Bild: The 113
Von Fontaines D.C. bis The 113, von Cabaret Voltaire bis Fat Dog, von Public Image Ltd. bis Mad Foxes: Post-Punk-Fans werden in den kommenden Wochen gleich mehrfach fündig - und entdecken vielleicht sogar den einen oder anderen Geheimtipp neu.
Post Punk entstand Ende der Siebziger als experimentelle Weiterentwicklung des Punkrocks: Die rohe Aggressivität und Schludderigkeit wurde durch künstlerische Komplexität und eine düstere Atmosphäre ersetzt. Bands wie Joy Division und The Cure prägen das Genre bis heute - eines, das gerade live dadurch glänzt, dass der Avantgardismus nicht nur ins Hirn, sondern auch in die Beine geht.
Während einige der Klassiker bereits verschieden, oder - Stichwort: Bauhaus - nur mehr selten auf der Bühne zu erleben sind, erleben wir seit wenigen Jahren ein spürbares Revival: Mit Bands wie Fontaines D.C., Viagra Boys oder Shame feiert das Genre eine Renaissance, die weiterhin gekonnt und vielleicht sogar ein Eck bissiger als zuvor zwischen Krautrock, Disco und Dark-Wave-Electro changiert.
Die Highlights der kommenden Wochen haben wir an dieser Stelle zusammengefasst: Natürlich sind Urväter wie The Cure und Public Image Ltd. vertreten, aber auch ihre Nachzügler - darunter bekanntere Acts, aber auch echte Geheimtipps!
Am 10. April servieren the 113 aus UK ihre dystopische Gegenwartsanalyse im Wiener Club Lucia: Dissonante Gitarren und donnernde, bewusst verquere Rhythmen erzählen vom Überrolltwerden durch einen digitalen Überwachungsstaat. Bäm!
Zwar haben sich New Model Army schon Ende der Achtziger vom wummernden Post Punk etwas gelöst, aber mit ihrem harschen Blick auf gesellschaftliche Missstände sind sie immer noch so dringlich wie eh und je - live am 11. Juli am Forestglade.
Die Ursuppe: Nach dem Sex Pistols formierte John Lydon PiL - bis heute eine der innovativsten Bands aller Zeiten: Am 23. Mai gibts in der SIMMCity ihr ureigenes, nicht selten irritierendes Gebräu, das alles - nur kein “love song” ist.
Die Dark-Wave-lastigen The Cure rund um Robert Smith vorzustellen, hieße, Eulen nach Athen zu tragen - oder die Fledermaus nach Nickelsdorf: “Friday, I'm In Love” steht programmatisch für den 13. Juni, den Festival-Freitag vom Nova Rock.
Die Herren aus Sheffield bilden am 6. März das dröhnende Epizentrum beim Elevate in Graz: Experimentell, industriell und radikal lärmen und improvisieren sie da zwischen Post-Punk-Energie und proto-technoider Elektronik.
In England gibt es - siehe auch Sleaford Mods - immer etwas zu motzen: Auch die Idles brüllen ihren Frust über die Gesellschaft impulsiv ins Mikro. Am 3. Juli im Happel-Stadion vor den Foo Fighters ist ihr “brutalism” ein Mitten-in-die-Fresse-Programm.
Ebenfalls am 3. Juli im Happel-Stadion und vor den Foo Fighters: Fat Dog - Rising Stars von der Insel. Ihr Aushängeschild: Ein chaotischer Mix aus frenetischem Post Punk und theatralischer Selbstinzensierung. Das Ende der Menschheit ist nah!
Im August beehren uns Fontaines D.C. im Jahresrhythmus wieder - diesmal am FM4 Frequency. Alles zwischen Politik und Klassenkampf ist für sie Grund genug, zwischen Kaskaden aus Gitarre und Synthesizer die Sau rauszulassen. Klingt nach Panikattacke!
Ihre erste Österreich-Show reißen Mad Foxes aus Frankreich am 13. Februar im Club Lucia ab: Inspiriert vom Spannungsfeld zwischen Idles und Fontaines D.C. gibt es hier eine “Hochzeit zwischen Punk und 80ies Kitsch”, mal lärmend, mal poppig.
Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass mit “The Demise Of Planet X” soeben auch das neue Album der bereits erwähnten Sleaford Mods erschienen ist. Zwar lassen sich Jason Williamson und Andrew Fearn mit ihren salivalastigen Schimpftiraden (vorerst?) nicht in Österreich blicken - aber dafür ihr Feature-Gast Aldous Harding am 23. Juni in der Wiener Arena oder am 26. Juni im Kino Siska direkt hinter der Grenze, in Laibach.