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Konzerte

Zwischen traditionellem Liedgut und Eigenkompositionen: "Nord" von Rebekka Bakken

09.04.2026 von Stefan Baumgartner

Zwischen traditionellem Liedgut und Eigenkompositionen zieht Rebekka Bakken mit ihrer Stimme einen beim Hören sofort in den Bann: Die Norwegerin präsentiert ihr neues Album “Nord” in Weiz, Klagenfurt und Linz.

Seit etwa einem Viertel Jahrhundert veröffentlicht die Norwegerin Rebekka Bakken Musik, Anfang der Nullerjahre mit “Daily Mirror” und “Beloved” sogar zwei Alben mit dem österreichischen Jazz-Gitarristen Wolfgang Muthspiel! Als Jazzerin bezeichnet sie sich selbst jedoch nicht, zu Recht: Zu unterschiedlich klingen ihre Alben, lassen sich nicht an einem Genre festmachen. Doch eines haben sie gemein: Ihre Stimme zieht einen beim Hören sofort in den Bann.

Vergangenen Spätherbst hat die mittlerweile wieder in Oslo beheimatete Musikerin nun ein besonders spannendes Werk ihrem Œuvre hinzugefügt: Das Album “Nord” vereint traditionelle norwegische Volkslieder mit selbstgeschriebenen Stücken, die sich überraschend harmonisch einfügen. Gesungen wird demnach - bis auf eine Ausnahme - auch ausschließlich auf Norwegisch.

Warum erst jetzt, mag man sich fragen: “Ich wollte schon sehr lange ein Album mit alten norwegischen Liedern machen, ich brauchte aber meine anderen Platten quasi als kleine Sprungbretter, bis ich bereit dafür war”, verrät Bakken. Erst jetzt, mit 55 Jahren, spürt sie die Leichtigkeit dazu, der filigran flirrenden norwegischen Liedkunst wirklich gerecht zu werden. Und tatsächlich: Hört man “Nord”, fühlt man sich sofort zwischen Fjorden und endlosen, kalten Weiten wieder.

Jedoch ist “Nord” kein nostalgisches Album, kein Selbstfindungsprozess: Für Rebekka Bakken sind diese alten norwegischen Volks- und Kirchenlieder, die den Rahmen für ihre eigenen Stücke bilden, keine verstaubte Historie, sondern vielmehr Gegenwärtiges - vielleicht auch, weil sich für sie nun nach Stationen in New York, London, Schweden und Wien nun in ihrer alten neuen Heimat Oslo biographisch der Kreis schließt. Aber ja, die Liedtradition, die uns Bakken auf “Nord” näherbringt, atmet ehrwürdiges Alter - “Heiemo og Nykkjen” ist etwa eine frühe Version von “Die Schöne und das Biest”, handelt von der Anziehungskraft des Bösen.

Zudem ist “Nord” erst recht kein klerikales Album, denn mit der Kirche hat Bakken selbst durchaus ein Problem. “Meine Mutter ist gerne in die Kirche gegangen und ich musste sie begleiten”, verrät sie da etwa - und weiter: “Die Worte des Pfarrers haben mich zu Tode gelangweilt. Aber wenn wir zwischendurch gesungen haben, hat mich die Schönheit der Melodien beeindruckt.”

Vielleicht das Herzstück des Albums ist aber auch die einzige Ausnahme, nämlich das auf Englisch gesungene “My Choicest Hours”, das nicht nur auf einem Gedicht der Sufi-Dichterin Rabia al-Basri basiert, sondern zudem ein Duett mit dem in Syrien geborenen Sänger Salek Mahfoud, der seit 2015 in Oslo lebt, ist. “Saleh singt wie ein Engel”, freut sich Bakken da über die Zusammenarbeit und schlägt die Brücke: “Schon als ich begann, mich mit den Liedern zu beschäftigen, fiel mir auf, wie ähnlich die traditionellen norwegischen Songs und arabische Lieder klingen: Da ist eine Brücke zwischen den Ausdrucksweisen, auch wenn das Arabische die sehr viel komplexere Musik ist.”

In der Gesamtbetrachtung ist “Nord” ein ernsthaftes, dringliches, gewichtiges Album, ein pathetisches, aber auch ein versöhnliches und neugieriges - ein Experiment, das nicht nur dank Bakkens Stimme, sondern auch ob der fabelhaften Bandbesetzung durchaus aufgegangen ist. “Nord” ist in ein kraftvolles, in Stimmung und Ästhetik weit ausholendes Opus Magnum, das nach oben beinah zölestisch und mit viel Emphase Räume öffnet - und Bakken selbst wirkt als Schamanin ihrer ganz eigenen Welt. Und die verkörpert sie mit großem Ernst und mit viel Nachdruck.


Live-Termine


Rebekka Bakken - "Nord"

17. Mai 2026 | Weiz, Kunsthaus
25. Mai 2026 | Klagenfurt, Burghof (im Rahmen vom Klagenfurt Festival)
27. Oktober 2026 | Linz, Brucknerhaus


Infos auf dem Stand vom 09.04.2026  

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