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Musical & Show

Eine Zeitreise ins Königreich der Dinosaurier

02.01.2025 von Manuel Simbürger

Nur noch wenige Tage gastiert die Ausstellung „Königreich der Dinosaurier“ in Wien. Wir baten eine Expertin des Naturhistorischen Museums Wien zum Gespräch über die ewige Faszination dieser Urtiere, welche Dinos es in Österreich gab, über „Jurassic Park“ – und  wieso wir nach wie vor von (lebenden!) Dinosaurier umgeben sind.

Ob auf der großen Leinwand, in Videospielen, als Actionfiguren oder in Form von Ausstellungen: Dinosaurier haben nach wie vor nichts von ihrem Glanz und ihrer Faszination verloren – und das, obwohl sie schon einige Milliarden Jährchen auf dem geschuppten und gefiederten Buckel haben. Mit „Königreich der Dinosaurier“ gastiert aktuell noch bis Mitte Jänner die bis dato größte und spektakulärste Dino-Ausstellung endlich auch nach Wien: In der Wiener Marx Halle reisen wir in die Urzeit, als der Organismus Mensch nicht mehr war als ein Gedankenspiel Gottes und stattdessen gigantische, aber auch niedlich-kleine Lebewesen die Erde bevölkerten. „Königreich der Dinosaurier“ ist für alle Altersgruppen unterhaltsam als auch lehrreich zugleich.

Zur Einstimmung baten wir eine Dinosaurier-Expertin zum Gespräch – und fanden sie in Dr. Ursula Göhlich vom Naturhistorischen Museum Wien.

Wie erklären Sie sich die ungebrochene Faszination für Dinosaurier?

Viele Menschen fasziniert wohl der Gedanke, dass es Tiere gegeben hat, die über viele Milliarden Jahre hinweg die Erde bevölkert haben und „plötzlich“ verschwunden sind. In der Popkultur werden Dinosaurier oft als gefährliche Raubtiere dargestellt, was wahrscheinlich ebenso eine gewisse Anziehung ausmacht – und die Erleichterung in einem fühlen lässt, dass man mit diesen Tieren nicht gleichzeitig lebt. Interessant ist auch, dass es sehr viele verschiedene Dinosaurier-Arten gegeben hat. Zudem basieren viele mythische Drachen-Geschichten auf Dinosaurier. Vielleicht ist auch der Gedanke, wie die Welt vor der Menschheit ausgesehen hat, für viele Menschen faszinierend.

Welche sind die größten Mythen über Dinos, die sich am hartnäckigsten halten?

Viele Leute haben gigantische Tiere im Kopf, wenn sie an Dinosaurier denken. Es gab aber auch viele mittelgroße und viele sehr kleine Arten. Besonders in Kinderbüchern werden zweibeinige fleischfressende Dinosaurier zudem immer noch mit einer aufrechten Haltung dargestellt. Schon seit langem weiß die Forschung aber, dass die meisten eine eher horizontale Körperhaltung hatten, der Kopf war nach vorne gebeugt, der Schwanz ging nach hinten gerade raus und lag nicht am Boden auf. Auch bei den Langhals-Dinosauriern war der Schwanz stets in der Höhe, niemals am Boden. Sehr wichtig ist auch, dass der Begriff „Dinosaurier“ oft falsch verwendet wird. Dinosaurier waren Landtiere. Es gab zwar Flugsaurier oder Fischsaurier, die mehr oder minder zeitgleich lebten, aber diese waren keine Dinosaurier. „Saurier“ ist nichts weiter als ein alter Begriff für „Echse“. Und Echsen sind nichts anderes als Reptilien. Flugsaurier beispielsweise waren also Reptilien. Es braucht ganz spezielle anatomische Merkmale, damit ein Reptil ein Dinosaurier ist.

Wie viele verschiedene Dinosaurier-Arten gab es?

Aktuell kennen wir zwischen 700 und 900 Arten, wobei es natürlich viel mehr Arten gab, die wir nur noch nicht entdeckt haben. Jedes Jahr werden zwischen 10 und 20 neue Dinosaurierarten beschrieben. Es ist übrigens ganz normal, dass in der Forschung wissenschaftlich beschriebene Arten und Artnamen wieder für ungültig erklärt werden können, weil sich der Forschungs- und Wissensstand ständig weiterentwickelt.

Seitdem es Menschen gibt, kommen immer wieder neue Lebensarten dazu und sterben wieder aus. War das bei den Dinosauriern auch so?

Natürlich. Jede Dinosaurierart hat nur zu einer bestimmten Zeit während des Erdmittelalters gelebt, zum Beispiel in der späten Trias-Zeit. Manche von ihnen waren relativ kurzlebig, haben also nur ein paar wenige Millionen Jahre gelebt. Es gibt keine einzige Dinosaurierart, die während der gesamten Zeit der Dinosaurier gelebt hat. Auch das wird in der Popkultur manchmal falsch vermittelt.

Wie lange gab es Dinosaurier eigentlich?

Die frühesten bekannten Dinosaurier, die man kennt, stammen aus der sogenannten Zeit der späten Trias. Das war ungefähr vor 235 bis 240 Millionen Jahren. Die letzten von uns als klassische Dinosaurier bezeichneten Tiere starben vor 66 Millionen Jahren aus. Das heißt, Dinosaurier haben insgesamt circa 175 Millionen Jahre lang gelebt. Das ist eine irrsinnig lange Zeit. Dagegen ist unsere Menschheitsgeschichte ein Wimpernschlag.

Welche weiteren Aspekte über Dinosaurier sind viel zu wenig bekannt?

Dinosaurierfossilien wurden tatsächlich auf der ganzen Welt gefunden, auf allen Kontinenten, sogar in Grönland und in der Antarktis. Es gibt Funde aus über 50 Ländern weltweit. Ein zweiter Aspekt, den viele nicht wissen: Dinosaurier sind eigentlich gar nicht ausgestorben.

Wie bitte?!

Wenn wir vom Aussterben der Dinosaurier sprechen, meinen wir die Giganten, die klassischen Dinosaurier. Es gibt aber tatsächlich eine Gruppe von Dinosauriern, die überlebt hat – und das sind die Vögel. Alle heute lebenden Vögel sind eine Untergruppe der Dinosaurier. Also die Vögel haben sich nicht nur aus den Dinosauriern entwickelt, sondern wissenschaftlich gesehen sind Vögel Dinosaurier.

Welche anderen Lebewesen haben gleichzeitig mit den Dinosauriern gelebt?

Ganz, ganz, ganz viele Tiere. Wie erwähnt gab es Fischsaurier, Flugsaurier, etc. Im Wasser lebten Haie und Knochenfische sowie Schnecken, Muscheln, Krebse und Seeigel. An Land gab es zudem Krokodile, Schildkröten, Schlangen und Eidechsen. Aber auch Insekten und Schnecken. Ab Mitte des Erdmittelalters gab es auch bereits richtige Säugetiere, auch wenn diese noch eher klein waren.

Welche Dinosaurier haben im Gebiet des heutigen Österreichs gelebt?

Bei uns gibt es nur ganz wenige vereinzelte Funde. Es wurde bis dato noch kein Dinosaurier-Skelett in Österreich gefunden. Der Grund dafür ist, dass zur Zeit des Erdmittelalters weite Teile Europas, auch die Region die heute Österreich bildet, von einem flachen Meer bedeckt war. Dinosaurier sind aber keine Meerestiere. In Muthmannsdorf  in Niederösterreich wurden im 19. Jahrhundert in einem Kohlebergwerk Einzelknochen eines Dinosauriers gefunden, des „Struthiosaurus austriacus “. Dieser Vierbeiner war circa drei Meter lang, ein Pflanzenfresser und gehörte der Gruppe der Ankylosaurier an. Außerdem wurden bei Hieflau in der Steiermark ganz kleine Zähnchen gefunden, die Raubdinosauriern zugeordnet werden.

Der berühmteste Dinosaurier ist aber nach wie vor der Tyrannosaurus rex. Wieso?

Das ist historisch begründet. Der „T-rex“ war der erste Raubdinosaurier, den man als fast vollständiges Skelett gefunden hat – und zwar bereits im 19. Jahrhundert. Obendrein war es das erste Raubdino-Skelett, das man in einem Museum ausstellte. Ein weiterer Grund mag sein, dass der „T. rex“ einer der am besten erforschte Dinosaurier ist, weil man ganze 30 recht gut erhaltene Skelette kennt. Skelettfunde bei Dinosauriern sind eigentlich sehr selten, meistens findet man „nur“ Einzelteile. Und dann ist der Tyrannosaurus rex auch noch einer der größten Dinos. Er hat einen überaus wuchtigen Schädel, schaut sehr gefährlich aus. Umso skurriler sind seine kurzen Ärmchen, die irgendwie nicht zum restlichen Körper passen.

Welche Fragen über Dinosaurier sind immer noch offen?

Wir sind auf einem guten Weg, was die Dinosaurier-Forschung betrifft. Wir sind nahe an der Wahrheit dran, lernen immer dazu. Dinosaurier hatten, wie auch heutige Reptilien eine Haut mit Schuppen – was wir aber unter anderem immer noch nicht wissen, ist, welche Farbe die Dinosaurier hatten. Daran forscht man gerade. Wir wissen allerdings auch, dass ganz viele Raubdinosaurier-Arten, auch ein paar wenige Pflanzenfresserarten, daunige Federn hatten – ob am gesamten Körper oder nur in bestimmten Lebensphasen, ist aber noch nicht bekannt. Erforscht ist jedoch, dass die Federn ursprünglich nicht zum Fliegen gedacht waren. Vielleicht waren sie für die Regulation von Körpertemperaturen zuständig, fürs Imponiergehabe, zur gegenseitigen Erkennung oder zur Tarnung. Eine weitere offene Frage ist, welche Geräusche Dinosaurier von sich gegeben haben. So wie im Film „Jurassic Park“ haben sie wahrscheinlich nicht geklungen! Vielleicht haben sie gar nicht gebrüllt, sondern gepfaucht? Gepfiffen? Es gibt aktuell keine Möglichkeit, dies zu untersuchen.

Apropos „Jurassic Park“: Was ist Ihre Meinung als Expertin zur Filmreihe?

Beeindruckend ist, wie Steven Spielberg das Bild der Dinosaurier in unseren Köpfen geprägt hat. Ich halte den ersten Film nach wie vor für grandios. Das Team hat hier mit einem tollen US-Paläontologen, den ich auch persönlich kenne, zusammengearbeitet und man ist tatsächlich nahe an der Wahrheit dran, was die Anatomie und Bewegungen der Tiere betrifft – zumindest ausgehend vom damaligen Wissensstand, 1993. In den kommenden Filmen hat man es nicht mehr ganz so genau mit der korrekten Darstellung genommen. Zum Beispiel wurden sehr lange keine Dinosaurier mit Federn gezeigt, obwohl man darüber damals eigentlich schon Bescheid wusste. Hier wurde bewusst der Dramaturgie den Vorrang gegeben. Zudem ist natürlich klar, dass all diese Dinos, die man in dem Park sieht, nicht zugleich gelebt haben. Man hat hier eine Art Best-Of aller Dinosaurier hergenommen. Und auch gepinselt wird bei Skelett-Ausgrabungen nur sehr selten, da kommt schon eher mal die Hacke oder der Presslufthammer zum Einsatz (lacht)!

Wäre ein echter Jurassic Park tatsächlich umsetzbar?

Ganz klar: nein. Wir kennen keine DNA von Dinosauriern. Auch, dass man aus fossilen Mücken, die das Blut aussaugten, DNA gewinnt, funktioniert so nicht. Die einzige DNA, die wir haben, ist von heutigen Vögeln, aber da sind wir weit von der Anatomie der Dinosauriern entfernt. Rein theoretisch, wenn man irgendwann vielleicht eine DNA künstlich herstellen könnte, müsste man diese aber irgendwie in Form von einer Eizelle reproduzieren. Man bräuchte also ein Tier, das ein Ei austrägt. „Jurassic Park“ ist also reine Fiktion.

Wie führte der berühmte Asteroiden-Einschlag zum Aussterben der Dinosaurier?

Man weiß mittlerweile, dass der Asteroid in der heutigen Karibik und der heutigen mexikanischen  Halbinsel Yucatán eingeschlagen hat. Dort ist immer noch ein Krater erhalten. Man darf es sich aber bitte nicht so vorstellen, dass dieser Meteorit eingeschlagen hat und alle Dinosaurier weltweit gleichzeitig tot umgefallen sind. Vielmehr hat dieses Ereignis eine Kettenreaktion ausgelöst, die über Jahre eine globale Wirkung hatte. Es kam nach der ersten Explosion, die unzählige Partikel in die Atmosphäre schleuderte, zu einer Druckwelle, zu Erdbeben, zu Waldbränden, zu Tsunamis, etcetera. Ein gravierender Faunen- und Florenwechsel war die Folge, viele Pflanzen gingen ein. Danach starben die Pflanzenfresser, danach die Fleischfresser. Parallel zum Asteroiden-Einschlag gab es in Asien starken Vulkanismus, der zusätzlich giftige Gase und Asche in die Atmosphäre geschleudert hat.


Live-Termine


Königreich der Dinosaurier

noch bis 12. Jänner 2025 | Wien, Marx Halle


Infos auf dem Stand vom 02.01.2025  

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