Bild: oeticket / Daniel Jamritsch
Zwischen 9. Juli und 23. August erleben wir erstmals ein Werk des großen Richard Wagners im Steinbruch St. Margarethen: In “Der Fliegende Holländer” verwandelt Intendant Daniel Serafin den archaischen Steinbruch in ein tosendes, wogendes, aufpeitschendes Meer samt Geisterschiff. Die ersten Eindrücke versprechen ein fulminantes Bühnenbild, actionreiche Stunts und natürlich einen gewaltigen Klang!
Natürlich: Das Burgenland hat mit dem Neusiedler See schon ein gewaltiges Gewässer - er ist der größte (dabei aber wohl auch flachste) See Österreichs. Aber Daniel Serafin, Intendant der "Oper im Steinbruch", geht dieses Jahr noch ein deutliches Stück weiter: Für die Wagner-Premiere “Der Fliegende Holländer” in seinem eindrucksvollen Steinbruch lässt er gar wieder das Meer ins Burgenland rauschen.
Denn so dramatisch kontrastreich wie das Opern-Drama selbst soll auch das Bühnenbild werden: Während das Stück die mystische Geschichte eines verwunschenen Seemanns, der verdammt ist, die Weltmeere zu besegeln, bis er die Liebe einer reinen, unschuldigen Frau gewinnt, erzählt, setzt Intendant Daniel Serafin die Geschichte nicht nur klanglich, sondern auch bildgewaltig um. Der rohe, gewaltige Steinbruch wird selbst Teil des Bühnenbilds, die schroffen Felswände und die karge Landschaft der archaischen Arena erinnern stark an die Küste. Eine Küste, an der plötzlich ein geheimnisvolles Segelschiff vom Meeresgrund wie aus dem Nichts auftaucht - natürlich begleitet von donnernden Stürmen.
Rund 9.000 Arbeitsstunden wird das Team rund um Bühnenprofi Christopher Winter geleistet haben, wenn die Oper mit den Bühnenbildern nach Plänen von Momme Hinrichs und in der Regie von Philipp M. Krenn in wenigen Wochen, und zwar am 9. Juli Premiere feiert. Die Gerüstkonstruktion mit Ballast wiegt etwa 30 Tonnen, der Holzboden bringt rund 22 Tonnen auf die Waage. Weitere 20 Tonnen fallen mit der Bühnentechnik an und 25 Tonnen mit den Kulissen. Auch die Masse an verbauten Materialien beeindruckt: Rund 6 Kilometer an Staffeln und Theaterlatten, 6.500 Quadratmeter Holzplatten, 600 Kubikmeter Styropor und 42 Tonnen Stahl werden verwendet. Um diese miteinander zu verbinden, kommt etwa eine halbe Million Schrauben zum Einsatz, ehe die Konstruktionen hinter rund sechs Tonnen Putz und Farbe verschwinden.
Zentrale Elemente der diesjährigen Produktion sind einerseits das Geisterschiff, auf dem der Fliegende Holländer ankommt, und andererseits das Haus, in dem Senta vom geheimnisvollen Seefahrer träumt. Letzteres präsentiert sich als wandelbares Bauwerk, das – so viel sei verraten – manch eine Überraschung in sich birgt. Auch das Spiel der Naturgewalten nimmt eine bedeutende Rolle ein – künstliche Wellen rufen einzigartige Stimmungen hervor, die Atmosphäre der Freiluftbühne tut ihr Übriges dazu.
Und zwischen diesen spektakulären Kulissen passiert diesen Sommer auch besonders viel: Für unvergessliche Stunts sorgt wie auch schon in den Jahren zuvor Ran Arthur Braun, der es wie kaum ein anderer versteht, eine unglaubliche Dynamik auf die Bühne zu bringen. In enger Verbindung mit aufwendigen Videoprojektionen zwischen Feuer und Wasser wird die Bühne im Steinbruch so zu einer lebendigen, pulsierenden Parallelwelt, die optisch umsetzt, was Richard Wagner mit seiner Musik ausdrückt.
Die musikalische Umsetzung liegt in den Händen von Dirigent Patrick Lange, der mit dramatischer Tiefe durch Richard Wagners zwar kürzeste, dabei aber vielleicht klanggewaltigste Oper führen wird. An seiner Seite steht erneut das renommierte Piedra Festivalorchester, das mit seiner Ausdruckskraft längst über die Oper im Steinbruch hinaus bekannt ist. Ergänzt wird das klangliche Fundament durch den Philharmonia Chor Wien unter der Leitung von Walter Zeh, der seit 2019 erstmals wieder auf der Bühne steht und für Gänsehautmomente sorgt.
Nicht zu vergessen sind da natürlich auch die Solistinnen und Solisten: Die Titelrolle des Fliegenden Holländers wird alternierend von George Gagnidze, James Rutherford und Tommi Hakala gesungen, drei gleichermaßen ausdrucksstarke Stimmen, die den verfluchten Seemann mit düsterer Kraft und innerer Zerrissenheit verkörpern. Die zentrale Frauenfigur Senta - zwischen Traum und Opfermut - wird eindrucksvoll interpretiert von Elisabeth Teige, Johanni van Oostrum und Johanna Will. In der Rolle des Daland werden Liang Li und Jens-Erik Aasbø zu erleben sein - zwei Bassstimmen, die zwischen väterlicher Autorität und eigennütziger Berechnung changieren.
Natürlich könnt ihr die eindrucksvolle Oper im Steinbruch “einfach nur so” genießen - sie wird sowohl optisch und klanglich ja sämtliche Register ziehen. Wenn ihr für die Anreise oder das Gläschen vor Opern-Beginn noch ein bisschen Stoff für Small Talk braucht, dann haben wir hier einige Fakten für euch: