Bild: Karin Hunt Bild: Karin Hunt
Konzerte

Uncle Acid & The Deadbeats: so würde das Kind von Black Sabbath und The Beatles klingen

02.09.2026 von Stefan Baumgartner

Zwei Jahre nach ihrem Giallo-Soundtrack “Nell‘ Ora Blu” melden sich die “bösen Beatles” Uncle Acid & The Deadbeats mit “Shapes Of Midnight” auch im Wiener Flex zurück.

Seit gut anderthalb Jahrzehnten machen Uncle Acid & The Deadbeats aus dem englischen Cambridge Musik, die ihrem verschrobenen Namen alle Ehre macht: gewaltig und ausufernd, mit schweren, aber auch mal kristallinen Riffs und kosmischen, fast schon empyreisch-ätherischen Gesängen – irgendwo zwischen Black Sabbath und den frühen Beatles, zwischen Electric Wizard und Neil Young.

Seit bei ihrem Debütalbum “VOL. 1”, das 2010 am Kult-Label Rise Above von Lee Dorian (Napalm Death, Cathedral) erschienen, jagen sie durch die schauerhafte B-Movie-Horrorbilderwelt der Sechziger und frühen Siebziger, und unterlegen das Ganze mit einem knarzend-analogen Soundtrack, der zwischen dem doomigen Dröhnen von Sabbath und dem psychedelischen Flirren der Beatles wabert.

Dieses Potpourri klingt dermaßen obskur, aber auch einlullend, dass sich um Uncle Acid rasch ein wahrer Hype entwickelte – und man nicht nur (ähnlich wie auch die etwas lichteren Kollegen von Kadavar) innert der Bubble von sich reden machte und gar von Black Sabbath und Ghost mit auf Tour genommen wurde, sondern ab ihrem dritten Album “Mind Control” auch stets für die ganz großen Festivals verpflichtet wurde – bereits zweimal spielte man etwa am heimischen Nova Rock, und diesen Sommer nicht nur am französischen Prestige-Festival Hellfest, sondern eingebettet zwischen Kneecap, The Cure und Zara Larsson auch am dänischen Roskilde. Dort sehr zum Missmut von Damon Albarn von den zeitgleich spielenden Headlinern Gorillaz: Dieser bekam nämlich auf der Bühne einen divenhaften Tobsuchtsanfall, weil der Wind Uncle Acids vertonte Horrorgeschichten süffisant über seine kunterbunte Comicwelt wabern ließ.

Apropos Horrorgeschichten: Vor zwei Jahren wagten Uncle Acid einen kleinen Exkurs aus ihren gewohnten Klanglandschaften. Da erdachte sich Bandkopf Kevin Starr nämlich kurzerhand einen eigenen Giallo-Film – also einen italienischen Slasher im Stile von etwa Argentos “Suspiria”, “Tenebrae” oder “Profondo Rosso” – und vertonte diesen: “Nell‘ Ora Blu”, zu Deutsch “die blaue Stunde”, war ein verwirrender, radikaler Fiebertraum wie ein lebendiger LSD-Trip, ein exzentrisches Meisterwerk aus cineastisch rauschenden Synthesizern anstatt schwerer Gitarren. Dazu: Geschichten über Mord und Sex im Bella Italia der Siebziger.

Aber nun kehren Uncle Acid wieder zu ihrem gewohnten Sound zurück, am 18. September erscheint ihr siebtes Album “Shapes Of Midnight” – als erste Single davon ist bereits “House By The Grave” erschienen. Diesmal wechselt man aus der Filmwelt in die der Schauerliteratur und nimmt Edgar Allan Poes Seuchen-Erzählung “Die Maske des Roten Todes” als Fundament über ihre eigenen Erzählungen von allzu realen Albträumen unserer modernen Zeit und klingt dabei noch mehr nach einem Yin zum Yang der Beatles denn je zuvor, wurde das Album immerhin in den legendären Abbey Road Studios analog und von Chris Bolster aufgenommen, der bereits für Ozzy Osbourne und Paul McCartney am Sound tüfteln durfte. Verwendet wurde dabei zudem Equipment, das bereits die Beatles und Pink Floyd in Händen hatten. Kultfaktor eintausend!

Herausgekommen ist ein Album, das definitiv ein düsteres Hörerlebnis ist – es klingt “ein bisschen daneben”, wie es Starr selbst einordnet, aber mit den unheimlichen Harmoniegesängen, brillanten Thin-Lizzy-esken Twin-Gitarren und einer leichtfüßigen Schwere, die längst Uncle Acids Markenzeichen ist, zeitgleich auch unglaublich eingängig, einlullend wie ein Wiegenlied und fast schon poppig.

Aus der Schublade gekramt hat man jedoch sowohl den kraftvollen Galopp, der nicht nur ihre eigenen Frühwerke, sondern vor ihnen auch schon die Giganten der NWoBHM – etwa Iron Maiden – auszeichnete, als auch die jazzigen Texturen, die schon dem verschrobenen Krautrock (FFO: Can, Tangerine Dream, Amon Düül II, Faust) anheim waren: So schiebt sich “Shapes Of Midnight” angriffslustig, aber possierlich über Hammer, Amboss und Steigbügel in die Gehirnwindungen ein und zieht wie ein Mahlstrom den geneigten Hörer in eine Klangwelt, die zwischen Melodie und Dissonanz, zwischen Morbidität und Vitalität zerrt – und wahrlich wie ein ungezogenes, dabei aber doch irgendwie knuffiges Kind aus den Lenden von den Beatles und Black Sabbath klingt: ein wahrer “Dennis the Menace”.


Live-Termine


Uncle Acid & The Deadbeats

27. Februar 2027 | Wien, Flex
Support: Conan, Earth Tongue
Tickets gibt es ab Freitag, 4. September um 10 Uhr!


Infos auf dem Stand vom 02.09.2026  

Tickets Uncle Acid & The Deadbeats
Artikel teilen

Könnte dich auch interessieren