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Dandys still rule, ok?

16.04.2025 von Stefan Baumgartner

The Dandy Warhols sind eine dieser seltenen Bands, die über Jahrzehnte hinweg konsequent ihren ganz eigenen Vibe kultiviert haben – irgendwo zwischen psychedelischem Rock, Glam, Garage, Shoegaze und Power-Pop. Gegründet Anfang der Neunziger in Portland, wollte man ursprünglich bloß neben dem gemeinsamen Saufen auch ein bisschen Musik machen. Aber bereits beginnend mit ihrem Debütalbum “Dandys Rule OK” strahlten The Dandy Warhols - benannt nach dem Pop-Art-Künstler Andy Warhol - eine derart lässige Coolness, aber auch schräge Sexyness aus, die sowohl bei Indie- als auch Alternative-Fans mehr als nur gut ankam.

Songs wie „We Used to Be Friends“ oder „Bohemian Like You“ wurden rasch zu popkulturellen Fixpunkten, nicht zuletzt durch ihre Präsenz in Serien; Ob in “Buffy - Im Bann der Dämonen”, “O.C., California” oder “How I Met Your Mother”: Der Coming-of-Age-Soundtrack kommt auffallend oft von The Dandy Warhols.

Doch hinter dem Slacker-Image steckt eine Band, die musikalisch wesentlich vielfältiger und visionärer ist, als bloß über einen gefinkelt ausgeklügelten grungig-rockigen Retro-Charme zu verfügen. Ein Paradebeispiel dafür ist ihr dreistündiges (!) experimentelles Album “Tafelmuzik Means More When You're Alone”, das während der Corona-Pandemie entstand und radikal aus dem bisherigen Rahmen fiel: Statt eingängiger Refrains und ironisch gebrochener Rockästhetik liefern The Dandy Warhols hier einen avantgardistischen Soundtrack zwischen Rausch, Eskapismus und Isolation. Haltung bewiesen die Dandys aber auch schon zuvor, etwa bei ihrer Hassliebe mit The Brian Jonestown Massacre, dokumentiert in der Kult-Doku “Dig!” - ein Aufeinanderprallen zwischen Sell-out und Kunst.

Rockmaker und Rock Remaker

2024 erschien mit dem “Tafelmuzik”-Nachfolger “Rockmaker” wieder ein klassisches Dandy-Rockalbum - mit illustren Gästen wie Slash (Guns N’ Roses), Debbie Harry (Blondie) und Frank Black (Pixies). Gemeinsam mit letzterem entstand der Track „Danzig With Myself“ – ein augenzwinkerndes Wortspiel und gleichzeitig auch musikalische Hommage an Glenn Danzig von den Misfits. Die Kollabo mit Slash, „I’d Like To Help You With Your Problem“, erinnert stellenweise an Queens of the Stone Age, während sich “Rockmaker” an anderen Stellen irgendwo zwischen T. Rex, Depeche Mode, The Damned und The Cramps einpendelt.

“Will Never Stop Loving You”, die Single mit Debbie Harry, ist nun das erste Stück, das für die neue, am 16. Mai erscheinende EP “Rock Remaker” mit einem Remix durch den Fleischwolf gejagt wurde - und zwar von der “lautesten Band New Yorks”, A Place to Bury Strangers. Der dänische Produzent Trentemøller, der bereits unter anderem “Sodom” von den Pet Shop Boys und “Wrong” von Depeche Mode" verwurstete, nahm sich “Teutonic Wine” zur Brust, Jagz Kooner, der bereits mit Rammstein, Massive Attack, Oasis und Manic Street Preachers kollaboriert hat, “Root Of All Evil” und Night Club “The Cross”. GLOK - ein Alias von Andy Bell, ehemals Bassist von Oasis - präsentiert eine neue Version von “Alcohol And Cocainemarijuananicotine” - der vielleicht coolste Songtitel der Dandy-Historie.

Zum 25-jährigen Bandjubiläum erscheint demnächst außerdem das opulente Fotobuch “The Book Of The Dandys” von Justine Penklis – in Ledereinband, mit Geschichten und Bildern aus einem Vierteljahrhundert Bandgeschichte. Ein signiertes „Gimmick“ soll ebenfalls beiliegen – was genau, bleibt noch ein Geheimnis. Ebenso noch ein Geheimnis: Ab wann das Buch tatsächlich vorbestellbar sein wird und wann es schließlich erscheint.

Fix ist hingegen: The Dandy Warhols bringen ihr musikalisches Odditorium am 20. Juli ins Wiener WUK – nicht nur für die Bohème, sondern für alle abgefuckten Romantiker und durchgeknallten Tagträumer, die im charmanten Wahnsinn zwischen The Flaming Lips, Primal Scream und MGMT gerne lusttaumeln.


Live-Termine


The Dandy Warhols

20. Juli 2025 | Wien, WUK


Infos auf dem Stand vom 16.04.2025  

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