Bild: Hatebreed
Im November erscheint das neue Album “Fatal Paradox” von den Hardcore-Legenden Hatebreed - und wird auch live im Gasometer vorgestellt. Mit dabei sind ebenfalls Legenden: Life Of Agony.
Wenn man “Hardcore” sagt, denkt man natürlich an die Urväter - an Agnostic Front (am 14. August gemeinsam mit Dropkick Murphys in Graz), an Madball, an Sick Of It All und Biohazard. Aber auch Hatebreed sind von relativ früh an mit dabei, und das mit einem derartigen Wumms, dass kein Gänseblümchen mehr steht, wenn sie querbeet pflügen. Kein Wunder, dass sie bereits mit ihrem ersten Album “Satisfaction Is The Death Of Desire” (1997) von Bands wie Slayer, Napalm Death oder Deftones (am 16. August in der METAStadt) mit auf Tour genommen wurden, um das Publikum entsprechend anzuheizen. Seitdem haben aber auch so Giganten wie Slipknot, Mastodon, Avenged Sevenfold oder System Of A Down auf die Energie gesetzt, die dem Quintett aus Connecticut anheim ist.
Mittlerweile ist man aber selbst schon längst der Headliner, zu dem die Massen strömen - und diesen Status wird das am 6. November erscheinende neunte Album “Fatal Paradox” nochmal zementieren.
Von den elf neuen Songs, die uns dann erwarten, sind bereits zwei erschienen: “Make The Demons Obey” und brandfrisch der Opener “Kill Count Increase”. Unter der Regie des langjährigen Partners Zeuss (u. a. Rob Zombie) präsentiert sich der erste Eindruck selbst nach 30 Jahren nicht als totgespielt oder gar altersmüde, sondern vielmehr als Crossover-Meisterwerk mit einem rasanten Tempo, alles vernichtenden Riffs und einem gewohnt giftigen Bellen. “Es ist schnörkelloser, kompromissloser Hatebreed-Sound. Schnell. Hart”, verrät Sänger Jamey Jasta und verspricht deftinitiv nicht zu viel: So und nicht anders muss ein Gemetzel klingen. Wenn Hatebreed spielen, wird der Raum zerlegt.
Und dabei hat man noch nicht einmal die Kirsche auf das Sahnehäubchen gelegt: Auf “Sacrifice Season” wird nämlich mit John Tardy ein Gast zu hören sein. Tardy ist Kopf und Sänger der Death-Metal-Legenden Obituary aus Florida und hat sich mehr noch als seine Kollegen von George Corpsegrinder (Cannibal Corpse) bis Dave Vincent (Morbid Angel) den Ruf erarbeitet, eine Stimme zu haben, die direkt aus dem Grab zu kommen scheint. Hört euch einfach mal deren Debüt-Album “Slowly We Rot” an und ihr wisst, dass damit nicht übertrieben wird.
“Fatal Paradox” ist nach sechs Jahren Wartezeit zugleich auch das erste Studioalbum ohne Gründungsmitglied und langjährigen Bassisten Chris Beattie. Die Trennung von Beattie 2024 beschäftigt die Beteiligten inzwischen auch vor Gericht: Er reichte 2025 Klage gegen seine frühere Band ein und erhob dabei insbesondere Vorwürfe gegen Jasta. Hatebreed und Jasta beantragten später die Abweisung mehrerer Klagepunkte. Dieser Antrag wurde im Frühjahr 2026 von einem Gericht abgelehnt, sodass das Verfahren fortgesetzt werden kann. Eine endgültige Klärung des Rechtsstreits steht bislang aus. Der positive Nebeneffekt: Hatebreed scheinen deswegen wohl noch mehr auf Streit gebürstet als sonst, was uns, als Fans, akustisch zugutekommt.
Das volle Tracklisting liest sich wie folgt:
01. Kill Count Increase
02. The Carrion Choir
03. Decisions Become Destinies
04. Total Invincible
05. Fatal Paradox
06. Still A Threat
07. Sacrifice Season (Feat. John Tardy)
08. Truth Is A Lion
09. Make The Demons Obey
10. None Left To Save
11. Poison Planet
Während Legende John Tardy Hatebreed wohl nicht auf Tour begleiten wird, hat man sich ins Vorprogramm andere Legenden gebucht: Nämlich die Alternative-Giganten Life Of Agony rund um Keith Caputo, die man soeben auch am Forestglade live erleben konnte. Unter den Genre-Kollegen, die in den Neunzigern durch die Decke gingen, nehmen Life Of Agony in vielerlei Hinsicht eine Sonderrolle ein: Zunächst gelten sie als einer der ersten international gefeierten Acts, denen der Spagat zwischen der massiven Härte des Metal und der emotionalen Intensität des Alternative Rock so kunstvoll wie spielerisch gelang. Außerdem sind sie wohl die einzige weltweit bekannte Metal-Band, die gleich zwei Mal aus voller Überzeugung ihr endgültiges Ende postulierte - nur, um dann jeweils zwei Jahre später fast in Original-Besetzung erneut zu reüssieren.
Musikalisch spielen Life Of Agony ohnehin in ihrer ganz eigenen Liga, schon weil sich ihre sechs Alben stilistisch und im Sound stark voneinander unterscheiden, gleichzeitig immer eine klar erkennbare Handschrift tragen: Denn der für das Genre eigentlich ziemlich ungewöhnliche Fokus auf dunkle Romantik, zehrende Melancholie gepaart mit einer selten markanten Melodiosität und einer ergreifendenden Emotionalität im Wechselspiel mit brachialen Passagen ist wahrlich einzigartig. Dazu kommt natürlich noch die lyrische Feinsinnigkeit, wenn Caputo in erster Linie über mentale Krankheiten, Ängste und Alltagsprobleme erzählt.
Nicht umsonst kreisen ihr erstes, vom US-Rolling Stone unter die “100 besten Metal-Alben aller Zeiten” gekürtes Album “River Runs Red” ebenso wie das bislang letzte, 2019 erschienene Werk “The Sound of Scars” inhaltlich um ein und dieselbe fiktive Person, die zwischen Todessehnsucht, Verzweiflung, Identitätskrisen und Depressionen versucht, ihren Platz in der Welt zu finden: Caputo weiß auch, wovon er spricht, identifizierte er sich doch zwischen 2011 und 2024 als trans und nannte sich Mina Caputo.
Beide Bands haben allein zuletzt die große Arena-Halle rappelvoll gefüllt: Hatebreed im Juni 2024, Life Of Agony im November 2025. Somit ist es nur logisch und klar, dass man zusammen eine größere Hütte braucht: Diesen November wird man in der Raiffeisen Halle im Gasometer aufspielen und den Betonklotz wohl an seine Grenzen bringen. Einziger Wermutstropfen: Während das neue Hatebreed-Album “Fatal Paradox” zum Konzert schon zwei Tage alt sein wird, haben Life Of Agony noch keine Albumpläne angekündigt - wobei es eigentlich an der Zeit wäre, ist ihr letztes Album immerhin schon sieben Jahre alt …