Bild: Live Nation
Erst im Jänner haben wir darüber geschrieben, dass Geschwister nicht unbedingt die gleichen Leben führen - eine notwendige Emanzipation im Laufe der eigenen Entwicklung. Aber freilich gibt es gerade in der Welt der Musik dann doch ein paar wenige Fälle, in denen Geschwister ähnliche Karrierewege einschlagen: Namen wie die Gallagher-Brüder und Oasis fielen da, oder auch die Gebrüder Young mit AC/DC und selbstverständlich die Kelly Family. Und auch an eine der größten Künstlerinnen der Gegenwart mussten wir da denken, nämlich an Billie Eilish, die bekanntlich zwar fast allein im Rampenlicht steht, ihre Musik aber seit Anbeginn ihrer Karriere gemeinsam mit ihrem Bruder Finneas O'Connell schreibt - anfangs sogar noch im eigenen Kinderzimmer.
Zugegeben: Mit seiner Arbeit gemeinsam mit seiner Schwester Billie Eilish feiert Finneas stratosphärische Erfolge, die man erst nachmachen muss - zuletzt etwa das James-Bond-Titelstück “No Time To Die” oder der “Barbie”-Titelsong “What Was I Made For?”. Aber Finneas kann noch viel mehr, als im Schatten seiner Schwester (oder als Co-Songwriter für Justin Bieber, Girl In Red und Selena Gomez, um nur einige wenige zu nennen) großartige Arbeit abzuliefern: 2019 erschien seine eigene Debüt-EP “Blood Harmony”, die mit “Let's Fall in Love for the Night” nur einen der zahlreichen Höhepunkte fand - und gleichzeitig auch seinen anderen, gefühlvolleren und hypnotischeren Stil vorstellte.
2021 folgte sein hochgelobtes Debüt “The Optimist”, das eindrucksvoll dokumentierte, dass Finneas auch solo auf Langstrecke mehr als gut funktioniert - im vergangenen Jahr dann sein aktuelles Album “For Cryin' Out Loud!”, das ihn nun erstmals auch ohne seine Schwester nach Österreich, am 16. Juli in den Wiener Gasometer führt.
Sein zweites Solo-Album entstand aus einer Reihe von Live-Studio-Sessions in Los Angeles, bei der Finneas einige seiner engsten Freunde und Kollegen in einem Raum versammelte und so seinen kreativen Horizont erweiterte, indem er sich von der gewohnten Schlafzimmer-Mentalität abwendete und in einer klassischen Studioumgebung ein rohes, dabei aber auch erbauliches Album zusammenbastelte. Ihm zu Seite standen da etwa Aron Forbes, der bereits mit Halsey, Billie Eilish, Olivia Rodrigo und One Direction zusammengearbeitet hat, aber auch Matt Fildey vom “Loud Jazz”-Quintett DAISY und Miles Morris von den Bad Suns. Das Ergebnis: ein Ausbau seiner charakteristischen, warmen Melodien, die in den Bann ziehen - und auch ohne Eilish-Namedropping mehr als nur funktionieren müssten, wenn die Welt eine gerechte wäre.
Aber da kommt noch mehr! Finneas debütierte vergangenes Jahr auch in der Apple TV+ Serie “Disclaimer” als Fernsehmusiker. Die Serie wurde von Alfonso Cuarón ("Gravity", “Children of Men”) geschrieben und inszeniert und ist mit Cate Blanchett ("Der Herr der Ringe") und Kevin Kline ("Ein Fisch namens Wanda") in den Hauptrollen, sowie Sacha Baron Cohen ("Borat"), Kodi Smit-McPhee (aus dem Oscar-Gewinner "Memoir of a Snail"), Lesley Manville ("Maleficent"), Leila George, Louis Partridge ("Enola Holmes") und Jung Ho-yeon ("Squid Game") besetzt.
“Disclaimer” basiert auf dem gleichnamigen Bestsellerroman von Renée Knight (auf Deutsch unter dem Titel “Deadline” erschienen), im Mittelpunkt der Handlung steht eine gefeierte Journalistin, die von einem Unbekannten einen Roman erhält, der ihre dunkelsten Geheimnisse zu enthüllen droht. Unbedingt anschauen!