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Konzerte

“Crush the world!”: Kreator peitschen einen Metal-Reigen durch Österreich

07.10.2025 von Stefan Baumgartner

Die kommenden Monate werden hart: Kreator haben mit “Krushers Of The World” ein neues Album im Köcher, Sabaton zelebrieren “Legends”. Sie und viele mehr zeigen aber auch gerade live auf der Bühne, wo der Barthel den Most holt: Eine streng subjektive Auswahl.

Kreator zählen zu den dienstältesten deutschen Thrash-Metal-Bands – und als Antwort auf die „Big 4“ des Thrash Metals (Metallica, Slayer, Megadeth, Anthrax) neben Sodom, Destruction und Tankard als die größten der „Big 4“ des Teutonen Thrash. Gerade mit ihren Frühwerken „Pleasure to Kill“ (1986) und „Extreme Aggression“ (1989) haben sie nicht nur die Messlatte hochgelegt, sondern auch für eine Vielzahl an Bands von Thrash- über Death bis hin zu Black Metal eine Inspirationsquelle vorgelegt, die sich gewaschen hat. Und wenn man zumindest ein kleines bisschen Aufgeschlossenheit zeigt, bewiesen sie sogar in den Neunzigern in ihrer experimentellen Phase von „Renewal“ über „Cause for Conflict“ bis hin zu „Outcast“ Qualitäten. Aber seitdem sind Kreator ohnehin wieder auf Krawall gebürstet und inszenieren sich als „Hordes of Chaos“ und „Gods of Violence“, die zuvörderst „Hate Über Alles“ im Gepäck haben.

Zwischen Heaven & Hell und Hate & Hope

Über 40 Jahre haben Kreator mittlerweile am Buckel – mit der einzigen Konstante Mille Petrozza als keifender Feldherr, der aus einer Migrantenarbeiterfamilie im Ruhrpott kommend heute zu einer der erfolgreichsten, aber auch reflektiertesten Persönlichkeiten des Metals zählt – immerhin wurde Kreator gar in der Netflix-Serie „Dark“ gespielt und so Teil der Popkultur. Dass er viel zu erzählen hat, beweist er aktuell mit seiner Autobiographie „Your Heaven, My Hell“, die sogar auf der Spiegel-Bestsellerliste gelandet ist.

Und dabei muss man nicht einmal Metal-Fan sein, um Gefallen am Buch zu finden – weil es mehr ist als die bloße Geschichte einer Band und der „Szene“: Es ist zuvörderst eine Sozialstudie über die Jugendkultur des Ruhrpotts zu den beschwerlichen Bergbauzeiten in den Siebzigern und Achtzigern, aber auch eine Art von Entwicklungsroman, wenn Mille davon erzählt, wie er Kindheitstrauma, Gewalt und Schicksalsschläge überwunden hat, indem er in der Musik einen Katalysator für die angestaute Wut, Verzweiflung und Aggression gefunden hat. Und das, ohne wie viele seiner Jugendfreunde in Drogensucht und Alkoholismus vollends abzustürzen – heute lebt er sogar vegan und abstinent, praktiziert Yoga.

Was „Your Heaven, My Hell“ aber insbesondere auszeichnet, das ist Milles reflektierte Weltsicht und seine daraus resultierende klare politische Haltung: So verurteilt er nicht nur die Misogynie der großen Glamrock-Bands entschieden, sondern beschreibt auch, welche Wirkung die Auftritte Kreators in Anti-Nazi-Shirts in ostdeutschen Städten hatten. Etwa, dass Kreator somit jüngere Bands wie die Thüringer Heaven Shall Burn dazu inspiriert hätten, Antifaschismus ebenfalls zum zentralen Teil ihrer Musik zu machen.

Während seine Autobiographie überraschend in den Neunzigern abbricht, beginnt der parallel erschienene Dokumentarfilm „Hate & Hope“ Jahre später, mit ihrem Auftritt am legendären Wacken Open Air 2023, führt mit Archivaufnahmen aber auch in die Anfangsjahre der Band. Auch hier eine Schlüsselszene: Die antifaschistische Haltung von insbesondere Mille, die sich auch in zahlreichen seiner Texte wiederfindet; Zusammen mit Maik Weichert von Heaven Shall Burn besucht er die Gedenkstätte Buchenwald. Abgerundet wird die Doku mit Interviews mit Weggefährten wie Chuck Billy von Testament, Bela B. von Die Ärzte und Schauspieler Lars Eidinger, dem „Jedermann“ der Salzburger Festspiele 2021 und 2022.

Krushers Of The World

Doch auserzählt ist die Geschichte von Mille Petrozza und Kreator noch lange nicht: Bereits in wenigen Monaten, am 16. Jänner, wird mit „Krushers Of The World“ ihr 16. Album veröffentlicht. Aufgenommen wurde das Album erneut mit Produzent Jens Bogren, der auch schon „Phantom Antichrist“ (2012) und „Gods Of Violence“ (2017) mit einem donnernden Sound veredelt hat. Das Cover stammt diesmal von Zbigniew Bielak, der bereits Legenden von Behemoth und Carcass über Ghost und Mayhem bis hin zu Paradise Lost und Possessed ins richtige Licht gerückt hat - (fast) allesamt Bands, von denen wir gleich noch lesen werden.

Die erste Single „Seven Serpents“ zeigt, dass Kreator seit ihrem Letztling „Hate Über Alles“ (2022) definitiv keine Altersmilde angesetzt haben, ein Blick auf die 10-Stück starke Trackliste offenbart aber auch Milles Liebe zu Horrorfilmen – nämlich mit „Tränenpalast“, einer Hommage an Dario Argentos „Suspiria“. Weitere Songtitel wie das Titelstück, „Barbarian“, „Death Scream“ und „Psychotic Imperator“ lassen jedenfalls auf donnernde Salven hoffen, während episch klingende Titel wie „Blood of Our Blood“ und „Satanic Anarchy“ wohl wie geschaffen für bombastische Live-Hymnen sein werden – begleitet von massig Pyro, denn bekanntlich lassen sich Kreator gerade auch live nicht lumpen.

Extreme Aggression

Apropos live: Am 9. April schicken sich Kreator dann an, die Raiffeisen Halle im Gasometer „zu zerstören“, wie ein alter Schlachtruf von Mille so schön lautet. Mit im Gepäck hat man jedoch nicht nur den neuen Krusher und ein wahres Flammenmeer für die Bühne, sondern auch einen überaus wertigen Support: Eröffnet wird der Abend vom kalifornischen Powerviolence-Trio Nails, gegen deren Totalabriss fast alles andere wie Kindergarten klingt. Im Anschluss zelebrieren Exodus ihre „lesson in violence“: Bekanntlich drückte dort Kirk Hammett die Schulbank, bevor er rüber zu Metallica wechselte – und heute Slayers Gary Holt für die Gitarrensalven verantwortlich zeichnet. Und schließlich werden auch noch Carcass das Publikum auf Betriebstemperatur bringen: Die Death-Metal-Pathologen klingen vielleicht nicht mehr so grindig wie zu ihren Anfangstagen, aber das Skalpell ist bei Jeff Walker und Co. immer noch scharf gewetzt. 

Doch auch die Wochen bis dahin sind mit einigen Konzerten, die man sich definitiv in den Kalender schreiben sollte, prall gefüllt! Eine subjektive Auswahl gefällig? Bitte sehr! Bereits am 22. Oktober wird in der Wiener Arena zu „Thrash Of The Titans“ geladen – dass das Konzert bei der geballten Ladung, die von den Teutonen-Thrashern Destruction über die floridianische Dampfwalze Obituary bis hin zu den Bay-Area-Thrash-Legenden Testament reicht, bereits ausverkauft ist, verwundert kaum.

Dass Cradle Of Filth (20. November, SIMMCity) schon bessere Zeiten hatten und die aktuellen personellen Wirren auch nicht gerade dienlich sind, ist wahr. Aber dafür haben sie mit Suffocation eine der besten Death-Metal-Bands aus New York im Gepäck – die Messlatte ihres „Hits“ „Catatonia“ liegt zwar hoch, wird aber in der kompletten Discographie nur minimal unterschritten.

Wenn heute von Metal gesprochen wird, kommt man an der schwedischen Kriegsmaschine von Sabaton zweifelsohne nicht vorbei: Sie werden am 21. November mit ihren Panzern in die Stadthalle donnern und ihren Szenestatus erneut betonieren. Im Gepäck ihr neues Album „Legends“, auf dem sie einigen der größten und bekanntesten historischen Persönlichkeiten Tribut zollen – von Julius Cäsar und Napoleon Bonaparte bis hin zu Vlad Dracul. Aber Sabaton sind neben den brasilianischen Thrash-Metal-Legenden Sepultura und Iron Maiden auch eines der Highlights kommendes Jahr am Nova Rock Festival – Argument genug, zumindest ein Tagesticket für den 13. Juni vom nächsten Gehaltszettel gleich abzuziehen.

Narcotic Wasteland (6. Dezember, Rockhouse Salzburg) genießen vielleicht noch keinen Legendenstatus, aber verdient hätten sie ihn: Gestartet als Nebenprojekt, sind sie mittlerweile die Hauptband des ehemaligen Nile-Gitarristen Dallas Toler-Wade. Wenngleich wir auch hier technisch anspruchsvollen Death Metal dargeboten bekommen, sind Narcotic Wasteland etwas breiter, dafür geradliniger aufgestellt als die ägyptischen Totengötter.

Apropos Death Metal: Kurz vor dem Jahreswechsel kredenzt das legendäre Morbidfest nach dreijähriger Abstinenz am 10. Dezember in der Szene ein Line-up, das sich (nicht) gewaschen hat – mit dabei sind unter anderem die Death-Metal-Urväter Possessed, die den 40. Geburtstag ihres Debüts „Seven Churches“ begehen, während die Grind-Legenden Terrorizer ihre Kultscheibe „World Downfall“ zur Gänze spielen und Massacre mit ihrem legendären Klassiker „From Beyond“ (1991) auch nicht zu verachten sind. Angeführt von Originalsänger Kam Lee – auch bekannt für seine frühen Arbeiten mit Death – ist Brachialgewalt hier gewiss!

Mit Cryptopsy (4. Februar, Szene) gibt es zu Anfang des neuen Jahres eine weitere Death-Metal-Legende, bevor der 19. Februar besonders fett im Kalender einzutragen ist: Mit Mayhem und Marduk fallen gleich zwei Black-Metal-Größen in die SIMMCity ein und pendeln zwischen Tod und Teufel, Krieg und Apokalypse. Im Vorprogramm gibt’s mit Immolation eine weitere Death-Metal-Ikone aus New York, deren Debüt „Dawn of Possession“ (1991) zu einer der besten Genre-Veröffentlichungen zählt. Aber: Ihre komplette Discographie hat den „no filler, just killer“-Sticker verpasst bekommen!

Exakt ein Monat später, am 19. März, heißen wir in der Raiffeisen Halle im Gasometer Milles gute Freunde von Heaven Shall Burn Willkommen, sie präsentieren ihr neues Album „Heimat“: Sie waren wie zuvor beschrieben schon immer das linkspolitische Gewissen in der deutschen Metalszene, mit ihrem neuen Album wollen sie nicht nur ein erneut starkes Werk abliefern, sondern auch den vorbelasteten Heimats-Begriff ent-problematisieren.

Und am 21. März steht erneut ein Pflichtbesuch in der Szene an: Das mittlerweile ebenfalls legendäre The Fall-Festival geht in die fünfte Runde und feiert diesen halbrunden Geburtstag mit einem Line-up, das Tränen in die Augen treibt: Eröffnet wird der Abend mit dem nach dem letztjährigen Celebrare Noctem in Wels erst zweiten Auftritt von Mysterium Xarxes, es folgen Trepaneringsritualen und Vitriol, bevor die Isländer Misthyrming und die Schweizer Bölzer zum großen Finale überleiten. „Purer Hass“ und „gotteslästerliche Lebensverachtung“ sind die – so die Eigendefinition – größte Inspirationsquelle von Darkened Nocturn Slaughtercult, übrigens angeführt von einer Frau. Follow the calls for battle!


Live-Termine


Metal-Highlights der kommenden Monate

22. Oktober 2025 | Wien, Arena: "Thrash Of The Titans" u. a. mit Destruction, Obituary & Testament
20. November 2025 | Wien, SIMMCity: Cradle Of Filth & Suffocation
21. November 2025 | Wien, Wiener Stadthalle D: Sabaton
06. Dezember 2025 | Salzburg, Rockhouse: Narcotic Wasteland
10. Dezember 2025 | Wien, Szene: Morbidfest u. a. mit Massacre, Terrorizer & Possessed
04. Februar 2026 | Wien, Szene: Cryptopsy
19. Februar 2026 | Wien, SIMMCity: Mayhem, Marduk & Immolation
19. März 2026 | Wien, Raiffeisen Halle im Gasometer: Heaven Shall Burn
21. März 2026 | Wien, Szene: The Fall V u. a. mit Misthyrming, Bölzer & Darkened Nocturn Slaughtercult
09. April 2026 | Wien, Raiffeisen Halle im Gasometer: Kreator, Carcass, Exodus & Nails
11. bis 13. Juni 2026 | Nickelsdorf, Pannonia Fields II: Nova Rock Festival u. a. mit Iron Maiden, Sabaton & Sepultura


Infos auf dem Stand vom 07.10.2025  

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