Bild: Racoon Live
Von “Heavy Metal Breakdown” bis “Whiplash”: Do you want heavy? Welche Metal-Konzerte man in den kommenden Monaten nicht verpassen sollte – und warum: Geheimtipps inklusive!
Für Otto Normal ist Heavy Metal im besten Fall eine Kakophonie, ein möglichst laut aufgedrehter Krach. In der Szene wird genau dieser Lärm jedoch geschätzt – als Ventil für Wut, Stress und all das, was sich sonst so im Hinterstübchen ansammelt. Der deutsche Liedermacher Funny Van Dannen hat das in einem seiner Songtexte einmal perfekt auf den Punkt gebracht: “Und weil ich immer so friedlich bin, brauch ich zum Ausgleich ein bisschen Krieg: und deshalb höre ich privat am liebsten menschenverachtende Untergrundmusik!”
Aber wird der Heavy Metal seinen Vorurteilen wirklich gerecht? Ist er zu wild, zu laut, zu aggressiv – oder scheiden sich hier einfach, wie so oft, die Geister? Fest steht: Es geht laut und wüst zu, kein Blatt wird vor den Mund genommen – alles darf raus. Und genau das wirkt, wie sogar Universitätsstudien nahelegen, erstaunlich reinigend – eine Katharsis mit Verzerrer sozusagen. Und seien wir uns mal ehrlich: Zwar ist nicht jede*r von uns ein gefundenes Fressen für den Psychiater, aber ein reinigender Reboot tut nicht nur dem Computer gut.
Gelegenheiten dafür gibt es in den kommenden Monaten jedenfalls mehr als genug. Und vielleicht wird 2026 so – trotz all der täglichen Hiobsbotschaften – zumindest ein bisschen weniger oasch.
Folgerichtig fragen Napalm Death im vielleicht kürzesten Song, der jemals geschrieben wurde: “You suffer, but why?” Innerhalb einer heißen Sekunde ist alles gesagt, was gesagt werden muss. Ansonsten gibt sich Brüllwürfel Barney Greenway zwischen den Krachsalven deutlich gesprächiger und überzeugt mit einer kritischen Weltsicht: Punkgrind fetzt dann am besten, wenn er nicht nur wieselflink, sondern auch politisch ist.
Krakeelt da jemand nach “Krieg” und “menschenverachtender Untergrundmusik”? Dann ist man bei Mayhem genau richtig: Ihr einstiger Sänger hat einen auf Cobain gemacht, ihr ehemaliger Gitarrist wurde im Streit erstochen - gut dreißig Jahre später kommt nun das neue Album “Liturgy Of Death”. Außerdem hat man die schwedische Panzerdivision Marduk und die apokalyptischen Reiter Immolation im Gepäck. Herrlich!
Letzten Sommer waren sie noch im Vorprogramm von Iron Maiden im Happel, nun kommt der neben Art the Clown, Pennywise und Captain Spaulding wohl gruseligste Clown auf Headliner-Show nach Österreich - im Gepäck haben Avatar eine hymnische Warnung, nicht allein in den Wald zu gehen: Weil, vielleicht kommt man da nicht wieder raus. Im Wald tummeln sich übrigens auch die fantastischen feministischen Hexen von Witch Club Satan im Vorprogramm.
Als ich in den frühen Neunzigern erstmals die Hyperblast-Maschine Kataklysm mit ihrer Debüt-EP “The Mystical Gate of Reincarnation” auf die Lauscher bekommen habe, hat es mich gleich mal ins Nirwana katapultiert: So etwas Unmenschliches hat man davor noch nicht gehört. Mittlerweile menschelt es zwar etwas mehr, aber: Der Tod kommt immer noch schnell und hart. Zudem ist das Vorprogramm mit Blood Red Throne und Vader auch nicht gerade zimperlich: Forwards to die!!!
Wer das perfekte Bindeglied zwischen Funny Van Dannen und Napalm Death sucht, wird bei den Krach- und Sachgeschichten von den Japanischen Kampfhörspielen aus NRW fündig: Hier geht es um radikale Sozialkritik, Konsumverachtung, Work-Life-Balance und um generell ziemlich fertige Menschen. Dabei klingt das alles dermaßen unkonventionell, als würde Helge Schneider seinen Jazz auf Speed-Bomb nochmal hochjazzen! Außerdem ist sogar Mille Petrozza von Kreator ein großer Fan!
Wenn eine Band auf “Heimat Over Europe”-Tour geht, dann möchte man fast glauben, dass die John Otti Band auf Wahlkampftour durch die Lande zieht. Weit gefehlt! Die deutschen Heaven Shall Burn machen sich mit ihrem aktuellen Album daran, den schwer vorbelasteten Begriff zu dekonstruieren - und vielleicht sogar zu retten. So geht Haltung, so geht Widerstand - es drischt und dröhnt, aber durchaus mit Sinn und Verstand.
Nicht nur Knorkator und J.B.O. sind so Blödelbarden, die wirklich alles durch den Kakao ziehen und somit ein bisschen Ernst aus dem Leben nehmen. Auch in der mittelalterlichen Musikszene, die sich sonst vielleicht eine Spur zu ernst nimmt, existiert seit gut zwei Jahrzehnten ein fideler Haufen, der sich auf den Banner geschrieben hat, dass man ihr Schalala und Humpata lustig trinken muss: Wenn Feuerschwanz zum Feste laden, heißt das Motto schließlich “Raise your cup and don't give a fuck!”
Metal, der kann nicht nur wie eingangs angesprochen, als Ventil wirken - sondern sogar wortwörtlich das Leben retten: Wie, das erklärt Kreator-Kopf Mille Petrozza in seiner Autobiographie. Außerdem erklärt er - zumindest zwischen den Zeilen - in seinen Songs auch immer wieder, wie die Welt eine besser werden kann - dem aktuellen Albumtitel “Krushers Of The World” zum Trotz. Achja: Mit Nails, Exodus und Carcass gibt's zudem davor auch ordentlich etwas hinter die Löffel!
Man mag es zwar kaum glauben, aber als Machine Head in den frühen Neunzigern im Vorprogramm von Slayer das erste Mal Europa heimsuchten, haben sie die zweitgrößten "Big 4" des Thrash Metals an die Wand gespielt - und zwar mühelos. Zwar hat man mittlerweile gelernt, dass es nicht immer nur Gedresche und Geprügel sein muss, aber ihr prolliger Charme, ihr massiver Groove und diese unwiderstehlichen hymnischen Momente sind immer noch eine “Catharsis”.
Drei quietschende Mädchen, die in ihren adretten Kleidchen so aussehen, als kämen sie gerade vom Kindergeburtstag, und Heavy Metal passen auf den ersten Blick so gut zusammen wie die Wörter “alkoholfrei” und “Bier”. Dass Babymetal mit ihrem im wahrsten Wortsinn niedlichen Kawaii Metal trotzdem einen weltweiten Hype losgetreten haben, der von Metallica über Electric Callboy bis hin zu Lady Gaga wirklich alle packt, kann nur ein Zeichen dafür sein: 5 vor 12 ist wirklich alles erlaubt!
Wer hat's erfunden? Die Kräuterzuckerl definitiv die Schweizer. Den Heavy Metal zweifelsohne Black Sabbath. Und den Death Metal entweder Possessed, oder - nomen est omen - Death. Leider starb Death-Mastermind Chuck Schuldiner vor mittlerweile schon 25 Jahren dank des gut funktionierenden Gesundheitssystems in Amerika, seine ehemaligen Mitstreiter Gene Hoglan, Steve DiGiorgio und Bobby Koelble zollen ihm aber weiterhin Tribut - querbeet durch die komplette Discographie!
Metallicas “Master Of Puppets”, Slayers “Reign In Blood” und Megadeths “Rust In Peace” sind zweifelsohne nicht nur die drei besten Thrash-Metal-Scheiben überhaupt, sondern auch die klügsten und durchdachtesten: Da lernt man nicht selten mehr, als in faden Geschichtsbüchern. Insofern gehört es sich zum guten Ton, dass man kommt, wenn sich Megadeth mit ihrem letzten Album nun in den wohl verdienten Ruhestand verabschieden. Zumal: “Megadeth” ist ein würdiger Schwanengesang!
Übrigens: Die-Hard-Fans lassen es sich auch nicht entgehen, wenn ihr Ex-Bassist und Gründungsmitglied Dave Ellefson bereits am 18. März solo im Reigen aufspielt! Vielleicht gibt es da neben den obligatorischen Megadeth-Klassikern auch das eine oder andere Stück von seinem neuen Album “Unbreakable” mit Jeff Scott Soto, das am 13. Februar erscheint?!
Wer sich nach Schauspiellegende Marilyn Monroe und Sektenführer Charles Manson benennt, der kann nur auf Provokation aus sein - da ist eine Schnappatmung der Konservativen ratz-fatz garantiert. Doch wer etwa bei “Antichrist Superstar” & “Holy Wood” genauer hinhört, merkt: Bei Manson geht es um deutlich mehr, als nur eine satanisch versexte Messe zu zelebrieren. Zumal sich der einzig würdige Nachfolger von Alice Cooper nach einer Flaute nun wieder in bester Verfassung zeigt!
Was früher “Wickie & die starken Männer” im Nachmittagsprogramm, das ist heute Amon Amarth: Nicht erst, seitdem die Cosplay-Szene auch in Österreich angekommen ist wissen wir, dass ein Eintauchen in fremde, manchmal archaische Welten wie ein Jungbrunnen wirken kann - insbesondere, wenn man sich gewahr wird, dass heute zumindest nicht mehr mit Keule und Axt verhandelt wird - weil Problemviertel ja Waffenverbotszonen sind. Somit: Hörner raus und Bier hinein - alles ist gut!