Bild: Frank Lebon Bild: Frank Lebon
News & Stories

Lady Gaga und "Mayhem": DAS Pop-Album des ersten Quartals!

07.03.2025 von Stefan Baumgartner

Lady Gaga ist zurück – und wie! Mit “Mayhem”, ihrem ersten reinen Pop-Album seit “Chromatica” (2020), zeigt sie sich in absoluter Hochform - und das so kurz nach dem Fiasko “Joker: Folie à Deux”. Das Werk ist ein mitreißendes Feuerwerk aus bombastischen Sounds, kühnem Maximalismus und unbändigem Spaß – und hat das Zeug zum besten Pop-Album des Jahres, zumindest aber des ersten Quartals. Allerdings liefert Lady Gaga keine Retro-Kopie ihrer Anfangstage, sondern verbindet geschickt ihre charakteristische, immer mehr gewachsene Exzentrik mit mal modernen, mal klassischen Sounds.

Bereits der Vorbote “Abracadabra” ließ keinen Zweifel daran, wohin die Reise geht: pulsierender Synth-Pop, der in einem geradezu absurden Refrain gipfelt – "Abracadabra, amor-oo-na-na!". Und das Album hält, was die Single verspricht: “Mayhem” strotzt vor Selbstbewusstsein und entfaltet sich mit der Wucht eines echten Pop-Statements - “Garden of Eden” erinnert mit seinem stotternden Gesang an “Poker Face”, während das unglaublich geile “Killah” eine kühne Mischung aus Prince-esker Funkiness und Punk-Attitüde präsentiert. “The Beast" wiederum kanalisiert das düstere Drama der ”Bad"-Ära von Michael Jackson. Wir sehen also: Eigentlich schreibt “Mayhem” Popgeschichte neu.

Langjährige Fans dürfen sich zudem über zahlreiche Anspielungen auf Gagas frühere Werke freuen. In “Perfect Celebrity” klingt sie wie die abgebrühte Weiterentwicklung der Starlet-Persona, die sie auf ihrem Debütalbum “The Fame” (2008) verkörperte: "You love to hate me, I’m the perfect celebrity." Begleitet von schneidenden Gitarren erinnert sie daran, dass ihr Künstlername Gaga nicht zufällig von Queen inspiriert wurde.

“Don’t Call Tonight” ist eine Hymne auf toxische Beziehungen und wirkt, als wäre sie für 70.000 leuchtende Smartphone-Bildschirme geschrieben - Lady Gaga muss also “nur” noch nach Österreich eingeflogen und ins Happel-Stadion gebracht werden, wenn es nach mir geht. “Zombieboy” hingegen staucht sich musikalisch zusammen und zeigt, dass Lady Gaga auch in eine vergleichsweise kleine Bude wie die Grelle Forelle passen würde, wagt sie sich doch hier in Disco-Rap-Gefilde und erinnert stellenweise an Blondie, ohne dabei die theatralische Gaga-Essenz zu verlieren.

Apropos Happel und Forelle: Die Produktion ist ebenso imposant wie facettenreich, gemeinsam mit Andrew Watt (Rolling Stones, Post Malone) und Cirkut (Charli XCX, Rosé) erschafft Gaga einen Sound, der eben stadiontaugliche Rock-Elemente nahtlos mit elektronischem Pop verbindet, der definitiv ein Dach über dem Kopf braucht, von dem vermutlich bereits in den ersten Minuten der Schweiß tropfen würde.

Ein weiteres Highlight, das mir als alten Platten-Narren gut zu Gesicht steht: Gaga verweigert sich konsequent aktuellen Streaming-Trends. Während der Mainstream auf kurze, algorithmusfreundliche Songs setzt, entfalten sich viele “Mayhem”-Tracks in vergleichsweise “epischer” Länge von vier Minuten oder mehr (Prog-Rocker bitte an dieser Stelle das Lachen unterdrücken.). Lediglich “How Bad Do U Want Me”, das an “1989”-Taylor-Swift erinnert, weicht etwas von Gagas ureigenem Klangbild ab. Zum Abschluss des Albums dient “Die With A Smile”, ein vergleichsweise reduziertes Soft-Rock-Duett mit Bruno Mars, als sanfter Ausklang nach einem wilden Ritt durch Gagas Klanguniversum.

Letztlich macht “Mayhem” so viel Spaß, weil es einfach unverkennbar Gaga (und das im besten Sinne) ist, nämlich schrill, theatralisch, bombastisch – und dabei immer emotional. Aber auch poetisch! Denn wenn Gaga in “LoveDrug” singt "River in my eyes, I’ve got a poem in my throat", ist das die vielleicht dramatischste, aber auch schönste Art und Weise zu sagen, dass sie traurig und sprachlos ist.

Wer oder was ist ein "Gesaffelstein"?

Aber ich bin nicht nur der Meinung, dass Lady Gaga mit ihrem vielleicht besten Album ihrer Karriere (!) beweist, dass man zwischen Taylor Swift, Billie Eilish und Sabrina Carpenter immer noch AUCH von ihr reden muss, sondern ich habe auch etwas gelernt, denn: Beim Anhören des Albums hat mich “Killah” zur Albummitte am Weg in die Arbeit am meisten gefesselt, ein Blick auf Spotify verriet mir, der Song wäre eine Kollaboration mit “Gesaffelstein”. Und jetzt einmal ganz ehrlich: Wie geil ist dieser Künstlername denn?! Also, gleich gegoogelt (man kann nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo man nachschauen muss)!

Der Name Gesaffelstein ist ebenso einzigartig wie seine Musik: eine Fusion aus dem Begriff „Gesamtkunstwerk“ und dem Namen “Albert Einstein”. Hinter diesem klangvollen Pseudonym steckt der französische Produzent und DJ Mike Levy, der in Lyon aufwuchs und bereits mit 16 Jahren begann, eigene Musik zu produzieren. Sein Stil: eine düstere, kompromisslose Mischung aus Techno, Industrial und Electro, die ihn zu einem der einflussreichsten Künstler seines Genres gemacht hat.

Gesaffelsteins musikalische Reise begann 2008, auch mit Remixe für unter anderem Lana Del Rey (!) und Justice (!), bevor er 2013 mit seinem Debütalbum “Aleph” endgültig seinen eigenen Platz in der elektronischen Musikszene etablierte: Das Album besticht durch seine brachiale, atmosphärisch dichte Produktion. Zuletzt arbeitete er mit Musiklegenden wie Daft Punk und - ähm - Kanye West (Können wir für eine Sekunde nur Künstler vom Werk trennen?) für dessen Album “Yeezus” zusammen.

Ich habe den ganzen Vormittag nun damit verbracht, nach Lady Gaga auch in die musikalische Welt von Gesaffelstein einzutauchen und bin wirklich fasziniert von seinem prägnanten, düsteren Sound, aber auch seiner Aura des Geheimnisvollen. Er tritt meist in dunkler Kleidung auf, seine Live-Shows sind von einer fast rituellen Ästhetik geprägt. Sein Album “Hyperion” (2019), auf dem er mit The Weeknd und Pharrell Williams kollaborierte, zeigte (wie auch bei Lady Gaga) seine Fähigkeit, Underground-Sounds mit Mainstream-Elementen zu vereinen - und für mich wirkt er wie ein verschrobener, skurriler aber genialer Architekt eines modernen Elektrosounds.


Live-Termine


Lady Gaga

Aktuell sind keine Live-Termine für Lady Gaga in Österreich geplant. Meldet euch gleich beim Ticketalarm an, um informiert zu werden, sobald es einen Termin gibt!


Infos auf dem Stand vom 07.03.2025  

Ticketalarm
Artikel teilen

Könnte dich auch interessieren