Bild: Pascal Riesinger
Wenige Überraschungen gab es vergangenen Freitag in der Marx Halle, als die Amadeus Austrian Music Awards erneut an die “besten” österreichischen Musiker*innen vergeben wurden - darunter natürlich auch an Seiler & Speer, die aufgrund ihres ausverkauften Konzerts vergangenen Sommer im Happel als “Live Act des Jahres” geehrt wurden.
Zuerst die Grammys, dann die BRIT Awards und nun auch die Gala der Amadeus Austrian Music Awards: Vergangenen Freitag ging in der Marx Halle erneut die Verleihung des größten, weil einzigen österreichischen Musikpreises über die Bühne. Zeitversetzt wurde das Event auch auf ORF1 ausgestrahlt. Wie erwartet war dies ein Abend mit nur wenig Überraschungen: Auch wenn dieses Jahr in den 13 Kategorien nicht nur altbekannte Namen zu lesen waren, sondern auch gleich 16 neue Talente zu den Nominierten gehörten, waren die Gewinner*innen bevorzugt die etablierten Acts aus der österreichischen Musiklandschaft.
Aber spulen wir erstmal an den Anfang zurück: Tom Neuwirth alias Conchita Wurst - aktuell im k.u.k.-Stück “Luziwuzi” im Rabenhof und im Herbst auf “Halloween”-Gastspiel in Wien und Graz zu erleben - führte durch die Show, die freilich auch mit Live-Darbietungen aufgelockert wurde: Insbesondere die Eröffnung von Bibiza (live u.a. am SZENE OPENAIR und in der METAStadt) mit der Welpremiere seiner neuen Single “Frank”, aber auch die Auftritte von VICKY (live am SZENE OPENAIR), Esther Graf mit Ness (live am FM4 Frequency), der FM4-Gewinnerin Nenda (im Dezember in Wien und Kufstein) und den Gewinnern in der Kategorie Hard'n'Heavy, Vulvarine, gerieten da äußerst kurzweilig. Aber auch Ina Regen, Alexander Eder, LEMO, Lena Schaur und PÄM standen bei der Gala und vor TV-Publikum auf der Showbühne, die ihren Höhepunkt schließlich darin fand, dass der große Peter Cornelius für sein Lebenswerk geehrt wurde - kurz bevor er im Rahmen seiner “!ZEITLOS!”-Tour zum 75igsten Geburtstag sein Lebenswerk in ganz Österreich auch live zelebrieren wird.
Zwischen Anfang (Bibiza) und Ende (Peter Cornelius) wuselte Tom Neuwirth gewohnt flapsig und aufgedreht über die Bühne, nahm zwischendurch auch einige der Nominierten für Kurz-Interviews zur Seite - der berührendste Moment war jedoch der, als FM4-Vorjahres-Gewinnerin Sodl den Award an NENDA übergab und zu den Worten “I bin so stoiz auf di!” für die herzallerliebste Bühnenumarmung des Abends sorgte. NENDA wiederum sorgte hierauf auch zudem für den gesellschaftspolitischsten Moment des Abends, als sie ihre Auszeichnung allen “people of color” widmete und damit eindrucksvoll dokumentierte, dass Kunst niemals unpolitisch sein darf.
Gegen Rassismus und das Patriarchat stehen wir dann auch diesen Winter ein, wenn NENDA ihre facettenreiche Mixtur aus Rap, Indie und Jazz ins Wiener FLUCC und die Kulturfabrik Kufstein bringt. Besonders geil: Üblicherweise verbringt NENDA die Zeit nach ihren Konzerten am Merch-Stand, redet mit Fans, hört sich ihre Geschichten an - und präsentiert sich so als Mensch, der noch wirklich nahbar ist.
Die größten Gewinner des Abends waren jedoch natürlich Seiler & Speer, die nicht nur in der Kategorie “Pop/Rock” ausgezeichnet wurden, sondern auch als “bester Live-Act des Jahres” gewürdigt wurden: Kein Wunder, gelang ihnen doch vergangenen Juli ein Unikum - verkauften sie als erste österreichische Band überhaupt (!) das Ernst-Happel-Stadion aus und feierten vor 50.000 Fans und gemeinsam mit Gästen wie Thomas Stipsits, Wolfgang Ambros, Opus und Otto Waalkes ihre “schware Partie”.
Einziger Wermutstropfen: Bernhard Speer musste die Auszeichnungen ohne seiner “Gattin” Christopher Seiler entgegennehmen, weil dieser an einem Männerschnupfen laborierte - aber gut, dass er sich auskuriert, startet in wenigen Wochen immerhin ihre ausgedehnte “Hödn”-Tour, die sie quer durch Österreich führt. Aber Achtung! Zahlreiche Termine sind bereits ausverkauft, man sollte also nicht mehr lange zögern, wenn man daran denkt, den besten Live-Act des Landes auch wirklich live zu erleben! Und spätestens ihre “360° Immersive Audio Show” im Dezember in der Wiener Stadthalle wird wohl definitiv ein Muss sein!
Ziemlich aufgelegt war es dann wohl auch, dass Pizzera & Jaus in der Kategorie “Song des Jahres” ausgezeichnet wurden, RAF Camora ("Hip-Hop/Urban") und Parov Stelar ("Electronic/Dance") jeweils ihren elften, 5/8erl in Ehr'n ("Jazz/World/Blues") ihren siebten Amadeus Award entgegennehmen durften, als auch, dass Melissa Naschenweng ("Schlager/Volksmusik") durchgängig seit 2000 in “ihrer” Paradedisziplin honoriert wurde.
Pizzera & Jaus sind diesen Sommer natürlich auch wieder live zu erleben, darunter an der Linzer Donaulände, im Schlosspark Esterhazy und in der Ostbucht vom Wörthersee. Parov Stelar gastiert im Mai nicht nur im Grafenegger Wolkenturm und im Dezember in der Wiener Stadthalle, sondern lädt in Gmunden auch zu einem ganz besonderen Erlebnis: Neben einem Konzert am 1. August präsentiert er dort unter dem Titel “Leave The Future Behind” zwischen 19. Juni und 16. August auch seine eindrucksvollen Malereien, die man definitiv gesehen haben muss! Auch 5/8er in Ehr'n sind auf Tour und feiern ihr 20-jähriges Bestehen nicht nur bei einer großen Open Air-Show in der Wiener Arena - ihren “Wiener Soul” von “siassen Tschick” bis hin zum “Badeschluss” tragen sie quer durch Österreich! Und auch Melissa Naschenweng lädt nicht nur zu ihrem eigenen “Bergbauern”-Open Air, sondern gastiert demnächst auch im Schwarzl Freizeitzentrum, beim neuen FESTival am Steinertor in Krems und schließlich, im Dezember, im Wiener Portofino!
Senkrechtstarterin Caro Fux saß letztes Jahr noch im Publikum bei den Amadeus Austrian Music Awards - ein Jahr später stand sie nun selbst auf der Bühne und hielt eine der begehrten Trophäen in der Hand: Ausgezeichnet in der Kategorie “Songwriter des Jahres”. Kein Wunder: Die sympathische Steierin zählt zur Speerspitze einer ganz neuen Generation junger, aufregender Austropop-Künstler*innen, von der man dieses Jahr wohl noch viel hören wird - etwa im Rahmen ihrer ersten eigenen Tour im Herbst!
Für OSKA hingegen ist es bereits der dritte Amadeus Austrian Music Award, wie schon im Vorjahr konnte sie die Trophäe in der Kategorie “Alternative” mit nach Hause nehmen: Mehr als gerechtfertigt, spielte sie immerhin vor zwei Jahren im Vorprogramm von Coldplay vor 240.000 Fans (!) im Happel-Stadion und vergangenen Herbst auf persönlichem Wunsch von Tom Odell vor ihm in der Wiener Stadthalle! Leider konnte OSKA diesmal nicht persönlich anwesend sein, da sie sich gerade noch zum Songwriting in den USA befindet, bevor es Ende nächster Woche mit ihrer “Refined Believer”-Tour los geht.
In der Königskategorie “Album des Jahres” wurden folkshilfe für “bunt” geehrt. Als das “Quetschn-Synthi-Pop”-Trio ihren Preis entgegennahm, war die Freude bei Florian Ritt ins Gesicht schrieben: “Das Album heißt 'bunt', manchmal tendiert man dazu, dass man schwarz-weiß denkt.” Doch dagegen steuern folkshilfe mit ihrem Album gekonnt an - und dafür gab es natürlich auch tosenden Applaus von den Gästen, unter denen sich auch der diesjährige ESC-Starter Cosmo und Vorjahressieger JJ befanden.
Ein nicht gänzlich unpolitisches Zeichen war auch die Auszeichnung von Vulvarine in der lautesten Kategorie des Abends, “Hard'n'Heavy”. Die rein weibliche Band konnte sich somit sogar nicht nur gegen Leftovers, sondern unter anderem auch gegen Harakiri For The Sky durchsetzen, die international die zur Zeit wohl größte österreichische Metal-Band sind und sogar in Übersee bereits eine beachtliche Fanschar vorweisen kann.
"Best Sound" hieß es übrigens für “Patrichor”, das Album von Klangkarussell.
Wir gratulieren an dieser Stelle natürlich nicht nur allen Gewinner*innen, sondern auch den nominierten Acts: Von Anna Buchegger bis Soap&Skin, von Laurenz Nikolaus bis Rian, von AVEC bis Verifiziert haben sie natürlich alle unseren Applaus verdient - spätestens dann live, bei ihren Konzerten, die uns in den kommenden Wochen und Monaten erwarten. Eine vollständige Auflistung findet ihr [an dieser Stelle].