Der „Mann für Amore“ verschenkt schon mal „einen Stern“ und ist „geboren um dich zu lieben“. Und er weiß, wie man das Party-Volk so richtig auf Touren bringt. Mit 46 Jahren ist Gerry Friedle angekommen „in seiner Kraft“, knallt „von Herzen“ ein Hit-Album auf den Tisch, nur, um sich demnächst – wie es sich gehört per pedes ohne Promi-Bonus – auf den Jakobsweg zu machen. !ticket traf den Star vor seinem Pilger-Aufbruch.
In jedem deiner Interviews hört man heute den Satz, dass du den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern willst. Ist das dein neues Motto?
Nein, das ist kein Motto! Das, und nur das ist meine Aufgabe. Wenn ich ins Publikum schau‘ und keinen Stress, keine schlechten Gedanken sehe, dann hab ich meine Aufgabe erfüllt
Hat sich diese Mission langsam ergeben?
Es ist eine gewachsene G'schicht. Ich bin erwachsener geworden, ich bin bewusster geworden. Ich wollte aufs Wesentliche reduzieren, worum es mir eigentlich geht: Dass es den Leut' gut geht, wenn sie mich hören, wenn's mich sehen, dass sie ein gutes Gefühl haben. Man wünscht sich, dass man den Menschen ein Lächeln ins Gesicht malt.
Auf der anderen Seite gab es ein tiefes Tal, Depressionen. Das hat man in der Öffentlichkeit aber nicht mitbekommen.
Du kannst ja in niemanden rein schauen, aber das sind Zeiten, die hinter mir sind. Man geht den Jakobsweg öfter, weil man Probleme hat. Ich aber nicht. Ich hab' kein Problem. Ich möchte nur das Minus, das ich in meinem Leben und speziell vor meiner Karriere aufgebaut hab', zum Plus machen und damit abschließen. Es soll mich nichts mehr belasten.
Bist du ein Mensch, der mit der Vergangenheit nicht leicht abschließen kann?
Ich will es in mir einfach nur abrunden, den Kreis schließen. Dann bist du viel mehr in deiner Kraft und kannst viel mehr zulassen.
Das klingt alles ein wenig esoterisch ...
Nein, jeder halbwegs vernünftige Mensch reflektiert ...
Aber nicht jeder im Musikgeschäft ...
Mag sein. Sollen die anderen machen was sie wollen. Ich bin ein reflektierender Mensch. Ich will wissen, wo was herkommt und warum ich was habe. Das kann ich nur, wenn ich mich auch selbst spür'.
Ich nehme an, dass auch deine vergangene „Gipfel-Tour“ nicht nur einfach ein Spaß war. Besinnst du dich beim Älterwerden auf deine Wurzeln, auf die Natur, die Berge?
Man erinnert sich: Wo war ich früher richtig in meiner Kraft? Bei den Hütten damals, weil die haben mich gespielt. Ich war ja selber DJ früher. Wenn du weißt, wo du herkommst, dann weißt du auch, wo du hin willst. Und noch dazu bist du in deiner Kraft.
In unserem Gespräch vor sieben Jahren ging es um die Differenzierung zwischen DJ Ötzi und Gerry Friedle. Hast du deine Rolle gefunden, wenn du dir das Ötzi-Gewand anziehst und den Deppen gibst?
Ich empfinde den DJ Ötzi grundsätzlich nicht als Depp. Ich finde, der ist ein sehr cooler Typ. Was der geleistet hat in den vergangenen 17 Jahren! Du musst immer handeln um zu wirken. Weil du hast ja eine Aufgabe, eine Verantwortung. Ich hab' mittlerweile 325.000 Facebook-Friends, da hab' ich eine Verantwortung. Da hab' ich mich nicht deppert darzustellen oder etwas vorzumachen. Da gib' ich ihnen die ganze Wahrheit.
Das hat eben 2010 noch anders geklungen.
Naja, vor vierzig Jahren hab' ich auch noch in die Hos'n g'schissen. Man muss sich ja ändern, man muss sich weiterbilden, man muss sich finden. Ich bin ganz nahe, dass ich mit dem richtig lieg' was ich jetzt mach'.
Auf dem 2010er Album „Du und ich“ hast du sehr persönliche Lieder gemacht, was kommerziell nicht erfolgreich war. Jetzt machst du wieder persönliche Titel - und plötzlich stehen die Zeichen auf Mega-Erfolg.
Das war damals zu früh: Der Gedanke, die Aussagen. Jetzt ist es aber richtig. Es fühlt sich richtig an, was ich da mach', es fühlt sich an, als wäre es mein erstes Album. Es ist zu 100 Prozent persönlicher, das ist in den Texten. Man braucht seine Zeit um zu reflektieren, um sich weiter zu entwickeln, um sich anzunehmen. Es ist das Älterwerden. Es ändern sich die Ansichten. Ich fühl' mich mit 46 Jahren zum ersten Mal als wirklicher Mann. Ich hab' mich lange gefragt, was ist denn ein Mann? Bin ich das mit Fünfzig? Mit Sechzig?