetzt er doch die fluide Vielfalt der modernen Welt sehr gekonnt in Klang? Aber überzeugen wir uns doch am 29. Oktober im Flex selbst davon!


Als Pausenfüller beim Finale trat jedoch nicht nur Parov Stelar auf, es gab auch ein Medley von ehemaligen ESC-Songs aus Anlass des 70. Jubiläums. Einer, der da auf der Bühne stand, war Max Mutzke, der 2004 in Istanbul mit “Can't Wait Until Tonight” für Deutschland den achten Platz holte. Es war dies nicht sein einziger “Besuch” beim ESC: 2010 war er Co-Autor von “I Care For You”, mit dem Jennifer Braun im Vorentscheid antrat, während Mutzke mit “Forever Strong” auch 2024 am Vorentscheid teilnahm - und zweiter wurde. Am 2. November spielt er im Globe!

Auch Verka Serduchka war Teil des Medleys zum 70. Jubiläum: Hinter der Travestiefigur steckt der Ukrainer Andrij Mychajlowytsch Danylko, der 2007 in Helsinki antrat und mit “Dancing Lasha Tumbai” den zweiten Platz belegte! 2019 war er mit “Toy” als Gast im ESC-Finale in Tel Aviv zu sehen, während er auch bei der Flaggenparade des ESC 2023 in Liverpool ebenfalls als Act in Erscheinung trat. Bereits am 29. Mai besucht er uns in der Raiffeisen Halle im Gasometer - ein starkes Zeichen auch für die ukrainische Community in Österreich!

Passend zum Jubiläum machen wir auch gleich eine Zeitreise: Der Kroate Marko Purišić, bekannt als Baby Lasagna, vertrat sein Heimatland beim ESC 2024 in Malmö mit dem Lied “Rim tim tagi dim” und erreichte den beeindruckenden zweiten Platz - mit 547 Punkten Kroatiens höchste Punktezahl bisher! Im großen Finale des Eurovision Song Contest 2025 in Basel performte er zudem mit dem finnischen Rapper Käärijä ihr gemeinsames Lied “#Eurodab” in Form eines spielhaften Boxkampfes. Live gibts Baby Lasagna dann am 4. Dezember in der Arena!


Bleiben wir gleich bei Käärijä: Der Rapper vertrat Finnland beim Eurovision Song Contest 2023 in Liverpool und erreichte mit “Cha Cha Cha” den zweiten Platz, 2024 veröffentlichte er gemeinsam mit Erika Vikman, der finnischen Vertreterin des Eurovision Song Contest 2025, den gemeinsamen Titel “Ruoska”: Das brisante dabei ist, dass im Video zum Song zahlreiche Hasskommentare zu lesen waren, die auf sie beide einprasselten. Hoffentlich hören wir beide Songs am 21. Oktober dann auch live in der SIMMCity!

Der niederländische Rapper Joost Klein (hierzulande auch bekannt durch sein Cover von “Friesenjung” von und mit Otto Waalkes und mit Ski Aggu) war einer der großen Skandale beim Eurovision Song Contest 2024 in Malmö: Eigentlich hätte er mit “Europapa” antreten sollen, wurde aber durch sein Fehlverhalten einer Kamerafrau gegenüber disqualifiziert. Später wurde das Verfahren jedoch eingestellt, und spätestens mit seinem aktuellen Album “Kleinkunst” - live am 10. Juni im Gasometer - hat er bewiesen, wie crazy und dabei geil Musik sein kann!

Zwar hat sich Conchita Wurst, das Alter Ego von Tom Neuwirth, aus dem ESC-Kosmos zurückgezogen, aber “unser” Phoenix darf an dieser Stelle natürlich dennoch nicht fehlen: Seit über 10 Jahren beweist sie/er, dass sie/er definitiv keine Eintagsfliege war - und umso fantastischer ist es, dass wir Conchita Wurst nicht nur im Dezember musizierend im Vindobona, im Oktober und November auf Halloween-Tour (!) in Wien und Graz, sondern aktuell im Rabenhof auch auf der Theaterbühne (!) in “Luziwuzi” als habsburgerisches Lästermaul erleben dürfen!


Und natürlich freuen wir uns schon darauf, wenn die Wiener Stadthalle ihre Tore wieder für “normale” Konzerte, Shows und vieles mehr öffnet! Ein paar Highlights gefällig?

“Sister Act - Das himmlische Musical” ab 23. Mai [Tickets]
Flo Rida am 02. Juni [Tickets]
Zucchero am 11. Juni [Tickets]
"Cavalluna" ab 13. Juni [Tickets]
Kings Of Leon am 23. Juni [Tickets]
Placebo am 10. November [Tickets]
Tokio Hotel am 15. November [Tickets]

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