Bild: Tocotronic
Während die großen Festivals Nova Rock, Lido Sounds und FM4 Frequency sommerliche Fixpunkte sind, bieten zahlreiche Boutique-Festivals auch in den Lücken Eskapismus pur. Wir haben für euch ein paar der zahlreichen Highlights herausgepickt!
Ein Fixpunkt jedes Jahr ist natürlich ab Anfang Juli das Poolbar Festival, das alle Jahre wieder zu einem “Wechselbad der Gefühle” lockt - dieses Jahr unter anderem mit Tocotronic, Kadavar, unserer heiß geliebten Sodl, Voodoo Jürgens, Turbobier, OSKA, Mighty Oaks, Aloe Blacc, Mira Lu Kovacs, Noga Erez (!), Helge Schneider, My Ugly Clementine, Endless Wellness, Melvins (!), Milky Chance, Wolfmother, Rian, Camo & Krooked und vielen mehr.
Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs!
zwischen 23. Mai und 13. Juni, u. a. im Burghof Klagenfurt
Bereits in zwei Wochen wird der Festivalsommer in Kärnten eingeläutet – wenngleich das Klagenfurt Festival kein Festival im klassischen Sinne ist, soll heißen: Man steht beim Klagenfurt Festival nicht auf einem Acker im Nirgendwo und orgelt sich bereits zu frühen Morgenstunden das erste Bier rein. Vielmehr findet das Klagenfurt Festival inmitten der Klagenfurter Altstadt statt, die meisten Konzerte im edlen Burghof.
Über drei Wochen hinweg wird ein Programm geboten, dass so divers wie fein kuratiert ist – und durchaus unterschiedliche Interessen anspricht: So kann man mit Austrofred am 23. Mai und Marina & The Kats am 24. Mai ausgehend vom Neuen Platz einen kleinen, musikalisch untermalten Spaziergang starten. Wer Konzerte lieber sitzend (oder stehend) erlebt, der ist herzlich eingeladen, sich mit Buntspecht am Eröffnungstag „durch die Tür“ in den Burghof zu begeben und dort etwa Soap&Skin (24. Mai), CocoRosie (27. Mai) und Bibiza (6. Juni) zu lauschen.
Aber es ist nicht nur die Musik, der man in Klagenfurt begegnet: Benjamin von Stuckrad-Barre liest am 25. Mai aus seinem Bestseller „Noch wach?“ und erzählt von Machtmissbrauch und #MeToo, während Pussy Riot am 31. Mai (im Musilhaus) im Gespräch mit Christine Scheucher über ihre künstlerischen Aktionen gegen die russische Oligarchie erzählen.
Literarisch, auf mannigfaltige Weise, wird es aber auch bei den Tiger Lillies am 26. Mai, die mit „The Last Days Of Mankind“ das Meisterwerk von Karl Kraus vertonen, während Philipp Hochmair & Die Elektrohand Gottes am 31. Mai Adalbert Stifters „Hagestolz“ neuinterpretieren und Ben Becker am 4. Juni im Dom mit „Todesduell“ die vielleicht berühmteste Predigt der Welt auf die Bühne holt.
Während es sich im Programm noch viel mehr zu entdecken lohnt, sei Besucher*innen des Festivals auch ein kulinarischer Tipp mit auf den Weg gegeben: Bei I Am No Italian gibt es die vielleicht beste Pizza Kärntens!
29. bis 31. Mai, Spielboden Dornbirn
Das erste klassische Festival dieses Jahr findet in Vorarlberg statt, genauer gesagt im Spielboden Dornbirn: Die neunte Ausgabe startet am 29. Mai am Parkdeck vom Rhomberg Areal, und zwar mit einem Gratis-Konzert der Hip-Hopper Hidden Gemz, hoffentlich gutem und warmen Wetter und klarer Sicht auf die Dornbirner Bergwelt.
Freitag und Samstag geht es dann - kostenpflichtig - im Spielboden weiter, je Tag laden fünf Bands dazu ein, sich nicht nur mit einem sehr feinen musikalischen Angebot, sondern auch mit Markt, Bier und Pizza auf den nahenden Festivalsommer einzustimmen. So versprechen am ersten Tag unter anderem Bon Jour und Buntsprecht, am zweiten Tag die Leftovers und Sofie Royer ein “buntschimmerndes” Line-Up, das dem Nachmittagsprogramm den ganz, ganz großen Festivals durchaus das Wasser reichen kann! Insbesondere die österreichisch-iranisch-amerikanische Popmusikerin, Malerin und DJ Sofie Royer wird mit ihren Liedern, die zwischen Synthiepop, Italo Disco und Softrock changieren unweigerlich Urlaubsgefühle aufkommen lassen!
25. und 26. Juli, Festivalgelände Wiesen
Neben dem Kaltenbach Open Air, dem Sick Midsummer, dem Metal On The Hill und dem Area 53 ist seit vergangenem Jahr auch das Metal Fields am malerischen Festivalgelände Wiesen zu einem Mekka für alle lauten, langhaarigen, tätowierten, biertrinkenden Festivalgänger geworden: War man vergangenes Jahr noch etwas vorsichtiger, setzte bevorzugt auf österreichische Bands (darunter Belphegor) und bespielte "nur" die Indoor-Bühne, wagt man sich dieses Jahr nicht nur auf die große Open-Air-Bühne, sondern lässt das Line-up auch internationaler, größer werden.
Allen voran stehen da natürlich die beiden Headliner - die franko-kanadische Hyperblast-Maschine Kataklysm und Life Of Agony, die amerikanischen Alternative-Heroen, die mit “River Runs Red” eines der vielleicht wichtigsten Alben der Neunziger veröffentlicht haben. Aber auch der “Mittelbau” des zweitägigen Festivals ist wirklich gut geraten: Ordentlich pflügen werden da nicht nur Midnight, die sich ungeniert bei Carnivore, Venom und Motörhead bedienen, sondern auch Demolition Hammer, die zwar neben der übergroßen Konkurrenz von Metallica, Slayer, Testament, Kreator und Exodus in den frühen Neunzigern immer ein bisschen untergegangen sind, aber neben den französischen Massacra mit das Beste sind, was der Thrash Metal jemals herausgebracht hat. Oder auch Dying Fetus, die vielleicht beste und größte Death-Metal-Band der “zweiten Welle”, die beweist, dass man auch zu dritt ordentlich vor den Latz knallen kann und wortwörtlich auf den Mainstream pisst. Aber auch das übrige Line-Up von Ewig Frost bis Insanity Alert, von Ahab bis Orange Goblin kann sich sehen und hören lassen!
Achtung: Für Caravans ist ein eigenes Ticket notwendig, das natürlich nur in Verbindung mit einem Festivalpass gültig ist!
31. Juli bis 2. August, Am Alten Rhein in Lustenau
Westlich von Salzburg tauchen wir am Höhepunkt des Sommers ein in eine Festival-Zwischenwelt, die vor allem aus einem Grund so besonders ist: Mit viel Engagement und Herzblut veranstaltet in Lustenau der örtliche Kultur- und Jugendverein das dreitägige Festival, das neben dem einnehmenden Ambiente und dem tollen Musikprogramm vor allem auch daraufsetzt, den Besucher*innen die Bedeutung von Natur und Umwelt näher zu bringen. Ihr Ökologiekonzept ist preisgekrönt und zeigt, dass Freiluftkonzerte nicht nur vom musikalischen Programm und dem kollektiven Spaß, sondern auch vom Naturerlebnis leben.
Apropos Natur: Im Festivalpass ist nicht nur das Camping direkt am Gelände integriert, Besucher*innen steht auch ein Badeeingang zur Liegewiese am angrenzenden Alten Rhein zur Verfügung! Und neben der Tagesbühne auf dem Campingplatz gibt es auch eine betreute Grillstelle, die untertags dazu einlädt, Essen selbst zu grillen!
Ein weiterer Benefit vom Szene Openair: Die zwei Bühnen, die Alter Rhein Bühne und die Szene Bühne, werden abwechselnd bespielt, sodass man keinen Live-Act verpasst! Will man bei dem Programm auch nicht: Egal ob Provinz, Ski Aggu, Yung Hurn, Aut Of Orda, Thorsteinn Einarsson, Esther Graf, Jan Delay, Fäaschtbänkler, Christina Stürmer, Ikkimel, Eli Preiss, Mathea oder die vielen anderen Namen: Das Programm ist nicht nur auf das junge, hippe Publikum perfekt zugeschnitten sondern klingt auch zumindest gleich gut wie das Programm seiner großen Brüder und Schwestern!
8. und 9. August, Döbriach in Kärnten
Vor 25 Jahren (!) fand das erste Sauzipf in Döbriach, direkt an einem der schönsten Seen Kärtens, dem Millstätter See statt - stets mit einem überaus fein kuratierten Programm zwischen Doom, Stoner und Heavy Rock, dazwischen auch ein bisschen Punk und Hardcore. Außerdem gibt es beim Sauzipf veganes Essen und Lagerfeuer, Camping und Parken sind inklusive.
Aber wer lockt dieses Jahr nach Kärnten? Wolvennest aus Belgien - eine alles andere als gewöhnliche Band mit einer Dualität aus rituellem Black Metal und hypnotischem Psychedelic Krautrock. Triptonus aus Wien, die mit klassischer Besetzung, aber auch Didgeridoo, Darbuka und viel mehr nicht nur Musik erschaffen, sondern gewissermaßen einen akustischen Drogentrip. Nicht minder auch Mothers Cake aus Innsbruck, die wie eine perfekte Symbiose aus The Mars Volta, Red Hot Chili Peppers und Porcupine Tree klingen, mal funkig, mal rockig, mal progressiv oder psychedelisch. Dann sind da noch Franz Fuexe, die aus dem Mostviertel kommen und neben dem Musikmachen am liebsten Nazis verkloppen. Oder auch Dopethrone aus Kanada, die nach Schweiß, Adrenalin und Blut klingen, mit einer gewaltigen Wall aus Fuzz und dronigem Rauschen. Aber auch die übrigen Bands brauchen sich nicht zu verstecken: “No filler, just killer” ist eindeutig die Devise!
21. bis 24. August, auf der Petzen bei Bleiburg
“Sonne, Almen, Liebe und Blumen” gibt es dieses Jahr wieder am Fuzzstock, einem der vielleicht geilsten, malerischsten Festivals in ganz Österreich - und das noch dazu aus der Feder von Herwig Zamernik (Naked Lunch, Fuzzman und früher einmal Disharmonic Orchestra). “Auf der Petzen”, einem Bergmassiv der Karawanken im Grenzgebiet zwischen Kärnten und Slowenien, südlich der Stadt Bleiburg findet man da am Ende des Sommers noch einmal Sommerfrische mit einer guten Menge an Subkultur und Almidylle, eingehüllt in Sonnenschein. Beim Betreten dieses kleinen Mekkas für Alternativkultur spürt man sofort, dass hier mehr geboten wird als „nur“ Konzerte und Lesungen: Man fühlt sich wie ein Teil eines Kollektivs, einer generationenübergreifenden Familie.
Aber natürlich kommt man nicht nur wegen der “Familie”, sondern auch wegen des Programms - vom dem erst ein paar der Highlights angekündigt sind: Tocotronic bringen die “Golden Years” und die Hamburger Schule auf die Alm, während International Music so wahnsinnig sind wie Helge Schneider, dabei The Jesus And Mary Chain auf Velvet Underground und The Beatles prallen lassen: “Melancholie im Rausch der Gitarre”, schrieb dazu mal das Online-Portal laut.de. Aber auch vom Kommen der “pikanten” Ankathie Koi und Donna Savage & Brenk Sinatra wissen wir bereits: Donna glänzt mit harten Punchlines und einer gewaltigen Portion Selbstbewusstseins, Rollenklischees und Schubladen sind ihr scheißegal - und ihre unverkennbar rauchige Stimme matcht perfekt mit den wuchtigen Beats von Producer-King Brenk Sinatra.
Während wir auf das restliche Programm noch warten, sei auch verraten: Eines der Highlights am Fuzzstock ist auch immer wieder die Bergwanderung vom “Fuzzman” mit der Festivalcrowd. Von der Petzen geht es zu einer kleinen Mosthütte, eine Wanderung von rund 35 Minuten entlang von Skipiste, Mountainbiketrack und Blumenwiesen. Zau-ber-haft!
Und schließlich noch ein kleiner Hinweis auf das Mostival mit Tagtraeumer und den Comedy Hirten, auf das Naturfestival Rock Die Weide mit unter anderem Küenring, das Midsummer Festival in Langkampfen, das neben 30 Künstler*innen auch Foodtrucks, Tattoos und viel mehr bietet, sowie das Cross.over am Schlossberg Griffen, bei dem dieses Jahr Sort Of Odd, Bezzer Weezer und Retschn ernst sei Maschin aufspielen werden!
Ihr seht also: Es muss nicht immer nur Nova Rock, Lido Sounds oder FM4 Frequency sein! Sondern am Besten immer “auch”!