Bild: Oasis Instagram
Kommen Oasis 2027 endlich nach Österreich? Die Gerüchte auf Europa-Konzerte der Britpop-Legenden verdichten sich. Zuvor erscheint aber definitiv noch die Doku “Don't Look Back In Anger” - und zwar bereits im September.
Es war - neben dem allerletzten Konzert von Ozzy Osbourne und Black Sabbath in Birmingham - wohl die allergrößte Sensation des vergangenen Jahres, dass die Gallagher-Brüder nach über 15 Jahren wieder als Oasis gemeinsam auf der Bühne standen und sich noch dazu nicht gleich beim ersten von insgesamt 41 (!) Konzerten, im Juli im Principality Stadium in Wales, Mikrofonständer und Gitarre gegenseitig über die Rübe zogen. Ganz im Gegenteil: Bis auf die Aufregung um die Ticketpreise gingen die Konzerte auf der Insel, in Amerika, in Australien, Japan und Süd-Korea sang- und klanglos über die Bühne. Und das mit einer Setlist, die sich gewaschen hat.
Nach ihrer Reise rund um den Globus und das europäische Festland herum war für 2026 erst einmal Funkstille angekündigt - gleichzeitig hatte Liam Gallagher aber auch seiner Fan-Bubble gegenüber bereits kryptisch angedeutet: “Ich weiß Dinge, die ihr nicht wisst.” Seitdem ist die Gerüchteküche natürlich am brodeln, insbesondere, weil er erst kürzlich von einem Fan auf offener Straße gefragt wurde, ob man 2027 dann zumindest die italienische Hauptstadt Rom besuche - was Gallagher “zu 100 Prozent” bestätigte. Gitarrist Gem Archer lieferte zusätzliche Hinweise, sagte er doch, Noel hätte gescherzt, es gebe “keine Pause”: Man wird wohl also der unschlagbaren Kulinarik zum Trotz nicht nur Rom besuchen: 12 oder gar 20 Termine in Manchester gelten als gesichert, da das legendäre Parklife-Festival seine Termine bereits verschoben hat. Ebenso stehen - ja, wieder die Insel - Knebworth und Glastonbury im Raum. Aber neben der Insel und Rom werden wohl hoffentlich einige europische Städte mehr, und gerne auch endlich wieder defintely, maybe Wien, zum Handkuss kommen: In Österreich waren sie zuletzt im Februar 2009 in der Wiener Stadthalle zu Gast.
Kein Wunder, dass die Gallaghers nicht genug bekommen: Die 2025er-Tour war für sie (finanziell) immens erfolgreich - aber auch die Fans waren rundum befriedigt, erlebten sie doch bei den Konzerten (sofern sie Karten bekommen hatten) eine tatsächlich mehr als perfekt inszenierte Zeitreise in die unbeschwerten Neunziger, während draußen, vor den Hallen, die Welt als brennender Müllhaufen nur so nach Eskapismus schrie. Demnach ist es mehr als gerechtfertigt, dass Oasis im November endlich in die Rock and Roll Hall Of Fame aufgenommen werden - auch wenn Liam die Institution zuvor als “für Wichser” beschimpft hatte. Umgekehrte Psychologie funktioniert anscheinend nicht nur bei Kleinkindern.
Bereits im September erscheint noch die Doku “Don't Look Back In Anger” - eine Doku, die das vermutlich unwahrscheinlichste Comeback der Musikgeschichte einfangen soll. Der Trailer ist soeben erschienen.
Der knappe Clip zeigt das tobende Oasis-Publikum und deutet Probenaufnahmen an, während Noel und Liam Gallagher über ihre Reunion sprechen – Jahre nach dem unschönen Ende. “Ich sehe mich einfach nicht auf der Bühne mit Liam”, sagt Noel da im Voiceover, während Liam hinzufügt: “So wie es geendet hat – inakzeptabel.”
Aber glücklicherweise hat es auch nur für einen (zu langen) Moment geendet, wie wir rückblickend nun wissen - und “Don't Look Back In Anger” ist nicht nur die fünfte Single (und neben “Wonderwall” der zweitgrößte Hit) ihres zweiten Studioalbums “(What's The Story) Morning Glory?” aus dem Jahre 1996, sondern auch durchaus ein treffender Titel für diese Comeback-Doku. Es wird versprochen, dass die Chronik “die Erlebnisse und Emotionen der Band und ihrer Fans” auf der ganzen Welt (halt außer Europa …) einfangen wird, mit besonders intimen Einblicken zu Proben und Backstage. Erste gemeinsame Interviews mit Noel und Liam sollen das Kirschchen auf der Sahnehaube sein - und als Gesamtpaket wird “Don't Look Back In Anger” die “tiefgreifende emotionale Wirkung dieses außergewöhnlichen globalen Kulturmoments - über Generationen hinweg” beleuchten.
“Don't Look Back In Anger” erscheint vorerst Mitte September in den Kinos, und wandert im Anschluss rüber zu Disney+.
Wer glaubt, die Streitigkeiten zwischen den Gallagher-Brüdern, die letztlich zum Aus von Oasis geführt hatten, hätte es erst zu Ende gegeben, der ist schief gewickelt: Bereits rund um “(What's The Story) Morning Glory?” herum gab es einen Disput - und zwar darum, wer welchen Song singen sollte. Liam entschied sich für den (heute) größten Hit “Wonderwall”, Noel für den Zweitplatzierten “Don't Look Back In Anger”.
Das Brisante an dem Song: Selten wie hier wird deutlich, wie stark Oasis von den Beatles beeinflusst waren. Das Piano-Intro haben sie sich nämlich einfach von John Lennons “Imagine” ausgeborgt, was ihnen natürlich viel Kritik einbrachte - ihnen aber ziemlich egal war. Dabei wurde “Don't Look Back In Anger” gewissermaßen zwischen Tür und Angel geschrieben, nämlich nach einem Auftritt in einem Strip-Club (!) in Paris, zwei Tage vor ihrem damals größten Arena-Auftritt in der heutigen Sheffield Arena mit The Verve. In der Arena wurde der brandneue Song dann auch erstmals - vor 12.000 Leuten - gespielt, damals noch ohne Titel. Später wurde der Titel dann gefunden: Eine Kombination aus David Bowies Song “Look Back In Anger” (1970) und der Bob-Dylan-Doku “Don't Look Back” (1967). Allerdings: Die im Song vorkommende Sally ist frei erfunden, Noel kennt keine Person mit diesem Namen. Layla aus der gleichnamigen Single ihres sechsten Albums “Don't Believe The Truth” (2005) soll aber ihre Schwester sein.
Ob Oasis endlich wieder österreichischen Grund und Boden betreten, darüber heißt es noch zittern: Aber immerhin zaubert mit Öasis die “authentischste Tribute-Band diesseits des Ärmelkanals” im Herbst in Wien und in Graz keine bloße Kopie, sondern vielmehr eine leidenschaftliche Hommage an den Sound und das Lebensgefühl des Britpops und natürlich Oasis im Speziellen auf die Bühne. Sie schlagen die Brücke zwischen Nostalgie und Gegenwart - für alle, die damals dabei waren, und für jene, die Britpop heute neu entdecken: Das ist, natürlich, vorerst nur ein schwacher Trost, aber immerhin besser als ein Stein am Schädl.