Bild: oeticket/Stefan Baumgartner
Nach den Foo Fighters luden Bilderbuch vergangenen Freitag als Aftershow-Party zur "öffentlichen Probe" ins Flex – und marschierten durch.
Hoch die Hände, Wochenende! Für einen Moment ließ die grassierende Hitzewelle vergangene Woche Freitag etwas aufatmen, gleichzeitig zeigte sich Petrus aber ebenso gnädig und ließ im Gegenzug auch keinen Platzregen über Wien prasseln: Die 55.000 Foo-Fighters-Fans, die sich bereits ab frühen Nachmittag rund um das Happel einfanden, dankten es ihm – und so befand sich die Stimmung im Oval, als die britische Rasselbande Fat Dog bereits früh um kurz nach 17 Uhr eröffnete, am Siedepunkt. Kein Wunder, dass sich da Frontmann Joe Love selten auf der Bühne, sondern bevorzugt direkt im Publikum aufhielt und die Atempausen dazu nutzte, ein – Schleichwerbung – Gösser nach dem anderen zu vernichten. Weniger publikumsnah, aber nicht minder energetisch präsentierten sich hierauf die Post-Punk-Koryphäen Idles, ebenfalls von der Insel: Wie ein “Rottweiler” – so einer ihrer Songtitel – peitschten sie sich durch ihr Set, wenngleich die Stadionbühne für sie etwas überdimensioniert wirkte. Nicht so bei den Foo Fighters, die knapp drei Stunden lang sämtliche Register zogen – nur fair, ließen sie uns nach ihrem letzten Gastspiel in der Stadthalle doch geschlagene elf Jahre warten. Entsprechend hoch war der Lärmpegel im Publikum – wie auch im direkten Anschluss fünf U-Bahn-Stationen entfernt im Flex am Donaukanal.
Die Fotos von den Foo Fighters findet ihr [an dieser Stelle].
Denn Bilderbuch bewiesen ebendort, dass auch ihre Marketingmaschin gut geölt ist: Vor ziemlich genau einem Jahr gaben sie ihr letztes Stell-dich-ein auf heimischen Boden, im Toskana Park in Gmunden. Seitdem ist ein bisserl Wasser die Donau hinabgeflossen, ein neues Album namens “∞+1” wurde eingespielt, das am 18. September erscheint.
Und erst im Frühjahr ist Gitarrist Michael Krammer nach knapp 20 Jahren ausgestiegen, um sich in Südamerika ein neues Leben aufzubauen – doch das Raunen, das hierauf durch den Blätterwald zog, bekam sogleich Gegenwind: Die ebenfalls oberösterreichische Multiinstrumentalistin Uche Yara wird ihn fortan zumindest auf der Bühne ersetzen. Dass die Wahl auf sie fiel, war beinah aufgelegt: Bei der “Gelb ist das Feld”-Tour im Jahre 2022 war sie bereits Support von Bilderbuch, und bei den beiden Shows von Bilderbuch im Wiener Ernst-Happel-Stadion – einmal im Vorprogramm der Rolling Stones und einmal beim Solidaritätskonzert für die Ukraine – hat sie die Live-Besetzung als zusätzliche Gitarristin verstärkt. Wer mit ihrem bisherigen Solo-Schaffen vertraut ist – ihr Debütalbum erscheint ebenfalls im September – wird es als naturgemäße Symbiose anerkennen müssen, dass sie zu BiBu wie die Faust aufs Auge passt.
Und davon konnte man sich vergangenen Freitag nun nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis überzeugen lassen: Denn noch bevor Bilderbuch ihre ersten offiziellen Konzerte ankündigen, laden sie zu insgesamt drei “offiziellen Proben” – jeweils im Wiener Flex. Die erste ging ebda. vergangenen Freitag im direkten Anschluss an die Foos um 23 Uhr über die Bühne, die beiden weiteren Shows folgen am 14. August und 11. September. Und dies mit einem findigen Konzept: Für jede dieser Shows kann man sich registrieren, wenn die Lotterie greift, heißt es: Man zahlt so viel man will.
Dass eine Band wie Bilderbuch, die mittlerweile auf Stadthallen-Niveau und als Festival-Headliner flutscht, in einer dermaßen kleinen Location spielt, sorgt natürlich für einen entsprechenden Anstrom: Das Flex reichte zuletzt 2011 gerade noch so aus. Künstliche Verknappung gepaart mit einem Neuanfang – ein Garant für einen Hype.
Wenngleich sich ein Hype selten dauerhaft erhärtet: Bilderbuch haben sich – so das kurze und knappe Fazit – bewiesen. Kaum, dass sich die lange Schlange von gut 700 Schau- und Hörlustigen ins Flex gezwängt hatte, marschierte Bilderbuch auch schon durch – und auch im Flex war die Stimmung von Anfang an am Siedepunkt.
Das lag vielleicht auch am geschickt gewählten Auftakt, eröffnete man das knapp 90-minütige Set doch mit einer brandneuen Nummer: “Unterwasser” heißt eines der Stücke, das auf “∞+1” zu hören sein wird und bisher noch nicht den Weg auf Streaming-Plattformen fand. Lediglich “Irgendwo” und das testosterongeladene “Push Reality” vom kommenden Album sind dort bereits zu finden – beide waren auch im Flex zu hören, zweite wurde gleich doppelt gespielt.
Dazwischen: Ein Best-of-Programm, das sich gewaschen hat – natürlich die “Maschin”, aber auch so Banger wie das trippige “Spliff”, “Gigolo” (diese Bass-Line!!!) und der Table-Dancer “Bungalow”. Und all dies ohne viel Blabla: Bilderbuch ließen bevorzugt die Musik für sich sprechen – und auch Uche Yara. Insbesondere beim finalen, ausufernden “Aber Airbags” bewies sie, wie trefflich sie sich in das Gefüge einfügt, ohne sich zwanghaft zu exponieren – vielleicht ein weniger scharf und bissig, zurückhaltender als Michael Krammer, aber nicht minder gehaltvoll. Es war mehr als gerechtfertigt, dass speziell sie mit Sprechchören willkommen geheißen wurde – und die Bühne auch als letzte verließ: Mit ihrer expressiven Note haben Bilderbuch definitiv die Messlatte nochmals weiter nach oben gelegt als bisher ohnehin schon, und es wäre zu hoffen, dass sie sich hinkünftig auch am Songwriting beteiligen darf: “∞+1” wurde ja noch mit ihrem Vorgänger geschrieben.
Ja, Bilderbuch haben mittlerweile eine ureigene Sprache entwickelt, die man ihrer Diversität zum Trotz bei “Wetten, dass..?” wohl aus abertausenden herauskennen würde – aber Sprache funktioniert bekanntlich auch durch Zwischentöne. Und diese weiß Uche Yara mehr als trefflich zu flüstern: Erzähl deinen Mädels (und den Jungs!), dass Bilderbuch wieder in der Stadt sind!