Bild: Ross Halfin
Vor einem Jahr hat sich Ozzy Osbourne von der Bühne verabschiedet – und starb kurz darauf. Doch nun gibt es Neuigkeiten aus dem Black Sabbath-Camp. In dem Sinne: “Never Say Die!”
Nach ihrer ersten Abschiedstournee 2017 zogen die Heavy-Metal-Urväter Black Sabbath vor ziemlich genau einem Jahr in ihrer Heimatstadt Birmingham im Stadion vom Fußballverein Aston Villa nun endgültig den Stecker – in Originalbesetzung, mit prominenten Gästen von Metallica bis Aerosmith und sogar in den Diensten einer guten Sache: Über 150 Millionen Euro wurden schließlich an gemeinnützige Organisationen gespendet. Dann zweieinhalb Wochen später die Hiobsbotschaft: Sänger Ozzy Osbourne verstarb im Alter von 76 Jahren kurz nach diesem furiosen Finale. Damit war der Titel ihrer letzten EP, “The End”, auch programmatisch für die Band selbst: Schluss. Aus. Vorbei.
Das letzte Konzert von Black Sabbath und Ozzy Osbourne. Unseren Bericht findet ihr [an dieser Stelle].
Fotos: Stefan Baumgartner
Aber nun darf man den Titel ihres achten Albums aus dem Jahre 1978 hervorkramen: “Never Say Die!” Aber keine Sorge: Auch wenn die Gerüchteküche bereits brodelte und man vermeinte, Ozzys Witwe und findige Managerin Sharon würde ihn – ähnlich zu ABBA – nun als Avatar auf die Bühne stellen – dies wird zumindest vorerst nicht der Fall sein.
Vielmehr wird endlich ein Projekt zum Abschluss gebracht, an dem Ozzy noch beteiligt war: Im Oktober erscheint mit “The Masters Of Reality – Why Black Sabbath Matter” das erste offizielle Buch über die Band, und somit nicht nur ein würdiger Schlussstrich unter die jahrzehntelange Karriere, sondern auch ein Manufakt, das das Erbe weiter hochhält.
Das Werk wird über 550 Seiten umfassen und inhaltlich von den frühen Jahren der Band in den Sechzigern bis hin zu ebenjenem Abschiedskonzert reichen. Selbstverständlich dürfen wir seltene Fotografien und bisher unveröffentlichte Erinnerungen erwarten, sowie exklusive Interviews mit natürlich Ozzy Osbourne, aber auch Tony Iommi (die einzige Band-Konstante), Geezer Butler und Bill Ward.
Eigentlich wäre sogar geplant gewesen, dass das Buch bereits direkt nach dem großen Finale in Birmingham erscheint: Ozzys plötzlicher (wenngleich nicht gänzlich unerwartete) Tod ließ aber natürlich nicht nur die Musikwelt, sondern auch die Vermarkungsmaschine zumindest für einen Moment innehalten. Gleich drei Editionen von “The Masters Of Reality” werden angeboten – darunter zwei verschiedene Versionen in signierter (!) Ausführung, die nicht nur ziemlich teuer sind, sondern auch bereits ausverkauft. Die Standard-Edition ist weiterhin erhältlich.
Während Ozzy noch nicht zum Avatar degradiert wird, hält er dafür aber Einzug in die amerikanischen Universal Studios in Orlando und Hollywood: Zwischen Ende August und Anfang November bekommt nämlich das White House ordentlich Konkurrenz und Ozzy sein eigenes Haunted House. Wobei: Nur Grusel ist’s nicht, denn man will die geneigten Besucherinnen und Besucher auch durch das Leben und die Karriere der Metal-Ikone führen.
“Seine Musik bildet den roten Faden durch jeden einzelnen Raum”, erklärt Ozzys Witwe Sharon und führt aus: “Die Fans werden außerdem Szenen erleben, die von Ozzys Lebensweg inspiriert sind – von seiner Kindheit als kleiner Junge im englischen Birmingham, der mit dem Zug hin und her nach London fährt, bis hin zu den ikonischen Bildern und Figuren aus seiner gesamten Karriere.”
Allerdings erzählen die beiden Park Ozzys Geschichte auf unterschiedliche Weise. Während die Version in Hollywood als Zeitreise von seiner “frühen Kindheit bis zum Osbourne Asylum” (eine Anspielung auf sein Soloalbum “Diary Of A Madman”) angelegt ist, führt die Attraktion in Orlando zunächst durch “alte Ruinen und düstere Verliese, bevor es an Bord des legendären ‘Crazy Train’ auf eine abgedrehte Reise in eine Welt geht, die von seinen bekanntesten Albumcovern inspiriert ist”.
Auch wenn man als Die-Hard-Sabbath-Fan das bereits als Leichenfledderei bezeichnen könnte: Wenn man sich die Serie “The Osbournes” angeschaut hat, war es mehr als deutlich ersichtlich, dass Ozzy Halloween und Horror geliebt hatte. Das bestätigt auch Sharon: “Er hat immer gescherzt, dass bei uns zu Hause jeden Tag Halloween sei. Passender könnte diese Attraktion also kaum sein.”
Aber lassen wir bei all dem durchaus gerechtfertigten Kult rund um Ozzy Osbourne nicht die anderen Sabbaths außer Acht, immerhin weilen sie noch unter den Lebenden: Bassist Geezer Butler schraubt seit Jahresanfang an einem neuen Soloalbum, während Schlagzeuger Bill Ward zwar mittlerweile sporadisch auf einen Rollstuhl angewiesen ist, aber sich ebenfalls noch nicht “im Ruhestand” wähnt.
Gitarrist Tony Iommi hat jedoch schon sein neues Solo-Album fertig: “From The Dark” wird am 23. Oktober erscheinen, mit “World Alone” gibt es bereits einen ersten Eindruck. Ihm zur Seite stehen der norwegische Sänger Jørn Lande (Masterplan, Yngwie J. Malmsteen, Uli Jon Roth), Bassistin Becky Baldwin (Mercyful Fate) und Schlagzeuger Karl Brazil, der nicht nur ebenfalls für James Blunt, sondern auch Robbie Williams trommelt: Für Robbie spielte Tony Iommi ja schon vergangenes Jahr ein Solo auf “Rocket” ein.
Der erste Eindruck verspricht, dass sich “From The Dark” würdig in Iommis reiche und diverse Diskographie einfügen wird – und definitiv nicht den Stempel “Alterswerk” verpasst bekommen muss. Auch inhaltlich dürfte es spannend zugehen: Bereits “World Alone” zieht uns in eine dystopische Welt, die sich durch das ganze Album strecken soll, mit existenziellen Fragen und Gedanken über die Vergänglichkeit menschlicher Existenz.
Ob zumindest Butler und Iommi mit ihren Soloalben auch auf Tour gehen, ist aktuell noch nicht bekannt – bei Iommi scheint es aber sehr wahrscheinlich. Wenn ihr euch für den Ticketalarm bei oeticket registriert, werdet ihr umgehend informiert, sobald es die Spatzen von den Dächern pfeifen.
Als gesetzt scheint dafür, dass das legendäre Ozzfest von Sharon Osbourne wieder ausgegraben wird: Das Ozzfest war seit Mitte der Neunziger eine Musikfestival-Tour, die ursprünglich eigentlich als Mittelfinger – und zwar an das legendäre Lollapalooza-Festival – gerichtet war. Denn die wollten Ozzy Osbourne nicht auftreten lassen, also gründete er einfach sein eigenes Festival, das fortan sowohl durch Amerika wie auch durch Europa (natürlich nicht bis nach Österreich …) tourte, und bei dem neben Black Sabbath oder Ozzy Osbourne solo auch Bands wie Life Of Agony, Hatebreed, Deftones, Fear Factory, Korn, Lamb Of God und Amon Amarth spielten – also ein vielfältiges, aber durchwegs “hartes” Programm.
Den Osbournes war es dabei von Anfang an immer wichtig, auch jüngeren Bands, die gerade erst am aufsteigenden Ast waren, eine Bühne zu bieten – und dieses Konzept soll auch fortgesetzt werden: Vermutlich bereits kommendes Jahr wird das erste Ozzfest – und zwar im Villa Park, der Örtlichkeit des letzten Sabbath-Konzerts – über die Bühne gehen. Welche Bands dann dort auftreten werden, das weiß bisher nur Sharon …
Aber immerhin spielen fix einige Ozzfest-Bands aus der Vergangenheit in den nächsten Wochen bei uns live:
Hatebreed (mit ihrem neuen, kommenden Album “Fatal Paradox”) und Life Of Agony spielen zusammen am 8. November in der Raiffeisen Halle im Gasometer.
Deftones spielen (mit Show Me The Body im Vorprogramm) am 16. August in der METAStadt, das Konzert ist zwar bereits ausverkauft - aber vielleicht werdet ihr bei Fansale fündig?
Fear Factory gehen mit Crystal Lake, Hate und The Nocturnal Affair auf “Cybernetic Domination”-Tour - und kommen am 21. September in die SIMMCity.
Korn kommen am 19. November in die Wiener Stadthalle D - zusammem mit Architects und Pixel Grip. Ob auf ihre “Reward The Scars”-Single auch schon ein neues Album folgt?
Lamb Of God spielen neben Bleed From Within im Vorprogramm von Five Finger Death Punch, die am 14. Februar in der Wiener Stadthalle D ihr 20-jähriges Jubiläum feiern.
Die Viking-Metal-Titanen Amon Amarth kommen mit ihrer “The Allfather Awakens”-Tour (mit Soilwork und Orbit Culture) am 3. November in die Raiffeisen Halle im Gasometer.