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Kultur

Der Bücherwurm #2

28.03.2025 von Stefan Baumgartner

In der HEADLINER-Serie "Bücherwurm" empfehlen wir euch in regelmäßigen Abständen aktuelle Bücher und Lesungen. Denn Lesen ist, so finden wir, eine der wertvollsten Gewohnheiten, die das Leben bereichern: Wir tauchen ab in eine andere Welt, unsere Gedanken werden entfesselt und unser Bewusstsein erweitert. Wir lernen dazu, werden unterhalten oder schaffen es, für einen kurzen Moment aus der Realität auszubrechen. Lesen ist Entspannung und Bildung gleichzeitig!

Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen, Erwachsenen, damit sie aufwachen.

(Jorge Bucay)

Klaus Eckel gibt tiefe Einblicke in sein Kopfkino

Kabarettist Klaus Eckel hat wieder ein Buch geschrieben, es trägt den nachvollziehbaren Titel “In meinem Kopf möchte ich nicht wohnen”. Vorangestellt ist auch gleich eine Warnung: Das Buch enthält nämlich “inhaltsschwere Leichtigkeit, gepaart mit ernsthaftem Witz”. Und tatsächlich, egal ob wir uns in Eckels “Grübelzimmer”, der “Panikkammer” oder auch im “Salon der guten Hoffnung” befinden, rasen wir da in Windeseile durch eine Vielzahl an scharfsinnigen Beobachtungen, die aber nicht selten auch zahlreiche Fragezeichen hinterlassen. Allerdings versteht es Eckel ebenso kongenial, der Welt und dem Leben darauf auch so etwas wie einen neuen Sinn zu verpassen, mit seinen Anstößen die geneigten Leser*innen zu erden - und zwar nicht nur dann, wenn er ein Plädoyer für das Butterbrot ausspricht. Es ist zwar kein Ratgeber, aber nach einer Stunde in Eckels Kopf ist's für den Deinigen irgendwie so etwas wie ein Frühjahrsputz.

Klaus Eckel spielt sein Kabarett “Wer langsam spricht, dem glaubt man nicht” laufend in ganz Österreich.

Sophie Hunger schreibt über Freundschaft und Musik

Die Schweizer Musikerin Sophie Hunger debütiert nun auch in Buchform: “Walzer für Niemand” erzählt über das Aufwachsen eines Mädchens und ihrem besten Freund Niemand. Als Kinder von Militärattachés ist ihr Aufwachsen geprägt von Ortswechseln und den Hürden, sich in neuen Soziotopen zurecht zu finden. Halt gibt beiden die Musik - das Mädchen wird schließlich auch selbst zur Musikerin, während “Niemand” sich in einer Obsession für die Volkskunde der Walserinnen verliert und ihre Freundschaft peu à peu Risse bekommt. Das klingt auf den ersten Blick nach einem ziemlich schmalen Plot, doch drei Kniffe zeigen die gigantische Brillanz von Sophie Hunger: Der eingewobene Lehrgang durch die Historie der Walserinnen ist fesselnd, und bis zum Schluss scheint es für mich nebulös, ob wir bei “Niemand” von einer realen Person und nicht einem Teil des Mädchens selbst sprechen. Zudem: In jedem Satz versteckt Hunger eine unglaubliche Poesie …

Sophie Hunger stellt ihren Debütroman “Walzer für Niemand” am 2. November im Volkstheater vor.

Luksan Wunder erzählt eine alternative Pop-Geschichte

Luksan Wunder ist ein deutsches Comedy-Ensemble, irgendwo zwischen Parodie, Memes und Metawitzen. Seit 2021 betreiben sie auch den Podcast WTFM 100,Null, der als eine Parodie auf das Medium “Radio” angesetzt ist. Ebenfalls nicht für bare Münze nehmen darf man ihr soeben erschienenes Buch, das mit “(Eine mögliche) Geschichte der deutschen Popmusik” betitelt ist: Das Kollektiv hat hier nicht nur eine erfundene Musikgeschichte geschrieben, die dabei vom Rock'n'Roll über die NDW bis hin zum Austropop und der Hamburger Schule reicht, sondern sie haben tatsächlich auch alle Lieder geschrieben, die in dieser alternativen Musikwelt stattgefunden haben! Vermutlich ist also das Unterfangen, das sich Luksan Wunder hier angetan haben, sogar deutlich komplexer, als über die tatsächliche Popmusikgeschichte zu schreiben. Dabei ist die besondere Brillanz: Wie bei “X Faktor” weiß man erstmal nie so genau, was erstunken ist - und was nicht …

Luksan Wunder gastieren am 30. Mai mit “WTFM 100,NULL” im Wiener Stadtsaal.

Fettes Brot gibt es nun auch im Comic-Format

Fettes Brot zählt zu den legendärsten deutschen Hip-Hop-Gruppen überhaupt, allerdings haben König Boris, Doktor Renz und Björn Beton vor zwei Jahren ihr 30-jähriges Bandkapitel abgeschlossen. Wobei, nicht ganz: Dieses Jahr wurde ihr fünftes Album “Am Wasser gebaut” 20 Lenze alt, also ging man mit der Crucchi Gang ins Studio und nahm eine - Trommelwirbel! - italienische (!) Version der Single “Emanuela” auf: Urlaubsfeeling ist da garantiert! Aber da ist noch mehr: Da die drei “Party-Rapper mit Haltung” auch Comicfans sind, gibt es anlässlich des 30. Geburtstags ihres Debütalbums “Auf einem Auge blöd” auch ein Comic, in dem sich zehn Zeichner*innen Songs aus der gesamten Karriere von Fettes Brot vorgenommen und in Bilder übersetzt haben - darunter “Emanuela” (Jens Cornils), “Jein” (Kati Rickenbach) und “Schwule Mädchen” (Noëlle Kröger).

Fettes Brot befinden sich zwar aktuell im Vorruhestand, aber zumindest die Crucchi Gang kommt zu uns: Und zwar am 3. April ins Wiener Volkstheater!

Über die ganz große Kunstform der Beleidigung

Jede Musikrichtung hat ihre Eigenheiten, eine des Raps ist der Wettkampf - ausgetragen in so genannten “Battle Raps”: Hier wird versucht, einen zumeist realen Gegner mit möglichst fantasievollen Beleidigungen anzugreifen. Rapper wie LL Cool J, Eminem oder auch Kool Savas haben sich auch mit ihren “Battle Skills” einen Namen gemacht - zu sehen etwa in “8 Mile” (2002), in dem eben Eminem den jungen Rapper Jimmy Smith Jr. alias “Rabbit” spielt. Rafael Schmauch, der seit den späten Nullerjahren als Battle-Rapper unter dem Namen Papi Schlauch auf der Bühne steht und sich mit anderen Wortakrobat*innen misst, hat nun ein Buch über diese Kunstform geschrieben: Mit Fokus auf Deutschland beleuchtet er ikonische Battles, legendäre Rivalitäten und skandalträchtige Begegnungen, seziert dabei mit Insiderwissen das Handwerk dahinter - und versucht auch zu erklären, was uns am Spektakel der verbalen Erniedrigung so in den Bann zieht.

Sido, Apache 207, Finch, Kontra K und noch viele Rap-Künstler mehr gastieren demnächst in Österreich!

Marco Wanda über den Preis für seinen Erfolg

2026 werden Wanda bekanntlich kürzer treten, keine Konzerte spielen und an neuen Liedern feilen - vielleicht auch einmal durchatmen. Aber bis dahin hat man hierzulande nicht nur noch dreimal die Chance, “nach Bologna zu reisen”, sondern kann auch die bewegte Geschichte von Bandkopf Marco Wanda nachlesen: Denn am 19. August erscheint sein literarisches Debüt “Dass es uns überhaupt gegeben hat”, in dem er aus seinem bisherigen Leben erzählt - ein Leben, das natürlich vom Erfolg geprägt war, aber auch von einem Preis, der dafür zu zahlen war. Außerdem erzählt er von Wien und den Menschen, die diese Stadt ausmachen, und von einer Künstler*innengeneration, die “zum lebenden Kult” geworden ist.

Marco Wanda stellt sein Buch im Theater im Park (20. August) und der Szene Salzburg (25. November) vor, Wanda spielen vor ihrer Pause noch in Salzburg (9. Mai, ausverkauft), am Nova Rock Festival, sowie in der Wiener Stadthalle D (19. Dezember).

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