Du wirst in einigen Kritiken immer wieder mit Falco verglichen. Egal ob es um deinen Gesangsstil geht oder die Bühnenperformance. Was denkst du über diese Vergleiche?
Es geht für die Leute wohl um einen romantischen Gedanken, eine Perfektion, ein Ideal, das sich in Österreich in den Namen Falco ergießt. Wenn etwas zu volksfern als volksnah ist, triggern wir automatisch Falco, das dürfte wohl etwa unserer kultureller Horizont sein. Ich hab mich nie nach ihm orientiert, er hat aber geile Musik gemacht, keine Frage. Aber erst nach der „Maschin“ EP hab ich mich mehr mit seinem Schaffen auseinandergesetzt. Er hat sehr viele richtige Ansätze, auch wenn nicht alles gut war, was veröffentlicht wurde.
Sicherlich kann man Falco unendlich hochleben, weil er tot ist - und ihn mit aktuellen Künstlern vergleichen. Ich bin da aber auch nachsichtig und denk mir, „Lass ein paar Jahre vergehen und irgendwann gibt es diese Referenz nicht mehr und wir sind hoffentlich stärker." Was daran liegt, dass wir weitermachen, weil wir leben! Die Leute sollten nicht in die Falle reinfallen und sich wieder ein Best-Of zulegen. Man kann alles von Falco im Internet nachhören, warum soll man sich die x-te Best-Of kaufen? Der Mann ist tot! Es ist wichtiger, sich was von einem Künstler zu kaufen, der noch lebt, als Geld in einen Apparat zu stecken, der sowieso nicht mehr richtig funktioniert. Wenn, dann sollte man sich schon die Originalplatten kaufen und nicht das Best-Of weil irgendwelche Remixes von bestimmten Künstlern oben sind.
Um noch kurz bei Falco zu bleiben, nach seinem relativ frühen Nr. 1-Hit in Amerika ist die Karriere ja wieder auf Talfahrt gegangen und manche Zeitgenossen behaupten er ist mit seinem Erfolg nie fertig geworden, quasi daran zerbrochen. Bilderbuch ist auch eine sehr erfolgreiche Band im deutschsprachigen Raum. Habt ihr Angst, dass es euch auch mal zu viel wird in Sachen Erfolg?
Weißt du was der große Unterschied zwischen Falco und uns ist? Wir sind eine verdammte Band, wir arbeiten seit ewig zusammen und fangen jedes Mal von vorne an, bei sich selbst und nicht beim Produzenten. Hebt einer ab, holst du ihn runter, fällt einer zusammen, hilfst du ihm wieder auf. Das darf man nicht unterschätzen, wenn du viel Kraft in Kommunikation steckst und die Augen offen hältst, ist eine Band eine unglaubliche Stütze fürs Leben. Ich bin so froh die Jungs zu haben, das sind meine Brüder. Falco war alleine, er hatte zwar seine Band, aber wenn er nicht lieferte, lieferte keiner.
Wie siehst du dann die übrige Musikgeschichte Österreichs? Hast du dich damit je beschäftigt beziehungsweise hat es eine Relevanz auf dein Schaffen heute?
Ehrlich gesagt habe ich mich nie so richtig damit auseinandergesetzt. Ich glaube, es ist auch gut, nicht zu viel darüber zu wissen. Bis 15 habe ich gerne deutschsprachige Musik gehört, dann erst mit 23 wieder. Das lag daran, dass ich mir sagte, wenn ich jetzt auf Deutsch zu singen beginne, will ich meinen eigenen Stil finden. Ich wollte unbefleckt bleiben, damit niemand daherkommt und irgendwelche Vergleiche zwischen mir und anderen Künstlern zieht. Sicher, es gibt immer wieder Leute, die Referenzen bringen, aber im Großen und Ganzen glaube ich, meinen eigenen Stil gefunden zu haben. Ich konnte Bands wie Ja Panik und Konsortien erst so richtig nach der „Schick Schock“ genießen.
Wie findest du die aktuelle Szene dann? Bilderbuch ist ja ein großer Teil selbiger.
Ich finde es klasse, viel positive Energie, allerdings gibt es auch Schattenseiten. Es gibt zwei Ansätze wie man Musik in die Welt verkaufen kann. Rammstein ist die einzige Band zum Beispiel, die das deutsche Klischee verbunden mit Provokation in die Welt verkauft.
Was in Österreich passiert, kann ich nicht ganz gutheißen. Es wirkt opportunistisch, dass die Leute dieses Momentum ausnutzen. Wanda haben diesen nicht gerade charmanten Stein ins Rollen gebracht, österreichisch zu sein und in Deutschland Österreich zu verkaufen. Aber genau das machen Wanda gerade. Ich will, dass Bilderbuch längerfristig eine Sonderstellung findet. Die Leute sollen uns horchen wegen der Musik, nicht weil wir aus Österreich kommen, weil es gerade „hip“ ist. Soll aber nicht heißen, dass wir deswegen unsere Wurzeln nicht durchblicken lassen. Viele Acts stürzen sich momentan auf diesen Dialektrock. Man klopft sich in Österreich wieder selbst auf die Schulter mit den Worten, „Wir machen eh leiwande Musik“, und man nähert sich wieder dem Dialekt. Das ist per se nichts Schlechtes! Nur den Ernst Molden gibt es schon ewig zum Beispiel und damals hatte keiner Interesse an ihm.
Ein schmaler Grat so zusagen?
Ich finde, dass jeglicher Austropop außerhalb von Bilderbuch eine aufgewärmte Suppe ist. Halt mich für einen Narren, aber ich sehe das so. Retro ist in vielerlei Hinsicht im Trend. Die Menschen sehnen sich zurück nach Häuslichkeit, nach Tradition, sehnen sich nach Sachen, die sie eigentlich kennen. Das ist ein Gefühl, das wir mit Bilderbuch nicht triggern wollen.
Quer durch die Gesellschaft, ob arm oder reich, hat in den letzten Jahren etwas gezuckt aufgrund der aktuellen Weltlage. Jeder muss mit einem sozialen Problem umgehen, was wir so nicht kennen. Der Retro ist die Falle nicht die Musik. Dieses Gefühl, das Menschen mit Austropop verbinden, diese „gute alte Zeit“, das gefällt mir nicht. Ich denk mir: „Jungs passen wir auf, schieben wir die Musik wieder in den Vordergrund.
Nach 12 Jahren unterwegs mit Bilderbuch: Was bedeutet dann für dich Musik im Großen und Ganzen?
Ich glaube, den Bruch hat es für mich im Alter von 15 Jahren gegeben, als mich die Jungs gefragt haben, ob ich in den Proberaum zum Singen kommen möchte. Ich bin dort mit der ersten Besetzung von Bilderbuch gestanden und habe einen Song von den Strokes gecovert. In erster Linie habe ich gar nicht auf mich selbst geschaut, sondern auf die anderen. Damals habe ich mir gedacht, „Man, die können spielen!" Ich kapierte dann zum ersten Mal, dass es nicht eine Egogeschichte ist, sondern verstand damals, dass es eine Möglichkeit ist etwas zu machen, was ich alleine nie schaffen würde. Das behalte ich mir heute noch vor Augen. Das war auch der Grund, warum ich damals dann noch mal in die Probe gekommen bin, weil die Jungs spielen konnten. Ich hatte anfangs nie die Intention, Sänger zu werden. Dieser kleine Moment bestimmte meine ganze Karriere. Ich denke mir noch heute: „Ich bin der Glückliche, weil ich diese drei Jungs um mich habe!“.
Zum Abschluss: „Magic Life“ ist ein sehr konträres Album zu „Schick Schock“ Was denkst du, werden die Leute nach Veröffentlichung des Albums darüber denken? Was erwartest du dir?
Gespalten, aber das ist okay. Wir versuchen grundsätzlich eine längere Kurve als Band zu nehmen. Sicherlich, wir hätten ein „Schick Schock Nr. 2" machen können und alle wären happy gewesen, aber es hat einfach nicht gepasst. Das würden nicht wir sein. Es hat sich nicht angefühlt danach sich hinzustellen und aus dem Lamborghini eine Yacht zu machen, das war nicht drinnen. Wir waren ehrlich zu uns und haben selbst gefragt, was wir sind, was machen wir?
Wenn wir schon keine Lösung anbieten können, stellen wir ein fettes Gefühl in den Raum. So dass jeder mitbekommen kann, wie 2016 / 17 ist. Nämlich zerrissen, selbstbewusst und doch positiv. Das ist der Anstoß hinter der Platte. Ich glaube, einige Leute werden komplett reinkippen in das Album, andere werden sich vielleicht nur an zwei Songs erfreuen und den Rest nicht für gut befinden. Aber hey! Wenn wir uns selbst treu bleiben, Mukke machen können, weil wir das dürfen, in diesem kleinen Mikrokosmos namens Österreich, dann freu ich mich schon auf die nächste Platte! Wir haben schon eine Idee im Kopf und das Album wird komplett anders als "Magic Life"! Lassen wir uns überraschen!
"Magic Life" erscheint am 17. Februar, Bilderbuch präsentieren selbiges ab Mai in Graz, Wien und Linz! Spezielle Fantickets gibt es bei oeticket.com!