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Konzerte

Motionless In White: ein Bastard aus Slipknot, Limp Bizkit und Bring Me The Horizon

17.07.2026 von Stefan Baumgartner

Mit ihrem neuen Album "Decades" macht die amerikanische Metalcore-Maschine Motionless In White unmissverständlich klar: Sie werden 2027 eine der härtesten Bands am Nova Rock sein!

Nach dem Nova Rock ist vor dem Nova Rock: Kaum, dass die letzten Zelte am diesjährigen Nova Rock Festival abgebaut wurden, wurden auch schon die ersten Namen für die 2027er-Edition bekanntgegeben; Die Ärzte werden kommendes Jahr nicht nur zwei - bereits ausverkaufte - Konzerte in der Wiener Stadthalle spielen, sondern auch einer der Headliner am Nova Rock sein. Außerdem darf man sich bereits auf TBS und Motionless In White freuen. Letztgenannte, die amerikanische Metalcore-Maschine, war bereits 2023 und 2025 am Nova Rock zu Gast, zuletzt zerstörte man diesen Februar die Wiener Stadthalle - und heute gibt es endlich ihr neues Album “Decades” zu hören.

Und was für ein Album das ist! Zum bereits 20-jährigen Bandjubiläum legen Motionless In White ihr bislang wohl ambitioniertestes Werk vor, denn ihr siebtes Album “Decades” lässt den Titel definitiv für sich sprechen: Es würdigt alle bisherigen Phasen der Bandgeschichte und blickt auf zwei Jahrzehnte ihrer Entwicklung zurück - ohne dabei aufzuhören, auch in die Zukunft zu blicken und die Grenzen ihres unikalen Sounds weiter auszureizen.

Den Auftakt macht das Titelstück: Wuchtig baut sich der Song auf, noch bevor der markante Gesang querbeet pflügt, dass hierauf am Nickelsdorfer Acker kein Gänseblümchen mehr steht. Mit der Ansage “Still here, count the years, fuck a tombstone“ macht man unmissverständlich klar, dass man gekommen ist, um zu bleiben - und einen Eindruck zu hinterlassen. Nahtlos geht es mit ”log_in//crash_out" weiter, ein Song, den man durchaus als logischen Nachfolger von “</c0de>” von “Disguise” bezeichnen könnte: Elektronische Synthesizer führen in den Song, begleitet von tief gestimmten Gitarren, die den modernen Sound konsequent fortführen. Der eingängige melodische Refrain erinnert dabei stellenweise an Bring Me The Horizons aktuelle “Post Human”-Ära und gewinnt sofort für sich. Die schweren Strophen mit ihren vielschichtigen Gitarren sorgen für einen gelungenen Kontrast und machen den Refrain noch wirkungsvoller.

Mit den eindringlich schönen Vocals von Skylar Grey beginnt “R.I.P.”: Die Single, die auf einer Stufe mit “Another Life” oder “Masterpiece” steht, nimmt das Tempo etwas heraus und fungiert als klassische Ballade des Albums. Ziemlich repetitiv, liegt genau darin seine Stärke: Die emotionalen Zeilen “If you ever leave, it would be the end of me. I would die but I'd never rest in peace.” werden wohl am Nova Rock einen gewaltigen Chor im Publikum anstacheln.

Anschließend kehren Motionless in White mit “Fight Like Hell” zu ihrer brachialen Härte zurück - dabei mit einer überbordenden Vielseitigkeit, die Motionless In White generell auszeichnet: eine kurze Rap-Passage inklusive, die unverkennbar an Limp Bizkit oder auch Korn (am 19. November in der Wiener Stadthalle D) erinnert. Gewaltige Riffs und elektronische Elemente ziehen sich erneut durch den Titel. Mit “Playing God” folgt die wohl härteste Single des Albums: Auch inhaltlich, setzt sich der Song doch kritisch mit toxischen Internetkulturen auseinander und trifft demnach mit seiner Botschaft ebenso hart wie mit seiner Musik. Zeilen wie “So fuck you, you falsify truth to fabricate views” verleihen dem Stück enorme Wucht. Zusätzliche Intensität bringt natürlich auch der Gastauftritt von Slipknot-Frontmann Corey Taylor. Apropos: Slipknot dürften mit ihrem kommenden Album bereits ziemlich weit vorangeschritten sein, es könnte also gut sein, dass uns 2027 nicht nur der “The End, So Far”-Nachfolger ins Haus steht, sondern vielleicht sogar ein Livekonzert?

“All That I've Ever Known” schlägt anschließend wieder melodischere Töne an und verbindet elektronische Elemente mit einem eingängigen Songaufbau. Lediglich ein überraschender Dubstep-Breakdown unterbricht den Fluss - fügt sich jedoch erstaunlich gut in das Gesamtbild ein und wirkt letztlich wie das fehlende Puzzleteil. “Blood Rave” knüpft direkt daran an und setzt noch stärker auf elektronische Einflüsse. Grandios: Hier verschmilzt der Gesang förmlich mit den Instrumenten, was auch am Wechselspiel mit Anthony Martinez von Dark Divine liegt. Auch “Love At First Bite” beginnt - wenig überraschend - erneut mit elektronischen Synthesizern und wirkt dabei, als donnere er direkt aus den glorreichen Achtzigern ins 21. Jahrhundert. Man kann attestieren: Das ist ein wahrer “Werewolf”-Nachfolger.

Auch mit “Count Back From Zero” und “Blood Pact” setzt sich der hochgeschraubte elektronische Kurs fort. Beide Songs verbinden die Synthesizer geschickt mit den wuchtigen Gitarren und profitieren letztlich voneinander. Hinzu kommen industrielle Klangelemente, die Kenner der Band bereits von früheren Alben kennen und die hier eine willkommene Ergänzung darstellen. Einer der absoluten Höhepunkte von “Decades” folgt mit “Afraid Of The Dark”: emotionale Texte treffen auf sanfte Melodien und brachiale Härte. Zeilen wie “Now I know, I don't have to do this alone. A creature that found a home. When life drained the life from my heart, you pulled me from the dark” gehen unmittelbar unter die Haut und dürften bei vielen Hörern für Gänsehaut sorgen.

Zum Abschluss überrascht die Band mit einer Coverversion des 80er-Jahre-Klassikers “Sunglasses At Night” von Corey Hart: ein gelungener Schlusspunkt, insbesondere, weil Chris Motionless den Stil des Originals erstaunlich präzise trifft, dabei aber auch seine eigene Note aufsetzt. Man kann also durchaus sagen: “Decades” ist ambitioniert, aber unglaublich gelungen - und gerade der intensive Einsatz der elektronischen Elemente war zwar ein mutiges Experiment, aber eines, das aufgegangen ist.


Live-Termine


Nova Rock 2027

10. bis 12. Juni 2027 | Nickelsdorf, Pannonia Fields II
Bisher bestätigt: Die Ärzte, Motionless In White, TBS.


Infos auf dem Stand vom 17.07.2026  

Tickets Nova Rock 2027
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