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Konzerte

Howard Carpendale setzt seinen gestrigen Abschied aus der Wiener Stadthalle in Mörbisch fort

23.03.2026 von Stefan Baumgartner

Von Udo Jürgens bis Umberto Tozzi, von Roy Bianco bis zum eigenen Hit-Medley: Howard Carpendale sorgt immer noch für Emotionen - und setzt seinen gestrigen Abschied in der Wiener Stadthalle noch einmal in Mörbisch fort!

Der gebürtige Südafrikaner Howard Carpendale zählt mittlerweile 80 Lenze, 60 davon steht er bereits auf der Bühne: Zuletzt machte er seinen Kampf gegen Depressionen öffentlich und blickte unter dem Titel “Unerwartet: Mein Leben” auf selbige Zeit zurück. Songs wie “Hello Again” oder “Deine Spuren im Sand” begeisterten mittlerweile zwar ganze Generationen - aber für Carpendale bedeutet dies nicht nur ein Leben in Ruhm und Glanz. Klar, Erfolge hat er zuhauf gefeiert, ist aber auch durch tiefe Krisen geschlittert: “Keiner geht durch 80 Jahre ohne dunkle Flecken, das ist ein Teil des Lebens von - Drogensucht bis Depression”, lässt der im mondänen München beheimatete Schlagersänger da tief blicken. “Gerade bei prominenten Leuten kommt das öfter vor.”

Bereits in seiner Kindheit in Südafrika hatte er es nicht leicht, er wurde nicht nur früh ein Opfer sexueller Belästigung durch - wie so oft - einen Freund der Familie. Auch litt seine Familie an Geldproblemen, zog öfter um. Trotzdem, so erzählt er, war sein Heranwachsen ein “einziger nicht endender Traum”, der vor allem von Rugby, Kugelstoßen und Rock'n'Roll geprägt war - und das in einer Zeit der Apartheid: “Ich wuchs in eine Welt hinein, in der es normal war, Menschen in Schwarz und Weiß, in Menschen erster und zweiter Klasse einzuteilen. Und in der Menschen zweiter Klasse weniger Rechte hatten, einfach weil sie, wie man heute sagt, People of Colour waren.” Carpendales knappes, dabei umso fundierteres Fazit: “Rassismus ist eine böse Saat.”

Mit 19 brach er auf, in die Welt - auf den Spuren der Beatles und der Rolling Stones zuerst nach London, dann nach Deutschland: 1966 nahm er dort seine erste Single auf, “Lebenslänglich”. Der Rest ist, wie es so schön heißt, Geschichte: Eine Geschichte, die zwar von seinen Hits getragen wird, aber auch durch die Alkoholkrankheit seiner Frau Donnice ihre Schattenseiten durchwandert.

Ein Abschied, der keiner ist

Nach einem derart bewegten Leben ist es nachvollziehbar, dass Carpendale nahegelegt wurde, kürzer zu treten: Deswegen befindet er sich dieses Jahr auf seiner Abschiedstour, die gestern durch die beinah ausverkaufte Wiener Stadthalle rauschte. Wobei: Für Carpendale liegt die Betonung auf “Tour”, und nicht auf “Abschied” - vereinzelt möchte der Schlagerstar sehr wohl nach wie vor wiederkommen - zumindest “solange mich mein Publikum noch sehen möchte”.

Über ein Dutzend Musiker*innen begleiten ihn auf seinem “halben” Abschied, darunter ein Bläserquartett, gleich vier Gitarristen und zwei Schlagzeuger - Howie selbst thront auf einem Barhocker, intoniert fremde und eigene Lieder und reißt zwischendurch auch gern einmal einen Altherrenwitz. Natürlich hören wir da “Hello Again”, seinen 1984 entstandenen Klassiker. Aber auch zwei seiner eigenen Lieblingslieder aus seinem 700 Songs umfassenden Oeuvre - “Wenn ich könnte wie ich wollte” und “Du bist doch noch hier”. Und auch die eingedeutschten Versionen von Umberto Tozzis “Ti Amo” oder Ronan Keatings “Life Is A Rollercoaster” sorgten für tosenden Applaus, wie auch das Udo Jürgens-Cover “Ich war noch niemals in New York”, das Carpendale dem “größten Künstler im deutschsprachigen Raum” widmete.

Natürlich wird es vereinzelt auch politisch, etwa wenn Carpendale mit “Ihr Großen dieser Erde” einen eindringlichen Appell an die “Leader” der Welt richtet, der Welt endlich wieder eine Zukunft zu geben und sie nicht ins Verderben zu reiten. Damit bewies er, der einige Zeit lang gar nur einen Steinwurf entfernt von Donald Trumps Feriendomizil Mar-a-Lago wohnte, eindringlich, dass man in einem Moment des musikalischen Eskapismus nicht zwangsweigerlich die Augen vor der Realität verschließen muss. Gut gebrüllt, Löwe!

Dass Carpendale jedoch nicht nur in (seine) Vergangenheit, sondern auch noch hoffnungsvoll in die Zukunft blickt, das bewies er im zweiten Showteil: Neben Udo Jürgens, Umberto Tozzi und Co. kamen nämlich auch die derzeit angesagtesten Schlagerkünstler Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys mit “Sophia Loren” zum Handkuss - denn freilich muss Carpendales Erbe, seine noch hell leuchtende Fackel, auch von der jüngeren Folgegeneration weitergetragen werden.

Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys sind eine Italo-Schlager-Band aus Deutschland - der Bandname ist entlehnt von den beiden Szene-Legenden Roberto Blanco und Roy Black. Ihr Debütalbum “Greatest Hits” (ja, richtig gelesen!) wurde 2019 von Zebo Adam, Sohn von Wickerl Adam und Produzent von Bilderbuch und Gitarrist von Bands wie Russkaja und Wanda aufgenommen, es folgten 2022 “Mille Grazie” (ebenfalls mit Zebo Adam) und zuletzt 2024 “Kult”. Und “Kult”, das sind die Herren schon längst: Mit ihren Rhythmen sorgen sie durchwegs für “Schlagerstrudel”, wie die Moshpits bei ihnen heißen - denn ja, sie finden auch und insbesondere auf rockigen Festivals und vor entsprechendem Publikum Anklang, hierzulande dieses Jahr etwa beim Nova Rock und beim SZENE OPENAIR. Strenggenommen trennen Carpendale und Roy Bianco freilich Welten, gemein ist ihnen aber zumindest eins: weltumarmende Texte, nicht selten mit doppeltem Boden und Tiefgang.

Ein Sommer mit euch

Wenngleich Howard Carpendale die Fackel abgibt, trägt er zumindest noch ein Feuer weiter: Bereits im Sommer kommt er wieder nach Österreich und gastiert im Juli auf der Seebühne Mörbisch. Ob dies “nur” eine Zugabe nach seiner gestrigen, fast ausverkauften Stadthallen-Residenz wird, wird die Zeit zeigen - aber für einen Augenblick (um einen seiner Songs zu zitieren) werden wir wohl auf Carpendale verzichten müssen. Wann der großartige Entertainer erneut die Strapazen des Reisens auf sich nimmt, steht aktuell in den Sternen. Somit kann man sich gewiss sein: Mehr noch als das Konzert in der Stadthalle wird in Mörbisch der Abend unter Sternen zu einem einmaligen Erlebnis voller Emotion gereichen!


Live-Termine


Howard Carpendale - "Ein Sommer mit Euch"

20. Juli 2026 | Mörbisch am See, Seebühne


Infos auf dem Stand vom 23.03.2026  

Tickets Howard Carpendale

Hello! Again?

Doch damit nicht genug: “Hello Again” ist nicht nur Titel eines seiner größten und besten Lieder, sondern auch Titel eines Musicals, das kommendes Jahr im Wiener MuseumsQuartier gastieren wird: Bei “Hello! Again?” erleben wir die unvergesslichen Klassiker von Howard Carpendale in neuem Gewand, ein Bühnenereignis, das vertraute Klänge mit einer Geschichte verbindet, die ab dem ersten Takt mitten ins Herz trifft. 

Eingebettet in eine packende Handlung über die Liebe und den Mut zum Aufbruch, spannt das Musical den Bogen von der tiefen Leidenschaft in “Ti amo” bis hin zur puren Energie von “Nachts, wenn alles schläft”, während wir gemeinsam den “Spuren im Sand” folgen und dank der Hits von Carpendale eine rasante Reise durch Jahrzehnte voller Sehnsucht und Lebensglück befinden: Nämlich gemeinsam mit den Figuren Hanna und Rolf. Sie sind seit 40 Jahren verheiratet, als ausgerechnet am Jahrestag ihres Kennenlernens plötzlich ein gewisser Matteo auftaucht, Hannas Jugendliebe. Nach seinem “Hello again” steht dann plötzlich die Welt der beiden Kopf …

Hinter der Geschichte steckt übrigens die gewitzte Feder von Thomas Hermanns, den viele bereits als Moderator und Komiker des Quatsch Comedy Clubs kennen: Man kann also davon ausgehen, dass diese Geschichte nicht über weniger Pep verfügt, als die Songs von Carpendale selbst!


Live-Termine


"Hello! Again? Das Musical mit den Songs von Howard Carpendale"

24. Februar bis 07. März 2027 | Wien, MuseumsQuartier Halle E


Infos auf dem Stand vom 23.03.2026  

Tickets Hello! Again?

Tipp

Howard Carpendale-Fans sollten sich aber auch folgende Termine im Kalender notieren, insbesondere, wenn man auch ein klein wenig Neuland beschreiten möchte:

Am 26. April gastiert Umberto Tozzi selbst im Rahmen seiner eigenen Abschiedstour in der Grazer Stadthalle - und wird uns nicht nur mit “Ti Amo”, sondern auch mit “Gloria” und “Gente di mare" italienisches Urlaubsfeeling in unsere Heimat zaubern. Leider zum allerletzten Mal!

Ab Mai tourt die “Udo Jürgens Story” als Hommage an den großartigen Entertainer quer durch Österreich: Der bekannte Interpret Alex Parker singt mit viel Einfühlungsvermögen Jürgens' größte Hits, als stünde der unvergessliche Weltstar selbst auf der Bühne - Anekdoten inklusive!

Roy Bianco & Abbrunzati Boys sind dieses Jahr nicht nur am Nova Rock und am SZENE OPENAIR zu Gast, sondern auch im Rahmen der Linzer Eventreihe Klassik am Dom: Irgendwo zwischen Retro-Kitsch, Parodie und echter Pop-Romantik transportieren auch sie Sommerfeeling pur!

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