Bild: Danny Koetter
Am 12. September laden Danger Dan, Koljah und Panik Panzer alias Antilopen Gang ins Open-Air-Areal der Wiener Arena zu ihrem “Antilopen Air”: Das 15-jährige Bandbestehen gehört ordentlich gefeiert! Zum Jubiläum suchen die Antilopen aber auch eine Band, die für sie den Abend eröffnen soll: Und zwar die SCHLECHTESTE Band.
Eigentlich machen die Antilopen ja schon seit 2005 gemeinsam Musik: Damals nannte sich Panik Panzer “Brrrakkk Spencer”, Koljah “Johnny Volldepp” und Danger Dan “Dan Juan de Marcos”, das Kollektiv hieß noch Caught in the Crack. Auf zwei Alben (2005 und 2008) gab es bitterbösen Gangster-Rap, darunter ballernde Schmankerl wie “Geez Motherfucker Yeah” und “Du muttergefickter Hurensohn”.
2009 wurde man dann zur Antilopen Gang, 2010 kam das erste Album “Spastik Desaster” - mit am Album drauf: “Fick die Uni”. Damit sorgten sie erstmals wirklich für Aufsehen - und das bei weitem nicht nur in Hochschulkreisen. Was die Antilopen damals fabrizierten, gilt heute vielleicht als Kult. Aber ehrlich gesagt: Es war ziemlich asselig. Heute, 15 Jahre später, haben sich Panik Panzer, Koljah und Danger Dan nicht nur musikalisch und künstlerisch weiterentwickelt, sondern wischen auch die Verklärung ihrer eigenen Vergangenheit vom Tisch und deduzieren (wie ein studentischer, pseudoelitärer Straßenpenner wohl sagen würde), dass sie damals eigentlich wirklich, wirklich scheiße geklungen haben: “Wir hielten uns für junge, dynamische Nachwuchsrapper, aber wer damals einen unserer Auftritte gesehen hat, kann bestätigen, dass das, was wir heute als ”charmant" verklären, in Wirklichkeit schlecht war."
Aber was ist schon “schlecht”? Was für die einen Dilettantismus ist, ist für andere charmante Rohheit - “schlecht” ist ein dehnbarer Begriff. Klar, man kann musikalische Fehler benennen: schiefe Töne, verstimmte Gitarren oder ein holpriges Schlagzeug, das immer ein paar Takte zu spät trifft. Doch oft ist es gerade die imperfekte Darbietung, die zum Beispiel Punk oder Indie so authentisch macht - mit ihrer Haltung, die sich bewusst gegen Perfektionismus stellt. Natürlich: Bei Klassik oder Stadion-Pop wäre die DIY-Attitüde komplett fehl am Platz! Außerdem ist in vielen Genres - vom Lo-Fi über den Black Metal bis hin zum Antifolk - das “Schlechte” sogar ein Stilmittel: Wer absichtlich - so wie zum Beispiel Helge Schneider - gegen Hörgewohnheiten verstößt, provoziert und dekonstruiert (schon wieder so ein pseudoelitärer studentischer Ausdruck!).
“Schlecht” ist in der Musik kein objektiver Zustand - sondern eine subjektive Wahrnehmung. Selbstverständlich sind Kriterien wie Timing, Intonation oder Technik am Papier messbar, aber das, was berührt und begeistert, das entscheidet das subjektive Ohr: Meine Mutter findet zum Beispiel Metallica so richtig scheiße - sogar ihre Hausfrauen-Hymne “Nothing Else Matters”. Aber trotzdem füllen sie Stadien, stehen mit “Master of Puppets” sogar als eines der besten Metal-Alben in der National Recording Registry der Library of Congress. Ein Arbeitskollege frug mich erst gestern, warum viele “meiner Bands” so klingen, als hätten sie ihre Musik mit einem alten Kassettenrekorder aufgenommen - ob sie sich etwa keinen Studiobesuch leisten könnten? Und erst letztens meinte mein Chef zu mir, als ich im Büro Nick Cave & The Bad Seeds hörte, dass er sich zu dem Krach am liebsten die Pulsadern aufschlitzen würde - dabei lief nicht einmal der schräge Lärm der Anfangstage, sondern die “Murder Ballads”, auf der Nick Cave bekanntlich sogar mit dem Pop-Prinzesschen Kylie Minogue sang! Aber auch ich nehme mich selbst dabei nicht aus: Viele Bands, die von vielen Menschen abgefeiert werden, finde ich selbst so richtig schlecht und kann ich mir einfach nicht anhören - ich sage nur U2, Muse oder KISS. Und sogar einigen befreundeten Musiker*innen musste ich schon sagen, dass ich sie zwar wirklich sehr, sehr gerne habe, aber ihre Lieder einfach so richtig scheiße finde.
Wir sehen also: Was schlecht klingt, das liegt nicht nur “im Ohr des Betrachters” - sondern ist manchmal sogar absichtlich und gewünscht! Und ganz ehrlich: MIR hat die Antilopen Gang eigentlich besser gefallen, als sie noch nicht im Feuilleton angekommen waren. (Und Danger Dan solo finde ich außerdem noch viel, viel geiler!)
Jedenfalls möchte die Antilopen Gang ihren frühen Anfangstagen nun insofern Tribut zollen, indem auch sie einer “schlechten Band” die Chance bieten, auf einer großen Bühne zu stehen - so wie sie früher auch schon: Für ihr “Antilopen Air” am 12. September im Open-Air-Areal der Wiener Arena sucht die Gang also - mit einem Augenzwinkern natürlich! - die “schlechteste Punkband der Stadt”, wobei nicht zwingend Punk gespielt werden und man auch nicht zwingend aus Wien kommen muss. Man muss eigentlich nur volljährig und davon überzeugt sein, dass man zwar eine schlechte Band ist, aber gut zur Musik der Antilopen Gang passen würde.
Ab sofort kann sich jede Band bis 1. Juli bewerben und einen Auftritt vor der Antilopen Gang in der Arena gewinnen - außerdem gibt es noch eine Palette Dosenbier.
Um teilzunehmen, müsst ihr nur eine Mail an antilopenairbandcontest[at]antilopengang[dot]de schicken - und zwar mit Bandname, mit der Info, aus welcher Stadt ihr kommt, mit euren Social-Links und mit einem circa zwei Minuten langem Bewerbungsvideo, in dem ihr euch vorstellt und ein bisschen Musik spielt. Die Antilopen werden dann eine Vorauswahl treffen und zu einem öffentlichen Voting aufrufen - und mit etwas Glück seid ihr schon bald ganz offiziell die schlechteste Band! Davon kann man sich zwar wenig kaufen, aber vielleicht werden dann sogar die Amadeus Austrian Music Awards auf euch aufmerksam?!