Bild: d4mance
Es ist alles andere als ein Aprilscherz, vielmehr eine Jubelmeldung für Liebhaber des echten Stahls. Judas Priest machen am 1. April wieder einmal der Wiener Stadthalle ihre Aufwartung und haben dabei niemand Geringere als die britischen NWoBHM-Legenden Saxon und das Hard-Rock-Flaggschiff Uriah Heep im Schlepptau. Ein testosterongeschwängertes Nostalgie-Fest unter dem Banner „Metal Masters 2024“, das diesen großspurig anmutenden Titel redlich verdient. Im ewigen Zweikampf der Heavy-Metal-Titanen aus Großbritannien mag die Stadionband Iron Maiden rein kommerziell wohl als Sieger hervorgehen, doch wenn man unbefangen an die Sache rangeht, kann nur „the mighty Priest“ zuerst über die Ziellinie rauschen.
Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, deshalb zehn Fakten, warum SIE die wahren Könige des Heavy Metal sind.
Als Judas Priest dieses Monstrum von einem Album auf die Menschheit losließ, gab es sie schon mehr als 20 Jahre und es war der bereits 13. Studiorundling. 85 Prozent aller Bands kommen in ihrer Karriere gar nicht so weit, die wenigen anderen wiederholen sich längst nur noch selbst und bei Iron Maiden war Album Nummer 13 „Dance Of Death“. Ihr merkt es selbst oder? Der Titeltrack ist der Fistbumper des Jahrhunderts und gilt noch immer als DAS Referenzlied, wenn es um die schnellste Erklärung von Heavy Metal geht. Das Gitarrenduo Tipton/Downing sägt – in Nieten und Leder gewickelt – mit dem Riffmesser durch härtesten Beton und Rob Halford kreischt sich die Lunge aus dem Leib. Dazu noch die Songs: „Hell Patrol“, „Between The Hammer And The Anvil“, „Metal Meltdown“ oder „Leather Rebel“. Eigentlich ein Album für die „Library Of Congress“.
Das offizielle Gründungsjahr, wo noch kein Mitglied der wichtigen Priest-Ära dabei und die Band vom Heavy Metal so weit entfernt war wie Österreichs Damentennis von der Weltspitze. Doch mit dem Gründungsjahr lässt sich strenggenommen auch der Heavy-Metal-Kult zurückdatieren. Klar, es gab bereits Black Sabbath, Steppenwolf, Deep Purple oder Led Zeppelin, die alle partiell in diese Richtung eingeordnet wurden, aber mit Judas Priest ging es so richtig los. Iron Maiden, Saxon, Accept und Co. folgten nach.
Wer die legendären Twin-Gitarrenduelle wirklich erfunden hat, lässt sich wahrscheinlich nie mehr so ganz genau nachzeichnen. Iron Maidens Dennis Stratton reklamierte sie mit Dave Murray 1979 für sich. Wishbone Ashs Andy Powell lässt kein Interview aus, in dem er nicht davon erzählt, wie er mit Ted Turner in England das gleichberechtigte Gitarrenduell als erster zelebrierte, doch die wahren Doppelgötter an der Axt waren schon immer Glenn Tipton und KK Downing. Der eine kämpft heute gegen Parkinson und ist seltener Bühnengast, der andere wurde vor einigen Jahren geschasst und setzt auf sein eigenes (bleischweres) Metal-Projekt KK’S Priest, das 2021 sein Debüt „Sermons of the Sinner” veröffentlichte. Als Duo waren sie handgezählte 37 Jahre unschlagbar. Bei Live-Konzerten hören wir heute Andy Sneap und Richie Faulkner an den Twin-Gitarren.
Wer von der Fachpresse und den Fans als „Metal-Gott“ tituliert wird, braucht sich eigentlich nicht weiter vorstellen. Wenn Rob Halford kommenden April die Wiener Bühne entert, ist er 72, aber mit etwas Glück noch immer in Top-Form. Sein schneidend-hohes Organ revolutionierte die Szene und auch wenn der ewige Konkurrent, Iron Maidens Bruce Dickinson, trotz Kehlkopfkrebs konstantere Top-Leistungen bringt, Halford ist nach einem kurzen Tief in den 2010er-Jahren wieder zu einer Hochform aufgelaufen, die er seitdem nicht mehr abgab.
Strenggenommen war Halford gerade nicht bei Judas Priest, als er sich am 4. Februar 1998 via MTV outete, aber etwas, das heute völlig normal erscheint, war vor 25 Jahren ein wilder Skandal. In der männlich dominierten und extrem maskulin auftretenden Metalszene war jeder Anflug von Homosexualität verpönt. Faith No More-Keyboarder Roddy Bottum outete sich fünf Jahre vor Halford als erster, von Hüsker Düs Bob Mould wusste man es noch nicht und Gorgoroths Gaahl war 1998 noch nicht einmal bekannt. Halford ging souverän mit dem Outing um und die gesamte Metalszene wurde sukzessive offener und toleranter. Heavy Metal bedeutet auch Mut und das bewusste Ankämpfen gegen den Mainstream: ein Outing in diesem Setting war das Maximum dessen.
Mit steigendem Alter fühlt Halford sich mit sich selbst und seiner Rolle als „Metal-Gott“ zunehmend sicherer und wagt weitere Schritte in Bereiche, für die man in den Achtzigern wohl gelyncht worden wäre. Seine erkleckliche Sammlung an unterschiedlichsten Katzen-T-Shirts machte ihn auch bei einer jüngeren Generation zum Instagram-Star, die dadurch wiederum auf Priest-Songs stoßen. Solo veröffentlichte er bereits zwei Weihnachtsalben und selbst wenn er während einer Show, wie 2011 in Brasilien passiert, mit dem Motorrad umfällt, bringt ihn das längst mich aus dem Tritt. Go your own way, Rob!
Zugegeben – den besitzen natürlich auch Iron Maiden. Doch Judas Priest sind eine gut geölte Maschine, die ihrer Heimat Birmingham, dem Epizentrum der britischen Working-Class-Heros, alle Ehre machen. Line-Up-Wechsel, Krankheiten, Verletzungen, interne Querelen – alles egal, the Show must go on. Und das tut man erfolgreich seht mehr als 50 Jahren.
In den Neunzigern verloren Rob Halford und Bruce Dickinson zwischenzeitlich die Lust am Tun und mussten schweren Herzens ersetzt werden. Das Direktduell gewinnt eindeutig Judas Priest, die mit Tim „Ripper“ Owens eine technisch perfekte Röhre einsetzten und zumindest mit „Demolition“ auch eine viel bessere Platte kreierten als Maiden es zuweilen mit Ersatzmann Blaze Bayley vollbrachten.
Als Priest dort 2022 mit dem „Musical Excellence Award“ ausgezeichnet wurden, war die Freude groß. Es ist zwar kein klassischer Einzug in die renommierte Liste, doch der gelang im Metal-Bereich bislang nur Metallica. Der „Excellence Award“ wird dann verliehen, wenn ein Künstler ein Genre besonders prägte. Dass die ewigen Konkurrenten Iron Maiden ausgestochen wurden, wurde im Priest-Lager zwar nicht offiziell gefeiert, rief aber sicher den einen oder anderen Jubelsturm hinter den Kulissen hervor.
1980, als Judas Priest mit ihrem wegweisenden Album „British Steel“ zu absoluten Weltstars mutierten, sorgte diese Single für besonderes Raunen im printstarken Metalblätterwald. Grob umrissen dreht sich der Song um einen zurückgelassenen und verlorenen Typen, der weder Arbeit noch Heim hat und um den sich niemand schert. Um sich endlich wieder zu spüren, beschließt er, das Gesetz zu brechen. DIE Hymne für alle Outsider und solche waren bekanntlich schon immer Metalheads. Nie wieder traf eine Metalband den Working-Class-Nerv so präzise wie Priest mit diesem Song.
Judas Priest gastieren am 1. April gemeinsam mit Saxon und Uriah Heep in der Wiener Stadthalle D. Tickets gibt es bei oeticket.