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Konzerte

Eurovision Song Contest: Letzter Platz für Österreich!

19.03.2026 von Stefan Baumgartner

Mittlerweile sind alle Beiträge für den 70. Eurovision Song Contest veröffentlicht – weiß man schon, wer Mitte Mai in der Wiener Stadthalle gute Chancen auf den Gewinn hat?

Rekapitulieren wir die Eckdaten: In zwei Monaten, also Mitte Mai, findet in der Wiener Stadthalle der diesjährige Eurovision Song Contest statt – diesmal mit so wenig teilnehmenden Ländern wie schon seit über 20 Jahren nicht mehr! Lediglich 35 Nationen – üblicherweise verzeichnet der ESC zwischen 37 und 43 Teilnehmer – wollen dieses Jahr ihr Land repräsentiert sehen. Das liegt einerseits an der neuerlichen Teilnahme Israels: Irland, Island, die Niederlande, Spanien und Slowenien schlossen dieserhalb ihre Partizipation aus. Besonders schmerzlich: Irland und die Niederlande sind mit sieben und fünf bisherigen Siegen zwei der erfolgreichsten Nationen, und Spanien ein Land der so genannten “Big Five”.

Andere wiederum befinden sich wie auch Otto und Ottilie Normal auf Sparkurs und mussten den Rotstift ansetzen: Nicht nur für die ausrichtende Nation Österreich ist der Eurovision Song Contest eine kostenintensive Eigenvermarktung. Ungarn hingegen wird vorgeworfen, sich aufgrund von Homophobie zurückgezogen zu haben – was der öffentlich-rechtliche Sender Duna freilich harsch zurückwies.

Von A wie Albanien bis Z wie Zypern

Kurz bevor sich Wien zumindest für einen Moment zum Nabel der musikalischen Welt verwandelt, haben alle verbliebenen 35 teilnehmenden Länder ihre jeweiligen Künstler*innen und Lieder präsentiert. Österreich hat sich bekanntlich Ende Februar im ORF-Vorentscheid “Vienna Calling” auf Cosmó mit “Tanzschein” verständigt, am längsten Zeit ließen sich die Armenier, die ihren Kandidaten Simón und dessen Song “Paloma Rumba” erst vergangenen Mittwoch präsentierten.

Die internationalen Buchmacher drehen somit bereits eifrig am Rad; Glaubt man ihnen, dann geht der Sieg heuer mit größter Wahrscheinlichkeit nach Finnland: Ihr Vorentscheid UMK hatte bereits in den letzten Jahren ein glückliches Händchen dabei bewiesen, den musikalischen Massengeschmack der ESC-Fans zu treffen und so eine Sogwirkung entwickelt, die weit über Finnland hinausgeht. Dieses Jahr setzte sich die intensive und dramatische Geigen-Nummer “Liekinheitin” von Linda Lampenius und Pete Parkkonen mit haushohem Abstand zum Mitbewerb durch – kein Wunder, die explosive Klimax ihres “Erotic Pop” erinnert durchaus an JJs “Wasted Love”.

Aber auch der Däne Søren Torpegaard Lund ("Før vi går hjem") und die Französin Monroe ("Regarde!") dürfen sich ernsthafte Erfolgschancen ausrechnen: Während der dänische Musical-Darsteller mit seinem Dance-Pop-Track einen verruchten Bruder zu unserem “Tanzschein” vorlegt, kommt Monroe wie JJ aus der Opernwelt und hat mit ihrem Beitrag eine nicht minder dramatische “Fortsetzung” der Vorjahressaison präsentiert.

Natürlich liegen die Buchmacher auch nicht immer richtig – denn neben dem Lied entscheiden auch Bühnenbild, Performance, Sympathie und nicht zuletzt auch die Politik: Insofern darf man auch Noam Bettan mit “Michelle” aus Israel nicht gänzlich außer Acht lassen, der aktuell auf Platz 7 rangiert. Er singt auf Hebräisch, Englisch und Französisch, die Nummer selbst ist zeitgemäßer Urban-Pop nicht nur mit lokalen, sondern auch Flamenco-Einflüssen – klingt dabei aber ehrlicherweise ziemlich banal und nur so-la-la.

Zwar lediglich im Mittelfeld rangierend, ist doch Rumänien mit “Choke Me” von Alexandra Capitanescu aktuell in aller Munde. Der Vorwurf: Textzeilen wir “Lieb mich, bring meine Lungen zum Explodieren” und “Alles, was ich brauche, ist deine Liebe, ich möchte, dass es mich würgt” würden gewaltverherrlichend wirken und gerade jungen Mädchen eine falsche Vorstellung von Sexualität transportieren. Weniger reißerisch als die Textzeilen ist die Musik: Die rockige Nummer ist erschreckend seicht geraten.

Bemerkenswert hingegen ist, dass San Marino nicht allein von Senhit repräsentiert wird: Ihr “Superstar” wird sie gemeinsam mit Superstar Boy George, einst Frontmann der Band Culture Club ("Karma Chameleon") darbieten!

Die Playlist zum Eurovision Song Contest 2026: Alle Länder mit ihren Beiträgen, alphabetisch gereiht. Leider noch ohne Armenien, die (noch) nicht ihren Weg auf Spotify gefunden haben.

Österreich: letztgereiht

Aber bevor wir wissen, ob sich am 16. Mai Jury- und Publikumswertung tatsächlich an die Glaskugel der Buchmacher halten, gilt es für 30 der Länder noch, sich fürs Finale in effectu zu qualifizieren: Das erste Halbfinale findet am 12. Mai statt, zwei der “Big Five”-Länder sind hier abstimmungsberechtigt, nämlich Deutschland und Italien. Das zweite Halbfinale folgt am 14. Mai, hier ist neben weiteren zwei der “Big Five”-Ländern – Frankreich und das Vereinigte Königreich – auch Österreich abstimmungsberechtigt. Spanien ist, wie eingangs bereits geschrieben, dieses Jahr nicht mit von der Partie. 20 der 30 Qualifikanten rücken dann ins Finale am 16. Mai vor, fix vertreten sind die verbliebenen vier der “Big Five”, sowie traditionell das Gastgeberland: Bereits ausgelost wurde unsere Startposition: Cosmó tritt mit “Tanzschein” als letzter Kandidat auf die Bühne.

Ist das für uns gut – oder schlecht? Grundsätzlich gilt, dass ein möglichst später Startplatz ein Vorteil sein kann – vor allem beim Televoting. Aus zwei Gründen: Einerseits gibt es gerade in südlichen Ländern die Tendenz, erst später zuzuschalten, weil davor noch abendgegessen wird – und somit ein Teil der Show verpasst wird. Außerdem besteht natürlich für früher auftretende Titel die größere Gefahr, wieder vergessen zu werden, bevor das Voting überhaupt begonnen hat. Besonders beliebt sind Startplätze im oberen Mittelfeld, wobei der allerletzte Startplatz (und somit der von Cosmó) den potenziellen Nachteil der Übersättigung hat und Zuseher*innen vielleicht schon ihre Entscheidung getroffen haben. Buchmacher sehen Cosmó übrigens mit Stand heute im letzten Fünftel - aber: Gewinnen wollen wir “den Schaß” ohnehin nicht erneut, das könnte sich Wien und der ORF nicht zum zweiten Mal in Folge leisten.

Das Rahmenprogramm vom diesjährigen ESC

Soeben hat der ORF gemeinsam mit dem neuen ESC-Maskottchen Auri auch die gar nicht so leisen “Zwischentöne” verlautbart, die die beiden Semifinale und das Grand Finale bereichern werden:

Das erste Semifinale startet mit einer filmischen Zeitreise durch sieben Jahrzehnte Eurovision-Geschichte. Anschließend eröffnet ein 70-köpfiger Chor die Show mit einer Hommage an den ESC-Klassiker “L’amour est bleu”, der 1967 in der Wiener Hofburg beim Wettbewerb vertreten war. Mit einem augenzwinkernden Interval Act widmet sich das Moderations-Duo Victoria Swarovski und Michael Ostrowski gemeinsam mit dem “Milkshake Man” Go-Jo, dem australischen Teilnehmer des Vorjahres, der Frage, wie man Austria und Australia voneinander unterscheidet: Eine längere Geschichte als der ESC hat wohl nur der Witz, “There are no kangaroos in Austria.”

Das zweite Semifinale eröffnen Swarovski und Ostrowski mit einer selbstironischen Performance des Siegerlieds von 2025, “Wasted Love” von JJ. Im späteren Interval Act präsentiert JJ außerdem einen neuen Song: Das könnte sehr spannend werden!

Eine besondere Rolle im großen Finale übernimmt freilich das ORF Radio-Symphonieorchester Wien, das zudem zahlreiche musikalische Beiträge für die Show eingespielt hat und im Finale auch tatsächlich auf der Bühne zu sehen sein wird. In der Eröffnungsnummer “The Queen of the Night” verbindet JJ seine außergewöhnliche Stimme mit musikalischen Elementen aus der Welt von Mozart und seiner eigenen Musik, während gleichzeitig die 25 Finalisten und Finalistinnen in die Wiener Stadthalle einziehen. Während der Voting-Pause folgen präsentieren nicht nur Eurovision-Allstars wie Verka Serduchka, Erika Vikman, Lordi und Il Volo legendäre Songs aus sieben Jahrzehnten in neuen Versionen. Zudem bringt Electroswing-Ikone Parov Stelar mit seinem charakteristischen Sound die Halle zum Tanzen, während den musikalischen Übergang zum Voting-Finale Cesár Sampson mit einer Soul-Version von Billy Joels "Vienna" gestaltet.

Österreich und der ESC: eine siebzigjährige, wankelmütige Beziehung

Die Beziehung Österreichs zum Eurovision Song Contest ist eine komplizierte: Bei seiner Premiere vor 70 Jahren landeten wir mit Bob Martins “Wohin, kleines Pony?” am letzten Platz, ebenso acht weitere Male – wie auch unsere Nachbarn Deutschland und die Schweiz. Nur Norwegen und – überraschend – Finnland waren noch öfter letztgereiht. Aber dafür ist Österreich die erste und einzige Gastgebernation, deren Act mit null Punkten abgestraft wurde: The Makemakes im Jahre 2015.

Allerdings können wir auch drei Siege verbuchen, 1966 mit Udo Jürgens ("Merci, Chérie"), 2014 mit Conchita Wurst ("Rise Like A Phoenix") und zuletzt 2025 mit JJ ("Wasted Love"). Damit sind wir gleichauf mit der Schweiz, Dänemark, Italien, Norwegen und der Ukraine.

Anlass genug, hierzulande die siebzigjährige, wenngleich wankelmütige Beziehung Revue passieren zu lassen: Am 17. April beleuchten daher Marianne Mendt, Gary Lux und Timna Brauer im Wiener RadioKulturhaus die Geschichte des Eurovision Song Contest – und werden wohl auch aus dem Nähkästchen plaudern, denn die “Mutter des Austropop” erreichte mit “Musik” 1971 den 16. Platz, Gary Lux war sogar mehrmals beim ESC vertreten – darunter 1983 mit Westend, 1985 und 1987. Und Timna Brauer vertrat unser Land 1986 mit dem Titel “Die Zeit ist einsam”, landete damit auf dem 18. Platz.

Nur wenige Tage später, am 24. April, lädt Dirigent und Arrangeur Christian Kolonovits gemeinsam mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien ebenfalls in den Großen Sendesaal: Im Zentrum ihres Jubiläumskonzertes steht die Idee, jene Songs, die das Publikum über Jahrzehnte vor dem Fernsehschirm begleitet haben, in einen sinfonischen Kontext zu stellen und zu zeigen, wie reichhaltig das musikalische Erbe des ESC tatsächlich ist. Die Bearbeitungen von Kolonovits legen sowohl die Hoffnungen der frühen Wettbewerbsjahre, aber auch die gesellschaftliche Energie der Siebziger, den funkelnden Show-Gestus der Achtziger sowie die stilistische Vielfalt der jüngsten Jahrzehnte frei.

Von „United by music“ bis hin zu „Liebe geht durch den Magen“

Über den Geschmack lässt sich bekanntlich ausführlich streiten: Die musikalische Brillanz spricht man vielen Acts beim Eurovision Song Contest zwar gerne ab, trotzdem gibt es wohl keine andere Show, die weltweit so sehr berührt und für so viel Begeisterung sorgt. Einig ist man sich hingegen überall, dass Liebe nicht nur die Sprache der Musik ist, sondern sprichwörtlich durch den Magen geht: Soeben ist im renommierten Wiener Brandstätter Verlag entsprechend ein liebevoll und bildkräftig, aber auch informativ gestaltetes Kochbuch erschienen, dass die Welt der diesjährigen ESC-Saison am heimischen Herd vereint.

Die Rezepte im Buch sind wie der ESC selbst – traditionell und einzigartig. Es erwarten uns landestypische Gerichte von Österreich (Schnitzel) und Belgien (Biermuscheln) über Italien (Pizza Marinara) und Norwegen (Fischbällchen) bis hin zu Polen (Pierogi) und Serbien (Gefüllte Paprika). So lassen sich die in diesem Jahr teilnehmenden Nationen nicht nur musikalisch, sondern auch lukullisch entdecken – zumal einige der Länder und ihre Speisen für uns bisher vielleicht im Verborgenen blieben?

Vielleicht ergibt sich da auch gleich ein Menüvorschlag für all jene Österreicherinnen und Österreicher, die dieses Jahr keine Tickets für die Wiener Stadthalle ergattern konnten, sondern den ESC im Kreis der engsten Freunde oder der Familie von zu Hause aus verfolgen werden!

United by Music

Jedoch ist man nicht nur beim Eurovision Song Contest am 12., 14. und 16. Mai dem Motto nach “united by music”. Zahlreiche der in diesem Artikel benannten Künstler*innen finden sich auch vom ESC losgelöst in den kommenden Wochen und Monaten auf den heimischen Bühnen ein.

  • Unser Vorjahresgewinner JJ gastiert am 6. Juni mit dem My Sounds Vienna Ensemble im Rahmen der Festspiele Taggenbrunn im kärnterischen St. Veit an der Glan. [Alle Infos hier]
  • Während das Konzert von Christian Kolonovits und dem RSO bereits ausverkauft ist, gibt es für die Zeitreise von Marianne Mendt, Gary Lux, Timna Brauer und Cesár Sampson am 17. April im RKH noch einige wenige Karten. [Alle Infos hier]
  • Aber dafür plaudert Christian Kolonovits am 11. Juli im Theater im Park mit Bernhard Egger über seine Erfolge und die Herausforderungen in seinem Leben. [Alle Infos hier]
  • Marianne Mendt lädt dafür zu ihrem 80. Geburtstag am 16. Mai in die Stadtbühne Imst - jede Menge Hits und nostalgische “Momendte” inklusive. [Alle Infos hier]
  • Ebenfalls ein Jubiläum feiert Gary Lux, und zwar gemeinsam mit Wir4, die das ganze Jahr über quer durch Österreich ihren 15. Geburtstag zelebrieren. [Alle Infos hier]
  • Natürlich ist auch Conchita nicht untätig: Im Herbst zelebriert sie mit “Haunted Harmonies” Halloween, aktuell steht sie im Wiener Rabenhof in “Luziwuzi” als Kaiserin auf der Bühne. [Alle Infos hier]
  • Parov Stelar heizt nicht nur im Showfinale ein, sondern gastiert im Sommer zudem in Grafenegg und in Gmunden, im Dezember (erneut) in der Wiener Stadthalle - mit seiner bislang ambitioniertesten Live-Show. In Gmunden taucht man darüber hinaus bei der Ausstellung “Leave The Future Behind” zwischen 19. Juni und 16. August in sein malerisches Schaffen ein. [Alle Infos hier]
  • Auch Il Volo sind nicht nur beim ESC zu Gast: Am 3. November ziehen sie mit ihrem romantisch-leidenschaftlichen Lebensgefühl zwischen Klassik und Pop erneut in die Wiener Stadthalle ein. [Alle Infos hier]
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