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Konzerte

FFO Charli XCX, St. Vincent, FKA Twigs und Fever Ray: Farce mit "The Label"

08.09.2026 von Stefan Baumgartner

FFO Charli XCX, St. Vincent, FKA Twigs und Fever Ray: Auf ihrem dritten Album “The Label” changiert die Wahlwienerin Farce zwischen Beats und Riffs – ein kompromissloser “Trauma Bounce”.

Hinter dem Künstlerinnennamen Farce steht die Wahlwienerin Veronika König: Geboren im Schwabenland, lernte sie bereits als Kind klassische Gitarre – was aber schnell ziemlich uncool wurde. Der Wechsel zur E-Gitarre, zu Bands und zum einhergehenden Lärm – vom Emocore zum Black Metal – folgte im Sauseschritt, wie auch schließlich der Umzug in unsere Hauptstadt.

Dort machte sie mit der eigenwillig mit “Ich sehe im vorbeifahrenden Auto den Unfall mitvorbeifahren in Zeitlupe und rückwärts” betitelten EP erstmals solo von sich hören. Auffallend: Die juvenile Krachmusik hatte sie da bereits am Grenzübergang abgegeben, das Ergebnis klang artifiziell und gewissermaßen schwebend, wenngleich das Dunkle, der Ambient Noise geblieben ist – dazwischen aber diese kalte, klare, schöne Stimme, die verlockt. Wieso die Korrektur? “Wenn du dir ab dem Alter elf jeden Tag Musik anhörst, in der dich Männer anschreien, dann macht das etwas mit dir”, verriet sie in einem Gespräch mit dem Standard dazu. Feel you.

Und auch wenn ihr erstes volles Album aus dem Jahre 2018 mit “Heavy Listening” betitelt war: Das, was man da zu hören bekam, war bereits durchaus tanzbar, wenngleich unglaublich kühl, verquer und verschroben – für Fans aus der Bubble zwischen Fever Ray und Charli XCX, St. Vincent und FKA Twigs bereits damals schon, in seiner ungeschliffen roughness, eigentlich ein gefundenes Fressen. “Heavy Listening” ist die Fahrstuhlmusik dafür, wenn der eigene Gefühlszustand im Eilzugstempo zwischen Kellerverlies und Dachboden-Loft auf- und absaust. Der Soundtrack dafür, wenn ein Glas schwerer Rotwein zu viel im gleißenden Stroboskoplicht irgendeines vernebelten Kellerlokals der einzig wirkungsvolle Eskapismus ist. Highlights der Platte war das Doppel “I Hate Berlin I” und “I Hate Berlin II”, auf denen Ebow als blaqtea zu hören ist – so nennt sie sich bekanntlich, wenn sie als Teil der Gaddafi Gals auf English rappt.

2022 dann ein Eck mehr Licht ins Dunkel: “Not To Regress”, Album Nummero zwo, klang wie ein Coming-of-Age-Soundtrack, mal melancholisch, mal elegisch – bei Gott kein Mainstream-Pop, sondern Indie mit viel Introspektion, vielschichtig und emotional. Dabei wirkt “Not To Regress” wie eine Katharsis, ein Stimulus, der kickt, wie das Luftatmen nach einem Tauchgang. Ein Highlight hier: “Thee Silence”, gemeinsam mit Soap&Skin – und natürlich eine Verbeugung vor Depeche Mode.

Diesen Juni erschien mit “The Label” nun das dritte Album von Farce – und erneut eine Schärfung ihres unikalen Soundprofils. Süße Schwermut flirrt da durch pulsierende, industrielle Beats und knackige Riffs, alles dreht sich um Selbstbilder und Fremdzuschreibungen – also eben das “Label”, das jeder Mensch aufgezwängt bekommt. Oder sich auch selbst in dieses gewandet. Wir kommen gar nicht nach, zu zählen, wie viele Hooks sich am Album versammelt haben ("Cherry Anigoma", oida!) – und der von klinischen Synthesizern elektrisierte Sound kratzt mal an Euphorie, mal an Friktion, springt spielerisch jetzt zur Electronica und gleich in den Trance, dann hin zum Hyperpop. Das Ergebnis? Ein einlullendes Gesamtkunstwerk, das Nischen negiert und vielmehr als ganzheitliche Ästhetik funktioniert – die sich, so Farce, unter anderem an “later in life queers who love David Byrne” richtet, wo wir wieder bei Charli XCX angelangt wären. “The Label”, das ist in seiner stiebenden Vielschichtigkeit, eine absolute Over-Stimulation, die nachdröhnt – ein “Trauma Bounce”, wie schon Farces EP aus dem Jahre 2020 treffend betitelt war.

Dass Farce mit dieser Klangwelt bereits nicht nur vom Popfest bis hin zum Donaufestival, sondern gar aufs Primavera Sound gereicht wurde, versteht sich fast von selbst: Wer von ihrem Sound ebenfalls verführt werden will, sollte sich ihre kommenden Clubshows definitiv nicht entgehen lassen – bereits diese Woche Donnerstag im FLUCC, im Oktober dann mit Cousines Like Shit in Graz und Salzburg. Für einen moderaten Obolus bekommt man da wahrlich ein akustisches Erweckungserlebnis geschenkt.


Live-Termine


Farce - "The Label"

10. September 2026 | Wien, FLUCC
22. Oktober 2026 | Graz, Orpheum (mit Cousines Like Shit)
24. Oktober 2026 | Salzburg, ARGEkultur (mit Cousins Like Shit)


Infos auf dem Stand vom 08.09.2026  

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