Gottfried Helnwein, u.a. bekannt für seine "Sehnsucht"-Serie von Rammstein und Marilyn Mansons "The Golden Age Of Grotesque", gilt als einer der bedeutendsten österreichischen Künstler der Neuzeit. Einer seiner Söhne, Cyril Helnwein, ist seit seinen frühen Zwanzigern als renommierter Fotograf tätig und stellte zuletzt in der Wiener Ho Gallery seine aktuelle Serie "Lost Garden" aus (
wir berichteten). Gemeinsam mit dem irischen Model, der Schauspielerin und Musikerin Kojii - zuletzt in "
Radha" und "
Little Bear" zu sehen - hat er drei Kinder: Captain ist der Jüngste, Éala die mittlere, Croí seine älteste Tochter. Und Croí (gesprochen: "Kree") ist wie ein Gros ihrer Familie auch unter die Künstler gegangen - und das bereits im zarten Alter von 2 Jahren. Mittlerweile ist sie 10 und eigene Unternehmerin: Ihrer Kreativität lässt sie mit selbst gefertigten Stoffmonstern, genannt "
Croítures" (sprich: "Creatures", englisch für "Kreaturen"), freien Lauf. Die süßen Kuscheltiere werden aus recycelten Materialien handgefertigt, jedes ist ein Unikat.
Croí ist übrigens nicht nur ihr Name, sondern zudem auch das irische Wort für Herz - und dass ganz viel Herzblut in den Kreaturen steckt, das merkt man. Als wir ihren Vater Cyril vor zwei Jahren interviewten, frugen wir, wieso eigentlich jeder Helnwein-Spross den Weg in die Kunst fand, keiner Bauarbeiter, Busfahrer oder Bäcker wurde. Naturgemäß, so seine Antwort, war das Umfeld, in dem sie aufwuchsen, dementsprechend förderlich. Außerdem denkt Cyril, dass ohnehin alle Kinder geborene Künstler sind - auf Croí Helnwein passt diese Vermutung jedenfalls wie die Faust aufs Aug, und ich setze ein Monatsgehalt, dass ihr noch Großes bevorsteht - denn jeder gute Mensch sollte zumindest eine Croíture adoptieren!
Croí, du bist erst 10, jedoch bereits Geschäftsfrau. Mehr noch, seitdem du zwei Jahre alt warst, hast du mal hier, mal da Ständchen aufgestellt und Sachen wie selbstgemalte Bilder verkauft. Macht dir arbeiten mehr Spaß als spielen?
Ja. Arbeiten, bis die Sonne rauskommt, macht viel Spaß. Aber dann geh' ich doch lieber raus spielen, oder reiten.
Was machst du mit dem Geld, das du verdienst? Kaufst du dir Spielzeug, investierst du oder sparst du?
Ich spare! Wenn ich genug zusammen habe, möchte ich mir ein Paar Heelys (
sportliche Straßenschuhe, mit denen man rollen kann - Anm.), ein Pferd und einen alten, türkisen VW-Camper kaufen. Wenn ich alt bin, möchte ich ganz viel reisen.
Wie bist du überhaupt auf die Idee mit den Croítures gekommen?
Meine Familie verkaufte T-Shirts am Jahrmarkt und ich wollte mitmachen, aber ich hatte nichts zum Verkaufen. Doch dann erinnerte ich mich an einen Freund aus LA, der mir, als ich noch ein Baby war, aus einem meiner Strampler einen Plüschhasen fertigte. Und nachdem ich ohnehin einen Sack mit altem Gewand, das ich der Wohlfahrt spenden wollte, daheim herumstehen hatte, ging ich damit zu meiner Oma. Sie zeigte mir, wie ich meine Zeichnungen Wirklichkeit werden lassen kann. Am ersten Tag haben wir gleich 10 Croítures angefertigt.
Wie entscheidest du, wie sie aussehen - und wie kommen Leopold, Pharrell, Sloth, Count Disco und all die anderen zu ihren Namen?
Ich male einfach. Und wenn mir ein Bild gefällt, dann bastle ich die Vorlage - und während dessen schießen mir dann auch die Namen in den Kopf. Meistens sind es Namen, die man sonst eigentlich keinem Lebewesen geben würde, oder sie sind inspiriert von einem Song, den ich mag, einem Lieblingsbuch oder einem Film. Je nachdem!
Denkst du dir auch individuelle Biographien aus - so in der Art: "Der heißt Pharrell, so wie Pharrell Williams, und weil er auf Hüte steht, hat er zwei Köpfe"?
Ja, jede Croíture hat eine eigene Biographie! Wenn ich sie verschicke, lege ich eine Karte bei, welche die wichtigsten Informationen beinhält: Was ist ihr Lieblingsessen? Welche ihre Lieblingsgerüche? Welche schlechten Eigenschaften haben sie - und passend dazu natürlich hilfreiche Tipps über den Umgang mit ihnen.
Bist du eigentlich traurig, wenn eine deiner Croítures adoptiert wird und ein neues Zuhause bekommt?
Manchmal. Aber ich freue mich, wenn ich dann Fotos geschickt bekomme, wo ich sehe, dass es ihnen gut geht.