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Sodl und der Schafsmann

05.03.2025 von Stefan Baumgartner

Sodl ist seit fünf Jahren der erklärte Liebling der Hörer*innen von FM4, nun erscheint ihr Debütalbum „Sheepman“: Ein Album zwischen (Alp)traumwelten und Tiergesprächen.

Sodl heißt eigentlich Anja Sodnikar, ist heute 21 Jahre jung und kommt aus dem Salzkammergut. Noch als Jugendliche ist sie dereinst in die Redaktion des Radiosenders FM4 hineingeschneit und hat die Hörer*innenschaft sogleich mit ihren Liedern verzaubert, aus den Charts war sie seitdem mit etwa “I Am A Woman” und “Mary, The Anarchist” nicht mehr wegzudenken. Kein Wunder, dass ihr nun am Freitag im GLOBE bei den Amadeus Austrian Music Awards der FM4 Award verliehen wird.

Aber Sodl hat noch mehr zu zelebrieren: Am 14. März erscheint ihr Debütalbum „Sheepman“, es ist eine Reise durch eine märchenhafte Welt, in der wir mystischen Wesen gleichermaßen wie einer starken, weiblichen Leitfigur begegnen. Begleitet von Matthias Pfaffl am Schlagzeug, Leo Weidinger am Bass und Paulina Scholz an der Violine schafft Anja Sodnikar hierauf einen wahnsinnig geschickten Spagat zwischen „alt“ und „jung“, wirkt das Album doch textlich, aber auch musikalisch sowohl kindlich-verträumt, gleichermaßen aber auch erwachsen-aufgeklärt – irgendwo im Spannungsfeld zwischen den Feedback-Schleifen von Neil Young und dem introspektiven Zauber von Alice Phoebe Lou. Wenn Träume immer so hinreißend wie der „Sheepman“ wären, wäre ich gerne Schläfer (oder: Schäfer) von Beruf.

Deine Karriere wurde quasi vom Radiosender FM4 mitbegründet – in deinem umfangreichen Gespräch im Juni 2020 mit Martin Blumenau selig hast du damals einen schönen Satz gesagt: Du magst die Vorstellung, ein „kleines Mädchen zu sein, das mit ihrer Musik einen Einfluss auf den Tag eines Menschen hat“. Abgesehen von der einnehmenden Idee, wie viel Musik bewegen kann: Was ist aus dem kleinen Mädchen von damals geworden, das nun, fünf Jahre später, sogar den FM4 Award gewonnen hat?

Die Zeit seit damals war für mich geprägt durch sehr viele Veränderungen: Ich habe die Schule abgeschlossen, bin von zu Hause ausgezogen und habe mein Studium begonnen. Das war schon eine Lebensveränderung für mich. Aber ich habe natürlich auch immer extrem viel Musik gemacht und vor zwei Jahren damit begonnen, mein Album „Sheepman“ aufzunehmen. Man kann also sagen, die letzten fünf Jahre waren auch viel von Musik geprägt.

Siehst du dein erstes Album „Sheepman“ gewissermaßen als Abschluss einer Momentaufnahme?

Eigentlich bin ich eher fluide, aber ja, ich glaube, man wird ein bisschen gezwungen, in Phasen des Lebens zu denken: Bei mir waren es jetzt die Phasen, wo meine Musik aufgenommen wird, die Phase, wo das Album dann gepresst wird und dann die Phase, wo Promo-Termine stattfinden. Und jetzt fühlt es sich schon wie ein Abschluss von etwas an, irgendwie habe ich da auch Angst davor: Das Album hat viel Zeit von meinem Leben eingenommen und vielleicht fühle ich mich dann irgendwann ein bisschen leer danach?

Weil du gerade die „Promo-Termine“ angesprochen hast: Zum Künstler*innenleben gehört eben nicht nur, Musik zu machen, sondern mit Menschen wie bei FM4, bei der Kronen Zeitung oder eben auch mit mir darüber zu sprechen. Wie geht es dir damit, in eine „Vogelperspektive“ gezwungen zu werden und deine Musik Revue passieren zu lassen?

In erster Linie ist das für mich eine große Ehre, weil ich nie gedacht hätte, dass sich fremde Menschen so intensiv mit meiner Musik auseinandersetzen und sich wirklich dafür interessieren. Deswegen ist das für mich voll schön und ich fühle mich gar nicht gezwungen dazu.

Das erste Mal konfrontiert mit dieser Vogelperspektive war ich aber, als ich meinen ersten Pressetext selbst habe schreiben müssen, und das habe ich schon zach gefunden, wenn man sich da selbst beweihräuchern muss (lacht). Die richtigen Worte für einen selbst zu finden, das ist nicht so leicht. Dann habe ich aber einen Pressetext gelesen, den wer anders über mich geschrieben hat und gemerkt, dass ich vielleicht zu hohe Ansprüche an mich selbst hatte. Jetzt bin ich es schon ein bisschen gewohnt, auch im Gespräch dann meine Lieder zu analysieren – für mich ist das oft so wie eine Gedichtanalyse im Deutschunterricht: Ich schreibe die Lieder halt, sie kommen aus mir heraus und ich denke nicht groß darüber nach, was ich wie sagen möchte. Für mich sind meine Lieder einfach da. Aber in Gesprächen merke ich dann oft erst wirklich, worum es mir da eigentlich gegangen ist oder was ich in meinen Texten verarbeiten musste.

Versuchen wir doch gleich einmal, dein Album ein bisschen zu zerpflücken! Beim „Schafsmann“ beziehst du dich wohl auf die beiden Bücher „Tanz mit dem Schafsmann“ und „Wilde Schafsjagd“ von Haruki Murakami …

Ja, wobei ich sie aber gar nicht gelesen habe (lacht).

Wieso dann: „Schafsmann“? Denn eigentlich fand ich ihn als Kernfigur für dein Album durchaus treffend, wirkt er doch in beiden Büchern als Vermittler zwischen Bewusstseinsebenen, gerade für Menschen in einem Zustand der Orientierungslosigkeit.

Das ist eine sehr schöne Zuschreibung! Aber ich habe eigentlich nur das Buchcover gesehen und mich sehr vor diesem Schafsmann, diesem Halb-Mensch-Halb-Tier, gefürchtet. Ich fürchte mich ja vor sehr vielen Sachen, aber sie faszinieren mich auch. Ich mag es, wenn ich mich vor etwas fürchte!

Die so oft angesprochene „Lust am Schauder“ der Fantastik, des Horrors.

Ja, voll! Aber ich kann zum Beispiel nicht mehr „Tatort“ schauen, das ist mir schon zu viel. Es sind eher so märchenhafte Sachen, vor denen ich mich fürchte, aber trotzdem gern mag. Und der Schafsmann ist genau so eine Figur, vor der ich mich fürchte, die mich aber auch anfeuert. Aber ja, die Interpretation als Orientierungshelfer, die gefällt mir auch ganz gut (lacht).

Werden die beiden Murakami-Bücher vielleicht jetzt im Nachgang gelesen, nachdem das Album und damit auch das Kapitel für dich abgeschlossen ist?

Aber was, wenn mir die Bücher dann gar nicht gefallen? Das wäre auch blöd. Vielleicht lese ich sie, wenn ich ganz alt bin.

Schafe sind ja auch nicht die einzigen Tiere, denen wir am Album begegnen – da ist etwa auch ein Specht zu hören. Ich gehe vielleicht mit meiner zweiten Annahme richtig: Tiere sind dir besonders ans Herz gewachsen.

Voll. Ich mag mein jetziges Leben in Wien sehr gern, aber mit fehlen die Tiere von daheim wirklich. Ich würde mich zum Beispiel sehr wohl fühlen als Hirtin einer Schafsherde.

Das wäre dann für dich wohl – neben dem Fliegen, wenn ich an dein älteres Stück „I Wanna Fly To Mercury“ denke – eine Superkraft, die dir sehr gut zu Gesicht stehen würde: Mit Tieren kommunizieren zu können.

Das wäre schon lustig, das würde ich sofort annehmen, wenn mir das wer anbieten würde (lacht). Manchmal würde ich gerne mit meinem Kater sprechen – also, er gehört nicht mir, aber er kommt immer zu uns. Und ich glaube, der hat ein ziemlich lustiges Leben, da würde ich gern mehr erfahren über seine Lebensphilosophie.

Was glaubst du, kann der Mensch vom Tier lernen?

Ich glaube, viel Ruhe.

Dein Album lebt auch stark von Traumwelten: Merkst du dir deine Träume, fließen die in deine Texte mit ein?

Schon. Aber manchmal vergesse ich sie absichtlich wieder, wenn sie recht grauslich sind. Ich habe früher einmal auch Traumtagebuch geführt, aber wenn man das tut, dann träumt man immer mehr, immer lebendiger – und das ist manchmal gar nicht so gut. Deswegen habe ich damit wieder aufgehört.

Von der Nacht zum Tag: Du hast in einem Interview mit MeinBezirk gesagt, dass du aus deiner lebendigen Fantasie schöpfst – und zwar, ich zitiere, „inspiriert von einer singenden Amsel gleichermaßen wie einer eingetrockneten Spaghetti-Nudel in der Mikrowelle“. Das klingt danach, als wärst du hin- und hergerissen zwischen tagträumerisch-gedankenverloren und hyper-aufmerksam. Ist so ein „immer schreibender Geist“ auch ein Stressfaktor?

Dass man auf allerlei Reize so sensibel reagiert, ist, finde ich, ein Geschenk – weil desto sensibler du bist, desto intensiver ist auch deine Verbindung zur Welt. Ich würde ungern abgestumpfter sein wollen. Aber wie ich nach Wien gezogen bin, war ich nach einer U-Bahn-Fahrt so erschöpft, weil diese vielen Menschen eine Reizüberflutung für mich waren. Manchmal ist mir auch heute noch im Penny schwindelig, weil mich all diese vielen Farben überfordern (lacht). Aber man lernt, damit umzugehen. 

Stichwort Supermarkt: Springen wir noch einmal kurz zurück zu deinen Spaghetti; italienische Westernfilme werden auch gern als „Spaghetti-Western“ bezeichnet. Ich fand es spannend, dass gerade ein Lied mit dem Titel „I Am A Woman“ klanglich, mit den Bläsern, Western-Vibes verströmt, da Westernfilme tendenziell auf einem männlich-rebellischen Ideal aufbauen. Ist das von dir ein bewusst gesetzter Bruch?

Das war tatsächlich unbewusst, mir hat einfach die Akkordfolge gut gefallen. Ich frage mich nur gerade, ob man dann solch kluge Interpretationen auch in den Pressetext packen sollte (lacht).

Kau meinen Kolleg*innen nicht zu viel vor, selbst denken schützt vor Senilität!

(lacht) Aber für mich ist das, wie du mein Album wahrnimmst, auch wieder irgendwie wie ein Futter. 

Was macht das „Frausein“ für dich eigentlich aus – gerade in einer Zeit, in der auch versucht wird, mit klar abgesteckten, stereotypen Geschlechterrollen zu brechen?

Gar nichts. Geschlecht ist performativ. Natürlich, das Geschlecht und wie man aussieht beeinflusst, wie man von der Gesellschaft wahrgenommen wird, es ist meine Identität. Und ja, ich fühle mich als Frau, aber ich denke, Frausein ist das, was wir selbst, jede für uns, daraus machen. Das Lied ist aber kein Statement etwa zu binärer Geschlechtlichkeit.

Lieder werden aber immer von den Hörer*innen interpretiert – falsch oder richtig, das sei dahingestellt, es sind immer individuelle Zugänge. Was möchtest du mit deiner Musik erreichen?

Ich denke beim Schreiben nie darüber nach, was ich mit einem Lied erreichen möchte. Aber ich hoffe, dass Musik Hörer*innen näher zu sich selbst – oder anderen bringt. Ich habe zum Beispiel einmal einen Song über meine Probleme mit einer Freundin geschrieben, und sie hat dadurch ein Problem für sich mit einer anderen Freundin gelöst. Ich finde es schön, wenn Musik eine Brücke sein kann, ohne dass man sich hinsetzen und etwas ausreden muss.

Empfindest du selbst deine Musik somit als Ventil, als Katharsis?

Ja. Ich bin oft ganz verwirrt, dann setze ich mich mit der Gitarre hin und alles wird aus mir herausgespült.

Zwischendurch, nach all diesen tiefschürfenden Fragen, eine kleine Auflockerung: Denken wir noch einmal an deine Spaghetti in der Mikrowelle. Eine italienische Person dürften wir das nicht fragen, aber: Schmecken alle Pasta-Arten gleich? Welche Pasta findet man in deinem Vorratsregal?

Früher war ich Fusilli-Frau, und ich esse unglaublich gern Buchstabensuppe. Die gibt es eigentlich jede Woche bei mir. Aber ich mag auch Linguine sehr gern, weil – du wirst es nicht glauben: Ich habe ein irrsinnig großes Problem mit Haaren, und ich finde, die dünnen Spaghetti schauen aus wie Haare (lacht).

Kommen wir zu „Fuchsia“: Fuchsien sind ein Symbol, das von „Schönheit“ bis hin zur „Vergänglichkeit“ gleichermaßen reicht, aber auch mit oft zweifarbigen Blüten für Gegensätze steht. Fuchsien wirken anmutig, fast schüchtern: Was schwingt für dich bei Fuchsien mit, sind das deine Lieblingsblumen?

Mir ist es da mehr um das Wort an sich gegangen, auch wenn ich danach draufgekommen bin, dass ich es eigentlich falsch ausspreche (lacht): so wie ich es ausspreche, klingt es so, wie wenn man am Schlagzeug aufs Becken haut. Und bei dem Lied geht es eigentlich darum, dass etwas reif dafür ist, losgelassen zu werden, dass die Arme – die Äste – nicht mehr lang genug sind, dass man jemanden hält, und zwar obwohl man sich extra von einem Menschen in einen Baum verwandelt hat.

Apropos Vergänglichkeit: In „Mama“ lässt du das lyrische Ich davon erzählen, eine geheime Hoffnung gehabt zu haben, mit 16 bereits gestorben zu sein. Herzzerreißend, dass man als junger Mensch schon Gedanken an die Vergänglichkeit und den Tod mit sich trägt. Schöpfst du kreativ eher aus Schwermut oder Glückseligkeit?

Aus allem eigentlich. Ich schreibe auch viele Songs aus einem Glücksgefühl heraus, aber es muss immer reif sein zum Fühlen – und es ist schon überall zumindest ein bisschen Melancholie mit dabei.

Welche Bedeutung haben Vergänglichkeit und Tod für dich, sind sie doch unausweichlich. Ist das für dich ein bedauernswertes Ende oder lediglich eine Brücke ins Ungewisse?

Darüber habe ich in „Oh, To Be Vast Like The Universe“ 2021 geschrieben: Ich empfinde den Tod als große Erweiterung. Ich finde es immer schade, wenn jemand meint, wir sind nur vergängliche Organismen. Mir erscheint es sinnvoller zu glauben, dass es danach noch weitergeht.

Vom Tod zum Leben: In „Mary, the Anarchist“ singst du unter anderem die Zeile „I wanna taste your sins“. In der religiösen Leseart haben wir sieben Haupt-Sünden, von Hochmut und Geiz über Wollust und Zorn bis hin zur Völlerei, Neid und Faulheit. Machen Sünden und Laster das Leben erst lebenswert?

(lacht) Ich glaube, das kommt immer darauf an, was man selbst als Sünde oder Laster definiert. Ich glaube nicht, dass man jemanden ermorden muss, damit das eigene Leben lebenswert wird, aber man muss vielleicht seine eigenen Grenzen hie und da auch ausloten (lacht). Also: Nicht beim Ermorden, aber bei allem anderen. Aber eigentlich bin ich ziemlich harmoniesüchtig.

Kann man mit dir dann gut streiten – etwa auch im künstlerischen Prozess?

Ich streite eigentlich nie, ich rede nur (lacht). Bei der Band ist es ganz einfach, weil ich die Lieder allein schreibe – natürlich gibt es da dann hin und wieder Anregungen oder Vorschläge, aber wir sind meistens ohnehin einer Meinung, und wenn nicht, dann bin immer noch ich die Chefin (lacht). Aber ich würde trotzdem nicht sagen, dass meine Musik nur meins ist, weil indem wir darüber reden, indem meine Band mitspielt, verändert sie meine Ideen maßgeblich. Für mich ist das Album etwas, das aus ganz vielen Köpfen und Händen entstanden ist – und dieser Austausch ist für mich ganz wichtig.

Inwieweit reifen oder verändern sich deine Stücke, wenn sie live gespielt werden?

Ich schaue immer, dass ich die Lieder, die ich veröffentliche, dann live auch tatsächlich spielen kann (lacht). Aber ich glaube, wir sind live explosiver, wilder als auf Platte.

Liegt das daran, dass du in deinem „Safe Space“ der Bühne bloßfüßig bist, ohne Puffer geerdet bist?

Ich habe das Problem, dass ich mit Schuhen auf der Bühne nicht gescheit funktioniere. Ich kann da nicht klar denken und falle immer über alles drüber. Ich muss sogar bereits beim Soundcheck die Schuhe ausziehen, weil ich einfach so patschert bin (lacht)

Ein kreativer Rückzugsort für Sodl: Die Gartenhütte daheim, im Salzkammergut. (Bild: Anja Sodnikar)

Deine Lieblingsmusikerin Alice Phoebe Lou ist von Südafrika nach Berlin gezogen – du immerhin von Gmunden nach Wien. Inwieweit bestimmt dein Umfeld auch deinen Zugang, Musik zu machen? Dort die Langsamkeit, Ruhe und Natur, hier die Schnelllebigkeit, der Lärm und das dichte Straßennetz.

Ich glaube, meine Erfahrungen in Wien sind einfach andere – vor allem diese Menschenmassen und das Raumthema, das bei mir oft vorkommt. Aber den „Woodpecker“ habe ich zum Beispiel in Wien geschrieben, obwohl er besser ins Salzkammergut passen würde. Ich würde sagen, es vermischt sich – aber für manche Lieder war Wien schon notwendig.

Vielleicht ist der „Woodpecker“ ja dann für dich gewissermaßen eine Sehnsuchtsverarbeitung an die Heimat. Welche Plätze im Salzkammergut sind für dich Orte, an denen du besonders gerne wiederkehrst – gleich ob kontemplativ oder inspirativ?

Ich bin gern bei meinen Eltern, zum Beispiel in der Gartenhütte. Die ist zwar sehr oft vollgestellt, aber manchmal auch nicht: Da bin ich dann sehr gerne und schreibe oder mache Musik. Wir haben auch eine alte Kredenz mit viel Krimskrams, die ich immer wieder gerne durchstöbere. Natürlich bin auch gerne im See, der See ist immens wichtig für mich, meine Musik, für alles: Wenn ich einmal sterbe, möchte ich, dass meine Asche über dem See verstreut wird; das ist mein Zuhause. Und es gibt ein Waldstück bei mir im Salzkammergut, da rinnt ein Bächlein durch und da sind ganz selten Menschen, da ist es so schön!

In der Ruhe liegt die Kraft: Der See und der Wald als wichtige Rückzugsorte, fernab der Reizüberflutung Wiens.
(Bilder: Anja Sodnikar)

Du singst, bist bereits als kleines Kind am Klavier der Schwester gesessen, hast dann Knopfakkordeon gelernt – es aber nie vor dem Frühstück daheim spielen dürfen –, und hast dir dann auch noch die Gitarre selbst beigebracht. Wie und worauf schreibst du deine Lieder, hast du als Multiinstrumentalistin da den einen Zugang?

Nicht einen, nein. Mein Zugang ist, dass alles zu mir kommt. Am Akkordeon kann ich nichts schreiben, das nicht melancholisch ist, dafür kann ich auf der Gitarre nichts schreiben, das so ausgefinkelt wie am Akkordeon ist.

Gibt es einen Moment, wo du merkst, dass ein Song für dich fertig, die Geschichte erzählt ist?

Auch das ist ein Gefühl. Es ist oft aber auch ein bisschen riskant, wenn man sich noch nicht ganz sicher ist, ob das Stück fertig ist. Aber ein Song verändert sich dann oft auch durchs Livespielen, und das ist dann doch irgendwie das schönste Gefühl, wenn man merkt, dass ein Stück Schritt für Schritt erst Gestalt annimmt.

Im Gespräch mit Martin Blumenau hast du damals, vor fünf Jahren, gemeint, dass du bereits über 100 Songs oder Fragmente geschrieben hast – nach einigen Singles sind nun neun plus ein instrumentales Outro auf deinem Debütalbum erschienen. Wühlst du da für einen neuen Song auch immer wieder in deinem Fundus und bastelst Stücke zusammen?

Ich habe eine Mappe, wo alle meine Texte drinnen sind – und die Songs, die noch Zeit zum Reifen brauchen, die merkt man sich. Manchmal, aber eher selten, können da dann einzelne Stücke verschmelzen. Aber eigentlich bin ich schon eher eine Person, die ausschreibt und nicht zu viel herumtüftelt und bastelt. 

Sodl war, bevor es dein Künstlerinnenname wurde, auch dein Spitzname. Wodurch unterscheiden sich Sodl, die Privatperson, und Sodl, die Musikerin, am eklatantesten?

Als Künstlerin bin ich extrovertiert, oder muss es sein – privat nicht so. Privat stehe ich nicht so gerne im Mittelpunkt und habe lieber meine Ruhe. Aber auch die Musikerin Sodl ist zweigeteilt, weil ich ja nicht nur Musikerin bin, sondern auch meine eigene Managerin sein muss – da ist dann nichts mit „Wohoooo, Zauberspechte!“ (lacht). Aber ich mag das, vieles Verschiedenes gleichzeitig zu sein.

„Zwei Seelen wohnen, ach!, in meiner Brust.“

Ja, ich bin ja auch vom Sternzeichen Zwilling!

“Sheepman” von Sodl erscheint am 14. März. Am Album finden sich folgende 10 Stücke:

01. Father's Tears
02. I Am A Woman
03. Mama
04. Sex
05. Mary, The Anarchist
06. Sheepman
07. Sage Cigarettes
08. The Great Patterned Woodpecker
09. Fuchsia
10. Outro

Das Album ist online bei GRIDmusic erhältlich, Sodl findet ihr auch auf Spotify.


Live-Termine


Sodl - "Reality And All The Other Things"

08. März 2025 | Linz, Brucknerhaus (im Rahmen von #weare)
13. März 2025 | Wien, Sargfabrik
28. März 2025 | Salzburg, ARGEkultur (als Support von Mira Lu Kovacs)


Infos auf dem Stand vom 07.03.2025  

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