Bild: Paul Schirnhofer
Roland Kaiser ist der Grandseigneur des deutschen Schlagers. Seine Karriere umspannt mittlerweile mehr als 50 Jahre. „Marathon“ heißt das neue Album des Sängers, der bei seinen Konzerten die Generationen vereint wie kaum ein anderer Künstler. Abseits der Bühne ist Kaiser aufrechter Sozialdemokrat, manchmal schimmert es in seinen Liedern durch. Die Welt geht unter? Er glaubt an das Gute.
Der Titel ist symbolisch zu sehen. Er steht für den Weg von mittlerweile fast 51 Jahren. Da braucht man Durchhaltevermögen und muss konsequent sein. Zu Beginn einer Karriere geht’s ja allen Künstlerinnen und Künstlern gleich: Niemand weiß, ob er nur einen Sprint hinlegt oder ob es ein Langstreckenlauf wird. Im besten Fall wird es ein Marathon.
Kilometer 31, würde ich schätzen. Ich kann es nicht in Jahre fassen. Solange ich gesund bin und Menschen in meine Konzerte kommen und sich für meine Tonträger interessieren, werde ich weitermachen.
Ich möchte das schon machen. Nur so kann ich immer wieder ein neues, abwechslungsreiches Programm hinkriegen. Ich glaube, das Wesentliche ist: Die Entscheidung, ob man einen Marathon laufen darf, liegt am Publikum und nicht an einem selbst. Zum Glück ist das so. Ich war viele Jahre mit Udo Jürgens befreundet, der noch länger auf der Bühne stand. Ich empfinde es als ein Geschenk, so weit laufen zu dürfen. Damit muss man sorgsam umgehen.
Ich fühle mich wie im zweiten Leben, weil ich wirklich einen Neustart hatte. Es ist ein unglaubliches Geschenk, das ich bekommen habe. Ich versuche sehr demütig und respektvoll damit umzugehen. Dass ich dieses zweite Leben seit mittlerweile 15 Jahren leben darf, ist ein großes Glück. Wir Menschen können wahrscheinlich nicht über die Quantität unseres Lebens entscheiden, sondern nur über die Qualität. Ich bin heute viel sorgsamer in dem, was ich tue.
Die Musik ist so, dass unsere treuen Fans weiter mit uns gehen, wir aber auch immer wieder neue gewinnen können. Und man glaubt mir, was ich mache. Darum geht’s vor allem.
Das kann sein. Ich werde für meine Haltung gleichzeitig auch kritisiert, was mich aber nicht stört. Das ist normal. Wenn man sich zu Dingen bekennt, kriegt man auch Gegenwind.
Mir hat an dem Lied gefallen, dass es keinen erhobenen Zeigefinger hat. Es ist ein leiser Appell an uns alle. Das Lied handelt davon, wie mir miteinander umgehen sollen. Wir sollten mit unserem Nächsten so umgehen, wie wir uns wünschen, dass er mit uns umgeht. Das würde schon reichen. Ein anderer wichtiger Titel ist für mich „Was aus euch wird“, wo es um Eltern und ihre Kinder geht. Viele sagen, die Jugend von heute wäre faul oder würde nicht zukunftsorientiert denken. Ich hingegen glaube sehr an die Jugend.
Ein bisschen schon. Wenn man älter wird, ist die Brücke zum Kindsein plötzlich wieder klarer zu sehen als mit 40.
Ich war wie gesagt lange mit Udo Jürgens befreundet. Und der hatte immer den Leitspruch: Unterhaltung mit Haltung. Dem schließe ich mich gern an.
Das kann ich nicht sagen. Wenn ich Themen habe, zu denen ich mich gerne äußern möchte, dann mache ich das. Ich habe 2024 am Brandenburger Tor eine Rede zum Thema Antisemitismus in Deutschland gehalten, weil ich mich dagegen zur Wehr setze. In so einem Fall darf ich meine Stimme erheben. Und wenn ich meine, ich muss ein Lied wie „Achtung und Respekt“ singen, dann nehme ich mir das auch heraus.
Das kommt von Maite Kelly. Sie hat zu mir gesagt: „Das kannst eigentlich nur du singen, du hast die Lebenserfahrung dafür.“ Von ihr habe ich das als Kompliment genommen.
Ich bin oft gefragt worden, ob ich irgendwas in meinem Leben bereuen würde. Ich kann nur sagen, dass ich jetzt glücklich bin. Und der Weg, der mich da hingeführt hat, war gut und richtig. Ich würde es genauso wieder machen.
Finden Sie? Danke. Ich versuche dem Publikum Respekt entgegenzubringen. Einerseits indem ich einen guten Auftritt liefere und vorbereitet bin. Aber es betrifft auch die Stilistik der Sprache. Auch da versuche ich den Menschen die gleiche Wertschätzung entgegenzubringen.
Sie haben vollkommen recht: Wir leben in einer sehr bewegten Zeit mit vielen schrecklichen Nachrichten. Ich bin aber ein gnadenloser Optimist und glaube an das Gute in den Menschen. Wir werden das alles in den Griff kriegen.
Es fängt an mit Tango und klingt zum Schluss wie ein ESC-Beitrag. Finde ich sehr unterhaltsam. Wir sind ja auch für die Leichtigkeit zuständig.
Inzwischen habe ich mich mit dem Lied ausgesöhnt und singe es bei Konzerten wieder. Wir haben eine Form der Interpretation gefunden, die man als heutig bezeichnen könnte.
Dieses besondere Gefühl zwischen den Menschen ist so facettenreich, dass es immer ein Thema bleiben wird. In der Popmusik, im Schlager, im Chanson - wo immer Sie wollen.
Ich bin ein Interpret, das darf man nicht vergessen. Wenn ich all die Dinge, die ich gesungen habe, wirklich erlebt hätte, wäre ich 200 Jahre alt.