Bild: Elevate
Das renommierte Elevate-Festival zeigt (zelebriert!) Anfang März in Graz die Vielfalt (nicht nur) der Musik: Von Stargästen wie Marc Almond von Soft Cell bis hin zu Rising Stars wie Eli Preiss bewegt sich das hochkarätige Programm erneut jenseits des Mainstreams.
Das Musikprogramm des Elevate 2026 verknüpft wie jedes Jahr mannigfaltige ästhetische Strömungen zu einem Potpourri, das sich hören lassen kann: von progressiven Club-Sounds über Avant-Pop und melancholischen R&B bis hin zu immersiven Performances und ekstatischer Improvisation. Zwischen Solo-Acts, Band-Projekten und DJSets entfaltet sich da ein breit gefächertes, diverses, hybrides Panorama aktueller musikalischer Entwicklungen.
Aber natürlich gibt es wie immer DEN EINEN Stargast: Marc Almond. Mit Marc Almond, der als Frontsänger der Achtziger-Jahre-Kult-Formation Soft Cell Musikgeschichte schrieb, begrüßt das Elevate einen der prägendsten Akteure des britischen Synthpop. Die Mischung aus minimalistischem und orchestralem Synth-Pop, starken emotionalen Hooks, düsterer Romantik und urbaner Subkultur machte Soft Cell unverwechselbar. Almond wird ausgewählte Soft-Cell-Songs wie “Tainted Love” ebenso wie eigene Werke präsentieren – ein generationsübergreifender Höhepunkt des Festival.
Aber auch auf Cabaret Voltaire sei an dieser Stelle hingewiesen: Ein halbes Jahrhundert (!) nach ihrem ersten Auftritt kommen Chris Watson und Stephen Mallinder für ein letztes Kapitel auf die Bühne zurück und bringen nicht weniger als die Essenz einer der einflussreichsten Bands der britischen Musikgeschichte nach Graz. Man darf da erwarten: Radikaler, aber tanzbarer Dadaismus gepaart mit einer elektronischen Vision - wie wenn Techno mit Pop, Electro mit Punk verschmilzt. Dabei soll das Set außergewöhnlich werden, es wird nämlich ein Bogen gespannt von den frühen DIY-Experimenten über Klassiker der Rough Trade- und Factory-Phase bis hin zu den audiovisuellen Arbeiten auf ihrem Videolabel Doublevision, alles sorgfältig rekonstruiert mit Originaltechnologie und dennoch offen für spontane Transformation. Geil!
Aber natürlich widmet sich das Elevate auch der heimischen Musikszene, die erneut prominent vertreten ist. Exemplarisch hervorzuheben ist da Eli Preiss, die am Samstag im Orpheum zu erleben sein wird. Die Wiener Sängerin, Rapperin und Songwriterin, die sich mit ihrem hybriden Mix aus zeitgenössischem R&B, Neo-Soul, Cloud-Rap und elektronischem Pop zu einer markanten Stimmen der deutschsprachigen Musikszene entwickelt hat, rappt über Identität, Begehren und Selbstermächtigung und ist mit Tracks wie “Wein in Wien” oder “Thank You” durchgestartet.
Ebenso direkt, wenngleich um manches expressiver sind die Songs ihrer Kollegin Uche Yara. Die österreichisch-nigerianische Sängerin und Multi-Instrumentalistin erhielt international Aufmerksamkeit, unter anderem als Support für Bilderbuch, aber auch durch rappelvolle Konzerte selbst in London und in Frankreich. Außerdem spielte sie bereits auf so renommierten Festivals wie dem Eurosonic, Europavox, Ment, Popfest, Reeperbahn Festival, Poolbar und am Impulstanz - denn so divers wie diese Liste ist auch ihr Sound, der Indie, Soul, Alternative Rock und futuristischen Pop zu einer energetisch aufgeladenen Live-Präsenz verbindet.
Wie jedes Jahr geht es zu späterer Stunde dann aber von den Konzertbühnen in den Club. Hier liegt der Fokus auf progressiven Clubgenres ebenso wie auf den altbewährten Beats, die auf keinem Dancefloor fehlen dürfen und neu beleuchtet werden: Global Club, Techno, House, Leftfield und das UK Hardcore Continuum rund um Jungle, D’n’B und Dubstep bilden die Basis eines vielfältigen Nachtprogramms.
Besonders hervorzuheben ist hier natürlich Modeselektor, die schon seit zwei Jahrzehnte für den Dancefloor produzieren. Das Berliner Duo gehört seit den frühen Nuller-Jahren zu den prägenden Kräften der Clubmusik aus Deutschland. Ihren Durchbruch erlangten sie in Zusammenhang mit BPitch Control und ihren eigenen Labels Monkeytown Records und 50Weapons, die ein entscheidendes Kapitel moderner Bass- und Clubkultur mitformten. Ihr Sound verbindet Techno, Bass Music, IDM - alles mit maximalem Druck und Experimentierfreude.
Ebenfalls geil: Josey Rebelle wird den kompromisslosen Geist des Londoner Undergrounds auf die Grazer Bühne bringen. Rebelle gelingt es mühelos und mit Präzision, raue analoge Beats und düstere Subbässe mit warmen, gefühlsvollen Sounds zu mixen. Dabei bewegt sie sich von Bleep zu Detroit Techno und Hardcore Jungle. Und auch DJ Spinn ist gesondert hervorzuheben: Er gilt als einer der zentralen Figuren des Chicagoer Footwork und ist Mitbegründer des legendären Kollektivs Teklife. Seit den späten Neunzigern prägt er einen hyperpräzisen, ultraschnellen Style aus rasenden Breaks, zerhackten Samples, tiefen Basslines und radikal tanzorientierter Rhythmik. Seine Releases auf Labels wie Hyperdub und Teklife Records gelten als Meilensteine des Genres.
Das bisher bestätigte Programm liest sich wie folgt - und wird in den kommenden Wochen noch ergänzt:
Aki Traar AT Amnesia Scanner FI Anika DE/UK Anna Z DE Benedikt Alphart AT Cabaret Voltaire UK Carrier AT DÄ LIVER – Maja Osojnik & Stina Fors SI/SE Dame Area ES Darwin CA/DE DJ Spinn US DJ Storm UK Eli Preiss AT gyrofield HK/UK Josey Rebelle UK Kittin FR KUNTARI ID Marc Almond UK Maria Somerville IE Mitra AT Modeselektor DJ-Set DE OJOO MA/BE Pinch UK PLF AT Polygonia DE PPCM Ensemble AT Spekki Webu & Woody92 NL Stenny DE Toupaz AT Uche Yara AT/NG Zora Jones AT/ES