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Konzerte

Noga Erez: Wenn man auf die Herkunft "Israel" reduziert wird

18.08.2026 von Stefan Baumgartner

Am Donnerstag präsentiert der “heißeste Musikexport Israels”, Noga Erez, ihre Doku "Noga" im Stadtkino Wien, am Freitag spielt sie am FM4 Frequency.

Die Musikerin Noga Erez ist mit ihrem Kreativpartner und Lebensgefährten Ori Rousso nicht erst seit gestern eine der größten Musik-Sensationen auf internationalen Bühnen. Sie ist, gelinde gesagt, auf dem Weg zum internationalen Durchbruch - und selbst Robbie Williams ist erklärter Fan.

Es gibt zwischen ausverkauften Konzertsälen und gigantischen Menschenmassen auf den größten Festivals weltweit jedoch ein Problem: Noga Erez kommt - was eigentlich wurscht sein sollte - aus Israel und muss zwischen politischer Zuspitzung und persönlichen Spannungen darum kämpfen, nicht nur gehört, sondern vor allem auch verstanden zu werden. Einerseits ist Noga Erez nämlich einer der prägendsten Pop-Exporte Israels, andererseits aber auch eine der meistdiskutierten Künstlerinnen des Landes - Der Standard brachte es erst vergangene Woche auf den Punkt: Noga Erez ist zu kritisch für ihre Heimat Israel, im Rest der Welt teilweise allerdings auch zu israelisch.

Dabei begleitet sie und ihre Musik das Politische nicht erst seit dem 7. Oktober 2023, der Tag des beispiellosen Terrorangriffs der Hamas auf Israel, bei dem etwa 1.200 Menschen ermordet und über 240 Geiseln verschleppt wurden - der Tag, der die aktuelle Eskalation im Nahostkonflikt ausgelöst hat und nicht zuletzt auch für Noga Erez eine künstlerische Zäsur war.

1989 geboren, wuchs sie nämlich als Tochter eines Veteranen des Jom-Kippur-Kriegs auf. Bereits in ihrer Pubertät beschloss sie, dass Musik mehr als nur ein Hobby ist: Auch ihren verpflichtenden Militärdienst verbrachte sie als Teil einer Band. Ein Potpourri zwischen Indie-Folk, Jazz und Rap lieferte alsbald das musikalische Fundament für ihr thematisches Spannungsfeld zwischen sexualisierter Gewalt und staatlicher Überwachung: Noga Erez' Debütalbum “Off The Radar” erschien 2017 und wurde international als Bindeglied zwischen Björk und FKA Twigs abgefeiert.

2021 erschien der Nachfolger “KIDS” - und spätestens seit diesem Zeitpunkt steht Noga Erez am Radar zweier Extrempole: Als sie damals vom britischen Magazin Huck zur “BDS-Bewegung”, der unter anderem Roger Waters (Pink Floyd), Brian Eno und Thurston Moore (Sonic Youth) angehören und die es zum Ziel hat, Israel durch gezielte Boykotte politisch, wirtschaftlich und kulturell zu isolieren, angesprochen wurde, sagte sie, dass die BDS-Bewegung “Teil eines wichtigen Diskurses sei, sich aber auf das Verbindende konzentrieren sollte”; Die Aussage machte, medial verkürzt, die Runde und wurde in Israel natürlich als Unterstützung der Bewegung missverstanden - ein Skandal folgte ebenso wie Morddrohungen.

Andersrum: Auch wenn sich Noga Erez seit jeher regierungskritisch positioniert, insbesondere nach dem 7. Oktober deutlich für Frieden eintritt und Empathie mit der palästinensischen Bevölkerung zeigt - ihren Kritikern reicht das nicht aus, ihre Herkunft, die sie sich bekanntlich nicht ausgesucht hat, gilt von Haus aus schon als “red flag”.

Szenen aus “Noga” zeigen Noga Erez und Ori Rousso mit Robbie Williams, die Menschenmassen bei Noga Erez' Konzerten - aber auch, dass es manchmal einen Mittelfinger gegen die Welt da draußen braucht.

Seit “KIDS” wurden Noga Erez und Ori Rousso von Jono und Benji Bergmann für die Dokumentation “Noga” begleitet, vor zwei Jahren erschien Noga Erez' aktuelles Album “The Vandalist”. Auf diesem Weg dahin wurden nicht nur die musikalischen Erfolge, die immer größer werdenden Bühnen eingefangen, sondern auch die Momente, wo die Kunst durch das Politische überschattet wurde - und schließlich auch tief in das Privatleben der beiden Künstler*innen eindrang.

Damit gelingt der Dokumentation mehr als nur der Anspruch eines Portraits - sondern stellt vielmehr auch die wichtige Fragestellung nach der Herkunft: Wenngleich bei Noga Erez natürlich die israelische Kultur mitschwingt, für die Politik des Landes kann man sie nun doch nicht verantwortlich machen. Es sollte für Künstlerinnen und Künstler möglich sein, gleichermaßen die Reichtümer ihrer Heimat nach außen zu tragen, sich dabei aber nicht von ihrer eigenen Herkunft vereinnahmen zu lassen. 

Bereits diese Woche Donnerstag läuft die Dokumentation “Noga” in ihrer Anwesenheit im Stadtkino Wien an. Am Freitag ist Noga Erez dann um 15 Uhr auf der Green Stage am FM4 Frequency live zu erleben.


Live-Termine


Noga Erez

21. August 2026 | St. Pölten, Green Park (FM4 Frequency)


Infos auf dem Stand vom 18.08.2026  

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