Gemeinsam mit Jonas Blue landete der 33jährige Brite mit „Perfect Strangers“ einen respektablen Hit. Doch der war ungeplant, denn eigentlich klingt der sympathische Musiker nicht so sehr nach leichtem Pop. Dass sein brandneuer Titel „September Song“ garantiert kein Sommerhit wird, ist JP dabei vollkommen klar.
Mit „Perfect Stranges“ wurdest du in der jungen Pop-Zielgruppe von Zero zum Hero. Ist das ein Vorteil, jetzt den Stempel des Senkrechtstarters zu haben, als den des sich nach oben arbeitenden Musikers?
Es ist hauptsächlich ein Vorteil, denn ich mache schon sehr lange Musik. Da ist eine riesige Masse an Musik online, da ist es schwer, sich davon abzuheben. Ich habe den Vorteil, dass ich eine Menge Songs in den unterschiedlichsten Stilen geschrieben habe. Man kann mich also nicht auf Dance-Pop reduzieren.
Also besteht keine Gefahr, dass du als Mr. Belanglos abgestempelt wirst?
Nein, denn wenn du meinen Namen im Internet eingibst, bekommst du eine große Anzahl an unterschiedlichsten Treffern. Die Leute sagen: Wow, der Typ macht ja viele Sachen. Für mich war „Perfect Strangers“ bisher nur ein Vorteil. Und jetzt kommt mein eigenes Album, das überhaupt nicht wie „Perfect Strangers“ klingt.
Deep Purple hatten 1984 ein Album und einen Hit mit dem Titel „Perfect Strangers“. Wusstest du das?
Ja, klar, das hat aber nichts mit meinem leichten Sommer-Tune zu tun.
Du bewegst dich zwischen den unterschiedlichsten Stilen, von Soul zu Hip-Hop, countryesquen Gitarrensounds und dann wieder ein bisschen akustisch. Ist ein Ausflug in Richtung Metal oder Hard Rock für dich ein No Go?
Lustig, dass du das sagt, denn mein erster Lieblingssound war Grunge. Meine ersten Idole waren Eddie Fedder, Chris Cornell, die Stone Temple Pilots, Nirvana oder Foo Fighters. Mir haben aber auch die ruhigeren, akustischen Teile bei deren Konzerten gefallen. So kam ich dann zu Bands wie den Counting Crows, zu Ben Harper, später zu älterem Soul wie Aretha Franklin, Marvin Gaye und Sam Cooke. Meine Freunde mochten Rock-Bands. So hatte ich beides.
Du gibst als Einflüsse die Bandbreite von Marvin Gaye bis zu Björk an. Da war dein Hit „Perfect Strangers“ bezüglich Stil und Sound also nur ein Zufall?
Ich dachte ja nicht, dass ich der Sänger sein werde. Ich habe eine Instrumentalversion gehört und dachte, die wollen, dass ich einen Text dafür schreibe. Also okay, habe ich mir gedacht, ich nehme mir einen Tag und schreibe einen netten Sommer-Song und niemand wird je wissen, dass ich das war. Ich habe ein Demo eingesungen und das Label hat es gemocht. Ich war noch immer überzeugt, dass die längst einen Interpreten an der Hand hatten, doch auf einmal kamen die an und wollten, dass ich featured artist bin. Das machte mich schon nervös, denn ich hatte keine Ahnung von der Pop-Welt. Aber ich setzte mir da keine Grenzen. Früher gab es dieses Lagerdenken - du warst ein Rocker, oder ein Punk... Das ist heute ja nicht mehr so.
Andererseits hat dir der „leichte Sommer-Tune“ die Türen ins große Music-Biz aufgestoßen.
Auf jeden Fall, denn seither interessieren sich die Menschen auch für meine eigene Musik, auch Radiostationen. Zuvor war ich nur einer von vielen, die Musik machten.
Ist es nicht ein wenig absurd, dass du jetzt, wo der Frühling vor der Tür steht, einen Titel namens „September Song“ veröffentlichst?
Eigentlich habe ich ihn im vergangenen September in England veröffentlicht, aber es hat so lange gedauert, bis jetzt der Rest von Europa dran ist. Wenn er in Amerika heraus kommt, ist es vermutlich schon wieder September.
Ein Song mit September im Titel disqualifiziert dich zumindest im Rennen um den Sommerhit.
Ja, absolut.