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Konzerte

It's a long way to the ZZ TOP if you wanna Rock'n'Roll!

20.11.2025 von Stefan Baumgartner

ZZ Top ist eine Band wie Texas: gigantisch, dabei aber auch minimalistisch. Man nehme lediglich drei Bärte, zwei davon im Gesicht und einer im Namen, “Blues Brothers”-Sonnenbrillen und dreckigen, erdigen Blues Rock, der so und zwar nur so ausschließlich nach drei Kilo Steak mit einem Maiskolben oder ein paar blauen Bohnen als Beilage zelebriert werden kann.

Sommerzeit ist die Zeit der kurzen Röcke und noch kürzeren Freitagen, damit sich Mensch wie Gelse gleichermaßen gierig um Wasserstellen sammeln kann. Sommerzeit ist aber auch die Zeit von Kohle, Flamme und Rost: Über der archaischen Feuerstelle ein saftiges Stück Steak, Porterhouse selbstverständlich, frisch eingeflogen aus Texas, dry-aged mit ausgeprägter Marmorierung, gebrutzelt fünf Minuten von beiden Seiten, medium rare, außen kross, innen zart wie Butter – so soll's sein! Dazu ein kühles Blondes und dann darf man es ruhig einmal mit den Fraggels halten: "Lass die Sorgen Sorgen sein!" Den Soundtrack dazu liefern kommenden Sommer erneut die texanischen Rabauken ZZ Top.

Texas

Weite Prärien, Sandsteinplateaus, Kakteen, Knochengerippe am Straßenrand, Erdöl und Bauwollplantagen, die doppelläufige Schrot immer griffbereit: Die Mentalität der Texaner ist gelinde ausgedrückt speziell. Dass der Lone-Star-State vor seiner Zugehörigkeit zu den Vereinigten Staaten von Amerika neben Vermont die einzige unabhängige Republik war, merkt man auch heute noch: ein starker Akzent, Hochburg der Konservativen, Prüden und Nationalstolzen. Die Texaner: BBQ-verrückte, cowboyhuttragende Verfechter des Kreationismus und der Todesstrafte, wurden immerhin seit 1976 etwa 500 Menschen in Texas hingerichtet, ein Vorsprung von knapp 400 Hinrichtungen auf Platz 2, Virginia.

Tejas

“Du musst verstehen: Für uns Texaner ist Texas nicht irgendein amerikanischer Bundesstaat, sondern ein eigenständiges Land”, gibt sich auch ZZ Top-Gandalf Billy Gibbons patriotisch und wie kaum jemand anderer verbildlichen die bluesigen Haudegen von ZZ Top den ureigenen Charakter, den man schließlich nur dann entwickeln kann, wenn bereits die Babies nicht in die Windeln scheißen sondern schießen, Steaks in Kilo- und nicht Gramm-Angaben auf der Speisekarte stehen und eben nicht nur Rind, sondern auch Mensch am Grill landet.

“God bless you Texas! And keep you brave and strong, that you may grow in power and worth, throughout the ages long”, heißt es im Lobgesang des Rinderzuchtstaates, in der inoffiziellen Hymne von ZZ Top, “La Grange”, noch prägnanter “A pow, pow, pow …”. Schließlich tourte man zur Promotion vom 1976er-Album “Tejas” auch noch mit einer Bühne in Form von Texas durchs Land - bis zu einem kleinen Hoppala lebende (!) Geier, Büffel und Klapperschlangen inklusive. Kein Wunder, dass nach derartiger Negierung jeder Ratio ex-Warmachine George W. Bush 2001 zu seiner Inauguration zum Präsidenten mit großen Ohrwascheln dem erdigen Southern Blues Rock lauschte und den 15. Mai als ZZ-Top-Day ausrief.

From BB to ZZ

Mit “B.B. King taught me most everything: How to string and how to sing”, wird das eigentliche Fundament ZZ Tops von Gibbons auf den Punkt gebracht: “I loved the way B.B. answered his singing with his guitar playing.” Ein Fundament, auf dem seit 1970 (zumindest bis 2021) ein beständiges Line-up am Werkeln ist und seinen eigenen Ölbohrturm errichtet: Billy Gibbons, Dusty Hill (2021 verstorben und von seinem glücklicherweise ebenfalls bärtigen Roadie Elwood Francis ersetzt) und Frank Beard. Der Legende nach wollte man sich in Hommage an B.B. den Banner ZZ King umhängen, nachdem der “King” aber stets “on top” steht, wurde daraus eben ZZ Top. Andere Quellen wiederum vermeinen, der Name gehe zurück auf Zig Zag und Top, die Markennamen zweier Papers zur Herstellung von halblegalen Genussstängeln.

Wie dem auch sei: Auch wenn Billy Gibbons bereits vor ZZ Top löblich auffiel - seine damalige Band Moving Sidewalks eröffnete mehrfach für Jimi Hendrix – blieb der kommerzielle Erfolg der 1969 gegründeten “little ol’ band from Texas” bis in die Achtziger hinein (kultiger Alben zum Trotz) versagt und man verzog sich in den späten Siebzigern eremitengleich kurzzeitig in ihre Kabäuschen. Unabhängig voneinander ließen sich in dieser Ruhephase Gibbons und Hill ihre markanten Zausebärte stehen, Urgewüchse, für die die Firma Gillette dann 1984 zwei Millionen Dollar bot, sollten sie sich selbige im Zuge einer Werbekampagne abschneiden lassen. Dass man damals ablehnte, lässt sich unschwer erkennen - und war ein guter Schachzug.

Denn auch wenn man in den Achtigern über den damaligen Musiksender MTV hinweg und mit zahlreichen Features in “Zurück in die Zukunft III”, Stephen Kings “Das letzte Gefecht”, “From Dusk Till Dawn”, aber auch den “Simpsons” und “Beavis and Butt-Head” mit dem “Eliminator” (1983) und dem darauffolgenden “Afterburner” (1985) querbeet prescht, dass selbst das grünste Grün schließlich nur mehr karge Steppe war: ZZ Top mögen sich seitdem mit jedem Album selbst zitieren, ohne Bärte und Sonnenbrillen wäre dies aber vermutlich unvorstellbar - und ZZ Top gelten noch vor AC/DC (Angus wird wohl auch seine Schiluniform niemals ablegen) als das dry-aged Selbstzitat, das dermaßen raw ist, dass das Viech noch muht. Geil!

"The Big One" in St. Pölten

2024 brachten ZZ Top ihren “good ol'd Texazz” auf die Burg Clam, 2026 steht im Rahmen der “The Big One”-Tour nun das VAZ St. Pölten am Programm. Billy Gibbons ist bereits voller Vorfreude: “Wir lieben es, für unsere österreichischen Fans zu spielen - sie gehören zu den energetischsten und enthusiastischsten überhaupt, die wir in den vergangenen fünf Jahrzehnten erleben durften.” Kein Wunder: Auch Österreich pflegt seine Jagdkultur, wie in Texas kredenzt man auf der klassischen österreichischen Speisekarte nur zu gern Fleisch als Beilage zum Fleisch. Und Fleisch gibt bekanntlich Kraft, ZZ Top liefert den Saft.

Trivia

Seit 1986 sind ZZ Top Aushängeschild des amerikanischen Bundesstaates Texas, als George W. Bush ihnen den Titel als “am längsten in der Urbesetzung zusammenspielende Band” verlieh.

Alle drei Herren (der Besetzung bis 2021) tragen einen markanten Bart; Billy Gibbons und Dusty Hill im Gesicht, Frank Beard zumindest im Namen. 1984 bot die Firma Gillette Gibbons und Hill je eine Million Dollar, wenn sie sich für eine Werbekampagne rasieren lassen würden. Sie lehnten ab.

Der Wrestler Jimmy Valiant ließ sich bei seinem Outfit von ZZ Top inspirieren und erschien zu Kämpfen als Boogie Woogie Man mit einem Vollbart wie Hill und Gibbons.

ZZ Top hatten in “Zurück in die Zukunft III” einen Cameo-Auftritt als Musiker einer Wildwest-Kapelle und in Staffel 7, Episode 21 der Serie “Two And A Half Men” erschienen sie dem unter Drogeneinfluss stehenden Charlie Harper.

Im dritten Band der Buchreihe “Der dunkle Turm” von Stephen King taucht der Song “Velcro Fly” aus ihrer Synthesizer-Phase als Einleitung für die regelmäßig ausgetragenen Straßenkämpfe auf.

Billy Gibbons besitzt über 100 Gitarren, darunter eine aus dem Holz von Muddy Waters‘ Dachstuhl gefertigte Gitarre.

Bei einem Konzert in Huntsville, Alabama enterte Dusty-Hill-Nachfolger Elwood Francis 2022 die Bühne mit einem sage und schreibe 17-saitigen Bass! Dabei war der Hintergrund eine reine Quatsch-Aktion gewesen: Er habe das Instrument rein zufällig beim Surfen auf einer Internet-Kaufplattform entdeckt, erklärte er, und den Link aus Spaß an ZZ-Top-Boss Billy Gibbons geschickt: “Wir lachten kurz darüber, dann vergaß ich die Sache!” Doch Gibbons hat das Instrument heimlich gekauft und Francis geschenkt. Und der wiederum entschied, dass der Spaß nicht im Proberaum enden sollte und verwendete das wohl eher unhandliche Instrument live zumindest für einen Song - “Got Me Under Pressure”. Hoffentlich dann auch im VAZ St. Pölten wieder?!

Auf dem Cover von “Eliminator” ist ein Hot Road abgebildet, der im Auftrag von Billy Gibbons von Buffalo Motor Cars tatsächlich angefertigt wurde. Das Eliminator Car baute Don Thelan 1983 auf Basis eines 1933er Ford-Coupés mit Corvette-Motor, das geflammte Logo stammt von Kenny Youngblood. Doch das ist nicht das einzige Auto in seiner Sammlung, Gibbons ist vieles, aber sicher kein “Drossel”bart: Der Autonarr besitzt unter anderem auch einen 19832-Ford Roadster mit V8-Flathead Motor, sowie den CadZZilla, einen Cadillac Sedanette aus dem Jahr 1948 mit Bigblock-Motor, von dem nur zwei Stück existieren - der andere ruht in der Präsidentenlimousine.


Live-Termine


ZZ Top - "The Big One!"

07. Juli 2026 | St. Pölten, VAZ
Tickets ab Mittwoch, 26. November um 11 Uhr!


Infos auf dem Stand vom 20.11.2025  

Ticketalarm ZZ Top
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