Ben Hammer
Ricarda Hofmann ist charmant, witzig, intelligent und nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Genau deshalb ist sie die perfekte Moderatorin für „Busenfreundin“, der erfolgreichste LGBTIQ-Podcasts Deutschland. Mit diesem kommt sie im Dezember im Rahmen der „Pink Bubble“-Tour nach Österreich. Egal, wo man sich am Regenbogen einordnet, verpassen sollte man das nicht: Mit gekonntem Entertainment, Witz, vielfältigen Themen und interesssanten GästInnen liefert Hofmann eine Show ab, die unterhält und gleichzeitig zum Nachdenken anregt. Und uns im besten Falle alle ein wenig näher zusammen bringt.
Wir werden die erste lesbische Late-Night-Show präsentieren – und zwar im Rahmen der „Pink Bubble“-Tour. Mein genereller Anspruch ist ja: Ich will mich nicht ständig beschweren, dass lesbische Sichtbarkeit zu wenig existiert, ich mache jetzt einfach etwas dagegen. Im besten Falle – und das ist das größte Ziel der ganzen Show – erreichen wir damit eine Veränderung. Dabei nehmen wir unsere Community mit an die Hand, von der Entstehung bis zum Endprodukt. Wir wollen etwas gegen die queere Marginalisierung tun.
Das Programm der Show beinhaltet alles, was eine klassische Late Night auch hat: Einspieler, Talk und Spontanes. Wir haben Spiele und sehr viel Impro, das heißt, das Publikum wird mit mir interagieren. Also es wird auf jeden Fall eine sehr bunte Show. Es wird aber auch Momente geben, die nicht so witzig sind, weil ich auch von meinen Erfahrungen als lesbische Frau spreche und die waren nicht immer nur positiv. Die Show soll haltungsstark sein. Ein Mix aus Unterhaltung und Haltung.
Ich bitte darum! Es wäre toll, wenn heterosexuelle Menschen kommen und wissen wollen, wie queere Menschen so sind und ob Lesben wirklich lustig sein können. Denn genau das habe ich schon oft gehört: Lesben sind nicht lustig! Auch homophobe und konservative Menschen sind sehr willkommen, denen wir zeigen können, dass wir ganz normale Menschen sind. Ich wette mit dir, dass ich auch einem konservativen Menschen ein kleines Lächeln abgewinnen kann. Das ist meine Aufgabe.
Das hat wohl verschiedene Gründe. Ich habe zum Beispiel schon gehört, dass Lesben in der Regel nichts fürs Auge seien. Die Komikerin und Schauspielerin Maren Kroymann wurde mal in einem Interview gefragt, wieso Lesben immer so hässlich seien. Die Wahrnehmung von Lesben oder FLINTA-Personen unterscheidet sich sehr von der Realität. Zum anderen sind Lesben in meiner Wahrnehmung vergleichsweise nicht so extrovertiert wie Schwule und fallen deshalb auch weniger auf. Man wird oft auch nicht als lesbisch gelesen, sprich: nicht „erkannt“. Mir wurde oft gesagt, dass ich nicht wie eine Lesbe aussehe. All diese Vorurteile müssen aufgebrochen werden. Am Ende des Tages geht es doch nur darum, miteinander Spaß zu haben und zu erkennen, dass wir alle in derselben Gesellschaft leben und dort Platz haben.
Noch viele! Lesben seien handwerklich extrem begabt. Eine von ihnen ist immer der Mann in der Beziehung. Sie haben keine langen Haare und fahren alle LKW. ALLE (lacht)!
Natürlich, ich nehme die komplette queere Community in meiner Show auf! Jede Minderheit hat schließlich ein Recht auf Witze. Wenn ich aber über eine bestimmte Gruppierung nicht genug weiß, dann mache ich mich auch nicht über sie lustig. Das wäre nicht korrekt.
Man muss zwischen Sensibilisierung und einer überschrittenen Grenze, mit der man das Gegenüber verletzt, unterscheiden. Man kann Witze über andere machen, aber man muss sich immer bewusst sein, welche Schwierigkeiten viele dieser Menschen schon hinter sich oder immer noch haben. Generell gilt: Fehler sind okay, wir alle lernen nie aus. Wir dürfen nicht ständig so hasserfüllt aufeinander einschlagen. Das gilt auch innerhalb der Community. LGBTIQ-Menschen müssen milder miteinander umgehen. Und: Wir wollen, dass „unsere“ Themen mehr Aufmerksamkeit bekommen. Das kann aber nur mit mehr Geduld und Verständnis auf beiden Seiten funktionieren. Ich finde, die queere Community muss stärker zuhören. Dann wird auch die Angst von heterosexuellen Menschen, was man „überhaupt noch sagen darf“, gemildert. Es fehlt die humoristische Aufklärung.
Auf jeden Fall! Ich als lesbische Frau finde es toll, wenn mir jemand den Spiegel vorhält. Wir haben ja kaum jemanden, der uns auf die Schippe nimmt! Denn: Es ist schön, wenn sich jemand mit dir näher beschäftigt und so viel Interesse und Liebe zeigt, dass er auch Witze über dich macht. Klar, ich spiele bewusst mit Klischees, denn sie existieren durchaus. Auch ich erfülle so manche Klischees, bin mit meiner Freundin nach wenigen Monaten zusammengezogen. Am wichtigsten ist am Ende, sich selbst treu zu bleiben.
Nur weil ich queer bin, bin ich nicht fehlerfrei. Auch wir haben Fehler, sind nicht perfekt, haben unsere Vorurteile. Wir müssen alle zuerst bei uns selbst anfangen, bevor wir die gesamte Gesellschaft toleranter machen wollen. Ich möchte die Community mit ihren eigenen Fehlern auf humoristische und satirische Art und Weise konfrontieren. Ich hoffe, durch die „Pink Bubble“-Tour bekommen nicht nur hetero-, sondern auch homosexuelle Menschen einen anderen, neuen Zugang zur Community und vielleicht sogar zu sich selbst.
Die Frage ist: Was bedeutet „zu viel sichtbar“? „Pink Washing“ beispielsweise ist durchaus problematisch, weil da oftmals keine echte Solidarität dahinter steckt. Grundsätzlich aber kann Sichtbarkeit niemals groß genug sein, denn eine Sensibilisierung für ein Thema darf einfach niemanden stören. Immer noch werden viel zu viele Menschen diskriminiert, immer noch sind viel zu viele Menschen nicht sensibilisiert. Auf Pride Veranstaltungen beispielsweise werden Menschen manchmal nach wie vor angespuckt. Solange auf der Welt menschenverachtende Dinge geschehen, gibt es nicht genug Sichtbarkeit.
Das Gefühl habe ich nicht, im Gegenteil. Die Anzahl an TeilnehmerInnen bei Pride Events steigt, es gibt auch immer mehr LGBTIQ-Formate im Fernsehen, sogar auch im Öffentlich-Rechtlichen. Die Situation wird also besser. Zwar langsam, aber sie wird besser.