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Konzerte

Marc Almond live beim ELEVATE

23.02.2026 von Sebastian Fasthuber

Zwei Stunden werden alle warten müssen, bis endlich der größte Hit erklingt: Ja, natürlich wird Marc Almond auch dieses Jahr beim Elevate Festival “Tainted Love” singen. Es ist schließlich der herausragende Song seiner Karriere – die erfolgreichste Single 1981 und eine Zeit lang als die Nummer, die am längsten in den US-Billboard-Charts stand, auch im Guiness Buch der Rekorde zu finden. Es ist freilich auch der Song, der ihm viele Türen geöffnet hat.

Doch definieren lassen wollte sich der Sänger mit der guten Portion Pathos und Drama in der Stimme über diesen einen Moment in seiner Karriere nie. Retro-Tourneen, bei denen Stars der 1980er im Packerl ihre zwei, drei Hits über Playbacks für mitgealterte Fans von einst singen, hat Almond bis heute standhaft verweigert. Tatsächlich konnte er mit dem Konzept Popstar nichts anfangen und rebellierte in seiner erfolgreichsten Zeit regelrecht dagegen.

Soft Cell: Marc Bolan und Gloria Jones

Aber hübsch der Reihe nach: 1957 als Mark Sinclair Almond in Southport geboren und später in Leeds aufgewachsen, wurde er von der Popmusik der frühen 1970er geprägt. Als Teenager lauschte er den Radiosendungen des legendären DJs John Peel. War zunächst noch Progressive Rock angesagt, taten es ihm die verlockend eingängigen Songs und der androgyne Stil von David Bowie und Marc Bolan, dem Frontman von T.Rex, bald noch mehr an.

Wie so viele junge Briten, die sich später in den Charts finden sollten, absolvierte er eine Ausbildung an einer Kunsthochschule. Dort lernte er David Ball kennen, mit dem er 1977 das Duo Soft Cell gründete.

Aus ewiger Verehrung für Bolan, der in dem Jahr bei einem Autounfall ums Leben gekommen war, änderte er seinen Vornamen um einen Buchstaben: Seither heißt er nicht mehr Mark, sondern Marc Almond. Bizarrer Fakt: “Tainted Love” war eigentlich ein erfolgloser US-Soulsong aus den 1960ern, gesungen von einer gewissen Gloria Jones. Die Sängerin übersiedelte später nach England, wurde Marc Bolans Lebensgefährtin und saß am Steuer, als dieser starb (sie überlebte). Aus einem im Original zwar eingängigen, aber nicht besonders auffälligen Stück machten Soft Cell eine geniale Mischung aus sehnsuchtsvollem Schmachtfetzen und dem kühlen Synthiepop, der zu der Zeit gerade modern wurde.
Nicht nur dieser Song hat sich als zeitlos erwiesen. Soft Cells Debütalbum “Non Stop Erotic Cabaret” klingt bis heute fantastisch. Die Songs sind melodiös und tanzbar, aber gleichzeitig von einer aggressiv zur Schau gestellter Frustration durchzogen, erzählen von Drogenexzessen und variantenreichen sexuellen Ausschweifungen.

Andy Warhol, Ian Anderson & Jacques Brel

Anstatt neue Hits zu liefern, gründete Almond am frühen Höhepunkt seines Erfolgs die Zweitband Marc and the Mambas und nahm mit ihr zwei scheppernde Alben zwischen Postpunk, Klassik-Anklängen und Flamenco-Elementen auf. Ab Mitte der Achtziger folgte dann eine heute längst unüberschaubare Zahl an Soloalben und Kollaborationen mit Künstlern aus ganz unterschiedlichen Ecken und Genres. Es gab vereinzelt immer wieder Hits, etwa das Duett “Something’s Gotten Hold of My Heart” mit Gene Pitney. Aber noch lieber forschte Almond: Er tauchte in die New Yorker Kunstszene ein und traf Andy Warhol, interpretierte die Chansons des genialen Belgiers Jacques Brel und hatte in den Neunzigern mehrere Jahre eine Zweitwohnung in Moskau, wo er Stoff für mehrere Alben mit russischer Volksmusik und sehnsuchtsvollen Liebesliedern sammelte.

Nach einem beinahe fatalen Motorradunfall 2004 brauchte es ein wenig Zeit, bis er sich wieder erholte. Danach erhöhte er sein Arbeitstempo sogar noch, in guten Jahren bringt er es seither auf drei Veröffentlichungen. Darunter fand sich zuletzt auch wieder ein gelungenes Album mit Soft Cell, aber auch Poesievertonungen zwischen Düsternis und Kitsch, eine Platte mit dem Starpianisten und Bandleader Jools Holland oder eine Zusammenarbeit mit Ian Anderson von Jethro Tull, dem Herrn der Rockflöte.

Ein derartiges Lebenswerk auf zweieinhalb Stunden einzustampfen, ist völlig unmöglich. Darum versucht Almond es erst gar nicht, sondern gestaltet einen Abend mit seinen Lieblingsliedern – eigenen und fremden, darunter Songs von den Pet Shop Boys und Bowie. Fix ist nur eines: Am Schluss wird das vielleicht allerschönste Abschiedslied der Popmusik erklingen, “Say Hello, Wave Goodbye”.


Live-Termine


Elevate Festival

05. bis 08. März 2026 | Graz, diverse Spielstätten
Marc Almond spielt am 8. März!


Infos auf dem Stand vom 23.02.2026  

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