Ich hatte die Idee tatsächlich schon bevor das Buch erschienen ist. Ich war in Los Angeles und habe dort an irgendwas gearbeitet, als ich in den amerikanischen Nachrichten auf CNN von den Kirchenbränden gehört habe. Und ich dachte mir: Das ist interessant. Das ist speziell. Ich meine, klar, es hat noch viele Jahre gedauert, ehe ich mich dazu entschieden habe, diesen Film zu machen – aber es ist mir quasi schon lange im Kopf herumgegeistert. Das Buch hat mir mein Bruder zu Weihnachten geschenkt, als es herausgekommen ist. Ich habe es damals, 1998, zum ersten und einzigen Mal gelesen.
Meine Recherchen für den Film gingen weit über das Buch hinaus. Dennis Magnusson, mit dem ich das Drehbuch geschrieben habe, und ich haben viel recherchiert, indem wir alle Dokumentationen angeschaut, alle Bücher gelesen haben – es gibt dazu viele Bücher da draußen –, die Polizeiberichte studiert und Leute getroffen haben. Als wir das Drehbuch schrieben, gab es so viele Inspirationsmöglichkeiten – das Buch „Lords Of Chaos“ war nur eine davon. Deswegen steht im Vorspann, dass der Film von dem Buch „Lords Of Chaos“ inspiriert ist. Der Grund, warum wir die Rechte an „Lords Of Chaos“ gekauft haben, war aber vor allem, alle Namensrechte zu klären – das war eher eine technische Sache. Dann haben wir das Projekt „Lords Of Chaos“ genannt. Ich dachte immer, dass wir den Titel später zu etwas anderem ändern würden, aber wir haben uns irgendwie in den Titel verliebt, dann habe ich dieses Logo entworfen, das ich wirklich mochte, und bevor wir es wirklich merkten, war es genau der Titel, den wir wollten. Wir haben zwar mehrmals darüber gesprochen, den Titel zu ändern, aber er ist geblieben.
Die Wahrheit ist, dass es in diesem Film für mich nicht wirklich um Black Metal, nicht wirklich um Mayhem geht. Es ist kein Musikfilm. Es geht eigentlich viel mehr um die Beziehung zwischen diesen kleinen Jungs, wenn sie die Band gründen, ihre Haare färben, versuchen, ihren Sound zu finden, unangenehm mit Mädchen umgehen und Partys schmeißen ... Die zahlreichen Dokumentationen zeigen die Dunkelheit der Geschichte, die Bösartigkeit darin. Die Charaktere werden fast wie Dämonen dargestellt, wie böse Menschen. Meine Meinung ist, dass das sehr, sehr kleine Jungen waren, die aus guten Familien kamen. Ich habe mir immer gedacht: Hinter dem Corpsepaint, hinter alledem muss ein Mensch stecken, den wir noch nicht gesehen haben. Also war mein Ziel, die Geschichte zu vermenschlichen, diese Kinder zu Menschen zu machen und zu versuchen, die Story aus einer etwas anderen Perspektive zu erzählen.
Die Wichtigen waren immer dabei – angefangen mit Euronymous’ Eltern. Es war mir sehr wichtig, sie mit einzubeziehen und sicherzustellen, dass sie wissen, was ich da tue. Sie haben das Drehbuch sehr früh gelesen. Und ich war schon früh mit Necrobutcher und Hellhammer in Kontakt. Das musste ich, weil ich die Rechte an ihrer Musik brauchte. Ich habe versucht, sie mit Respekt zu behandeln – schließlich drehten wir da ihre Geschichte. Aber gleichzeitig war es sehr wichtig für mich, dass es nicht ihr Film wird – es ist mein Film. Es war ein Balanceakt, mit ihnen in Kontakt zu stehen und zu entscheiden, wie viel Einfluss ich ihnen geben wollte. Aber wir sind alle Freunde und es ist alles gut. Es hat deswegen viele Gerüchte gegeben, aber soweit es mich betrifft, stand ich mit allen, die für mich wichtig sind, in Kontakt. Pelles Bruder hat mich sehr unterstützt, Attila hat mich sehr unterstützt, Necrobutcher ist ein Freund und am wichtigsten sind mir eben Euronymous’ Eltern.
- und zwar am 16. Februar im Wiener Filmcasino.