Bild: Jimmy Fontaine
Von Marilyn Manson bis Deftones, von Bibiza bis Haftbefehl: Diesen Sommer scheint allein wegen der Open-Air-Saison in der METAStadt die Sonne aus dem Po.
Zum Anfang sei ein kleines bisschen Diss erlaubt: Einen “wahren” Wiener verschlägt es üblicherweise nur in Ausnahmesituationen nach Transdanubien - wozu auch? Die “richtige” Seite Wiens spielt von Kultur bis Kulinarik bekanntlich sämtliche Stückerln.
Ein ordentliches Eck verschoben wurde diese engstirnige Einstellung spätestens 2019, als die METAStadt Open Airs plötzlich zu einem kulturellen Hotspot im sommerlichen Konzertreigen wurden - mit einem Charme, der an die Wiener Arena denken lässt: Dank Konzertabenden mit Scooter, Greta Van Fleet und The 1975 war der “schönste Bau von Stadlau” plötzlich im Fokus - zumal man mit der S-Bahn das Areal zwischen viel Grün und Backsteinbau vom Wiener Hauptbahnhof kommend tatsächlich in nur wenigen Minuten erreicht.
Auch die beiden Folgesaisonen 2022 und 2024 hatten einige Highlights zu bieten - von Skunk Anansie bis Patti Smith (Tipp: dieses Jahr im Rahmen der Festwochen, sowie in der Arena und im Theater Akzent), von Korn bis Cypress Hill, von Sido bis Cro gab es da erneut Schmankerl ohne Ende. Dennoch verspricht die kommende Saison, dem Ganzen noch einmal eins draufzusetzen - spätestens mit der heutigen Ankündigung sind wir uns sicher, dass uns der beste METASommer aller Zeiten ins Haus steht …
Erst vor ziemlich genau einem Monat gastierten die vielleicht prägendsten Nu-Metal-Heroen Deftones im Münchner Zenith und setzten bereits mit dem Opener “Be Quiet and Drive (Far Away)” das Energielevel hoch - das sie allerdings wie auch das Publikum bis zum Konzertende zu halten versprachen. Zwischen großen Klassikern wie “Diamond Eyes”, “My Own Summer (Shove It)” und “Change (In The House of Flies)" gab es da natürlich auch ausreichend Material aus dem aktuellsten Album “private music”: Damit bewiesen Deftones, dass sie zwar alte Herren (nämlich aus den Neunzigern) sind, aber noch lange nicht zum Legacy Act verkommen sind und immer noch Musik zu schreiben wissen, die durch Mark und Bein fährt. Kein Wunder, dass sich im Publikum mehrere Generationen versammelten: Die Gen-Z halt im Circle Pit, die Boomer bei Bar und Merch.
Und nun der Nachschlag: Am 16. August werden Deftones auch in der METAStadt gastieren - Tickets hierfür gibt es ab 12. März um 11 Uhr!
Doch auch das Programm die Wochen davor kann sich sehen - und vor allem hören lassen:
Gerade erst stand Marilyn Manson nicht auf einer Konzertbühne, sondern auf einem Laufsteg: Bei der Paris Fashion Week lief er während der Show von Enfants Riches Déprimés über den Catwalk und präsentierte die Herbst-Winter-Kollektion. Während dessen rieselte Schnee von der Decke, anschließend gab es vor dem prominenten Publikum auch noch eine Performance von “Cryptorchid” vom Klassiker “Antichrist Superstar”. Wer übrigens nach den eher katastrophalen letzten Auftritten von Manson in Österreich fürchtet, dass auch sein kommendes Konzert am 21. Juli zum Desaster werden könnte, irrt: Vergangenen Herbst sah ich ihn in Prag - und erlebte ihn so gut wie schon lange nicht mehr. Vermutlich sogar ähnlich gut wie 2003 in Wiesen!
Es folgen zwei “österreichische Abende”, zuerst am 24. Juli mit Bibiza. Erst vergangene Woche präsentierte Bibiza live bei den Amadeus Austrian Music Awards seine neueste Single “Frank”, die in gut zwei Minuten alles sagt und dabei eindrucksvoll dokumentiert, wieso Bibiza zweifelsohne zu den besten heimischen Artists zählt. Den Videomitschnitt könnt ihr [an dieser Stelle] nachsehen.
Bereits zwei Tage später, am 26. Juli, folgt das Doppelkonzert von Josh. und Rian, die damit im Sommer durchs Land touren. “Es sind grundsätzlich zwei Einzelkonzerte, aber wir werden uns im Vorfeld noch zusammensetzen und uns etwas überlegen”, verspricht uns Rian an dieser Stelle - und vielleicht singt er dann tatsächlich gemeinsam mit Josh. “Cordula Grün”? Übrigens: Bereits diesen Freitag kommt mit “Vertikal” die nächste Single des kommenden Josh.-Albums “Wer singt dann Lieder für dich”, das am 10. April erscheint!
Eigentlich wäre ja geplant gewesen, Michael Patrick Kelly mit seinem neuen Album “Traces” bereits am 30. April in der Wiener Stadthalle zu erleben - aufgrund des Eurovision Song Contests musste das Konzert jedoch verschoben werden und der Ex-Kelly wird nun am 31. Juli unter freiem Himmel in der METAStadt gastieren.
“Hast du die Haftbefehl-Doku gesehen?” - “Ja, darauf muss ich erstmal klarkommen.”: Gespräche wie diese habe ich vergangenen Herbst mehrfach geführt. Kein Wunder, scheint doch die Netflix-Doku über den deutschen Rapper Haftbefehl wirklich jede*r gesehen zu haben - auch die, die mit Rap (oder Drogen) nix am Hut haben. Aber es geht auch um mehr als dieses Klischee, sondern auch um Selbstzerstörung und generationale Traumata - und vor allem um den Versuch, wieder Halt zu finden. Ruhm und Absturz gehen bekanntlich oft Hand in Hand, und nur selten steigt der Phönix aus der Asche wieder auf - umso mehr kann man sich am 1. August auf sein Konzert freuen!
Und schließlich stehen noch zwei junge, aber großartige deutsche Pop-Musiker am Programm der METAStadt: Am 6. August wird Wincent Weiss dort auf der Bühne stehen - im Gepäck sein neues Album “Hast du kurz Zeit”, das zu Jahresanfang erschien. Mit mehr als 1,7 Milliarden Streams und mehr als 2,2 Millionen Follower auf seinen Social-Media-Kanälen zählt der 33-Jährige zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Popkünstlern. Übrigens passend, dass er uns auch live den Sommer versüßen wird: Immerhin gibt es auf seinem neuen Album auch den wunderschönen Song “Sommer der bleibt”!
Bereits am 7. August folgt ihm sein Kollege Berq - neben Zartmann vielleicht das beste Beispiel für die “neue Empfindsamkeit" in der deutschsprachigen Popmusik und somit vielleicht sogar direkter Nachfahre von Herbert Grönemeyer, der vor 30 Jahren schon unser Verständnis von Männlichkeit auf den Kopf gestellt hat. Dabei hat er erst vor wenigen Jahren, nämlich 2022, seinen ersten Release “Echo” vorgestellt - und damit schon seinen ersten Hit gelandet! Insbesondere die einzigartige Laut-Leiste-Dynamik, die Berq beherrscht, ist ein unglaublicher Safe Space für die Ohren - und seine Konzerte selbst einer, in dem man seine Batterien aufladen, sich verlieren oder in den Armen liegen kann. Ganz wie man mag!
Möge der METASommer möglichst rasch kommen!