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Konzerte

Rebekka Bakken bringt den norwegischen Winter und nordische Traditionen nach Linz und Graz

29.09.2026 von Stefan Baumgartner

Mit zwei unterschiedlichen Ansätzen bringt Rebekka Bakken norwegisches Brauchtum nach Graz und Linz: In Linz taucht sie mit ihrem Album “Nord” ein in traditionelle Volks- und Kirchenlieder, in Graz lässt sie mit ihrem Weihnachtskonzert die Nordlichter erscheinen.

Seit etwa einem Viertel Jahrhundert veröffentlicht die Norwegerin Rebekka Bakken Musik, Anfang der Nullerjahre mit “Daily Mirror” und “Beloved” sogar zwei Alben mit dem österreichischen Jazz-Gitarristen Wolfgang Muthspiel! Als Jazzerin bezeichnet sie sich selbst jedoch nicht, zu Recht: Zu unterschiedlich klingen ihre Alben, lassen sich nicht an einem Genre festmachen. Doch eines haben sie gemein: Ihre Stimme. Die zieht einen beim Hören sofort in den Bann.

Vergangenen Spätherbst hat sie nun ein besonders spannendes Werk ihrem Œuvre hinzugefügt: Ihr Album “Nord” vereint traditionelle norwegische Volkslieder mit selbstgeschriebenen Stücken, die sich überraschend harmonisch einfügen. Gesungen wird demnach - bis auf eine Ausnahme - auch ausschließlich auf Norwegisch.

Warum erst jetzt ein Tribut an die Heimat, an die persönlichen, aber auch musikalischen Wurzeln, mag man sich fragen: “Ich wollte schon sehr lange ein Album mit alten norwegischen Liedern machen, ich brauchte aber meine anderen Platten quasi als kleine Sprungbretter, bis ich bereit dafür war”, verrät Bakken. Erst jetzt, mit 55 Jahren, spürt sie die Leichtigkeit dazu, der filigran flirrenden norwegischen Liedkunst wirklich gerecht zu werden. Und tatsächlich: Hört man “Nord”, fühlt man sich sofort zwischen Fjorden und endlosen, kalten Weiten wieder.

Jedoch ist “Nord” kein nostalgisches Album, kein Selbstfindungsprozess: Für Rebekka Bakken sind diese alten norwegischen Volks- und Kirchenlieder, die den Rahmen für ihre eigenen Stücke bilden, keine verstaubte Historie, sondern vielmehr Gegenwärtiges - vielleicht auch, weil sich für sie nun nach Stationen in New York, London, Schweden und sogar Wien nun in ihrer alten neuen Heimat Oslo biographisch der Kreis schließt. Aber ja, die Liedtradition, die uns Bakken auf “Nord” näherbringt, atmet ehrwürdiges Alter - “Heiemo og Nykkjen” ist etwa eine frühe Version von “Die Schöne und das Biest”, handelt von der Anziehungskraft des Bösen. Übrigens: Das Musical aus dem Hause Disney spielt es ab sofort im Raimund Theater, ab Februar in einer divergierenden Fassung in zahlreichen Städten in ganz Österreich.

Aber zurück zu “Nord”: Nicht nur, dass es kein “archaisches” Album ist, es ist zudem auch kein klerikales Album, denn mit der Kirche hat Bakken selbst durchaus ein Problem. “Meine Mutter ist gerne in die Kirche gegangen und ich musste sie begleiten”, verrät sie da etwa - und weiter: ”Die Worte des Pfarrers haben mich zu Tode gelangweilt. Aber wenn wir zwischendurch gesungen haben, hat mich die Schönheit der Melodien beeindruckt.” Bakkens großes Geschick ist es, den Weihrauch der Melodien zu entziehen, die erbauliche Andacht, die festliche Sehnsucht dennoch beizubehalten.

In der Gesamtbetrachtung ist “Nord” ein ernsthaftes, dringliches, gewichtiges Album, ein pathetisches, aber auch ein versöhnliches und neugieriges - ein Experiment, das nicht nur dank Bakkens Stimme, sondern auch ob der fabelhaften Bandbesetzung durchaus aufgegangen ist. “Nord” ist in ein kraftvolles, in Stimmung und Ästhetik weit ausholendes Opus Magnum, das nach oben beinah zölestisch und mit viel Emphase Räume öffnet - und Bakken selbst wirkt als Schamanin ihrer ganz eigenen Welt. Und die verkörpert sie mit großem Ernst und mit viel Nachdruck.

Aber nicht nur die altehrwürdigen Geschichten Norwegens bringt Rebekka Bakken nach Österreich, passend zur Vorweihnachtszeit bringt sie am 20. Dezember auch ihr neuntes Album “Winter Nights” (2020) auf die Bühne der Grazer Helmut-List-Halle und übersetzt damit die archaische Ruhe tiefblauer, kristalliner Fjorde, die meditative Einsamkeit verschneiter Fichtenwälder und das traumhaft erhabene Leuchten der Nordlichter in ausgesuchte Cover-Songs und natürlich auch eigene Lieder.

So singt sie unter anderem “Calling All Angels”, “In The Bleak Midwinter”, “Silent Night” und schafft es sogar das vielleicht schon totgehörte “Last Christmas” von Wham! in ein anderes, viel romantisch-zarteres Licht zu tauchen: Ihr gelingt es, die altbekannten Arrangements eigenständig zu gestalten - und dies mit einer fast schon spartanischen, überaus organischen Instrumentierung - live sogar noch mehr, ist da Bakken allein am Klavier zu hören - und einer auf den Punkt gebrachten Gelassenheit.

Mit diesen Liedern, den fremden wie den eigenen, lässt Rebekka Bakken eine leidenschaftliche Beziehung zu Weihnachten erkennen, eine Beziehung, die uns im Erwachsenwerden vielleicht mancherorts im stressigen Alltag schon längst verlustig ging. “Ich mag die Botschaft von Weihnachten, die Botschaft des neugeborenen Bewusstseins”, erzählt sie - und weiter: “Die Assoziationen, die ich mit Weihnachten verbinde, sind von Schönheit und Freude erfüllt. Weihnachten verstärkt die Intensität des Lebens.” Das wird insbesondere auf “Silent Night” ersichtlich: Natürlich ist dies eines der ultimativen Weihnachtslieder, mit dieser magischen Melodielinie! Aber wenn Rebekka Bakken es singt, dann fühlt es sich an, als würde sie ihr Herz für uns öffnen - und wir das unsrige für sie. 


Live-Termine


Rebekka Bakken

27. Oktober 2026 | Linz, Brucknerhaus ("Nord")
20. Dezember 2026 | Graz, Helmut-List-Halle ("Winter Nights")


Infos auf dem Stand vom 29.09.2026  

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