Bild: Wunschkonzert
Manche werden mit dem Alter ja zwangsweise etwas ruhiger. Nicht so H. P. Baxxter! Kommendes Jahr wird er bereits 60 Lenze jung (und das im wahrsten Wortsinn), während Scooter ihn bereits sein halbes Leben begleitet und nun auch rundes Jubiläum feiert. Getreu der Devise „Rough and Dirty” wird die unbremsbare Maschine mit seinen tanzenden Vamps, heißen Feuersäulen, Pyroalarm, LED-Zauber und einer Salve Scooter-Hits im April auch die Wiener Stadthalle einheizen. Eine amtliche Party eben.
Bei dieser Anzahl von Touren und Konzerten weiß man oft gar nicht mehr, was wo wie war. Trotz allem habe ich zu Wien ein besonderes Verhältnis. Wien gehört neben Berlin und Hamburg zu meinen Lieblingsstädten. Wenn ich keine Lust mehr auf Hamburg hätte, wäre Wien zum Leben meine erste Wahl.
Berlin ist die Stadt, wo man ein Wochenende lang in die Technoszene eintauchen und sich verausgaben kann. Um dort zu leben wäre mir die Stadt aber etwas zu heftig. Ich gehe gerne lange aus, aber das Angebot ist dort so groß, dass ich Angst hätte, mich zu verlieren. Ich genieße Berlin punktuell und kehre dann gerne wieder in mein normales Leben zurück.
Ich wurde noch nie abgelehnt, aber ich mache aus der Location auch keinen Hype. Das Berghain hat noch was von den Raves von früher, als es in den Neunzigern losging. Die merken schon an der Tür, wer es ernst meint und wer nicht. Ich gehe hin, weil ich auf Techno stehe und nicht, weil ich gehört habe, da muss man rein. Das Coole ist, dass die Handys abgeklebt werden. Keiner macht Bilder und man hat seine Ruhe. Würden sie alle Touristen reinlassen, wäre die Magie des Berghain weg.
Auf der Bühne bin ich so mit der Sache beschäftigt, dass ich gar nicht darauf achte. Wenn ich privat wo bin, dann möchte ich auch mal in Ruhe abraven. Das ist so, wie es früher war. In meiner Jugend rannte auch keiner mit dem Fotoapparat auf die Tanzfläche und machte Bilder (lacht). Man hat einfach getanzt.
Aber manchmal stelle ich auch fest, dass die Zeit nicht spurlos an mir vorübergeht. Vielleicht ist es ein Klischee, aber es liegt mir in den Genen. Meine Mutter ist 81 und wenn wir in der Nähe ein Konzert haben, ist sie immer noch dabei. Sie hüpft rauf und runter und findet kein Ende, wenn wir partymäßig unterwegs sind.
Es gibt Songs, die mag sie sehr gerne und andere duldet sie. Sie sagt das nicht direkt, aber man merkt sofort, ob was geht oder nicht. Unsere Kooperation damals mit Status Quo hat sie sehr gemocht. Am liebsten hat sie es, wenn ein Track richtig nach vorne geht. Sie kommt aus der Zeit des Rock’n’Roll mit Elvis und mochte schon früher die lauteren Titel.
Damit konnte keiner rechnen. Am Anfang sahen wir Scooter als ein Projekt von vielen. Wir machten für andere Acts Remixe unter dem Namen The Loop und sahen uns eher als Produzententeam. Alles andere hat sich verselbstständigt. Nachdem unsere erste Karriere mit der Band Celebrate The Nun nicht klappte, gingen wir in den Hintergrund. Daraus ergab sich plötzlich das Gegenteil. Als wir nicht mehr auf die Bühne wollten, kam Scooter und es war alles anders. Die Produzentenkarriere haben wir schnell wieder auf Eis gelegt. Ich bin froh, dass es so gekommen ist.
Ich selbst kann das schwer beurteilen. Heute bin ich nicht mehr ganz so irre wie damals und habe eine gewisse Reife erlangt. Mir gefällt die Musik aber immer noch wahnsinnig gut und ich verspüre nach wie vor den Drang, rauszugehen. Insgesamt bin ich wohl ein bisschen entspannter geworden.
Regisseurin Cordula Kablitz-Post und ich haben uns schnell verstanden und ich habe gleich gesagt, sie soll einfach machen, wie sie es für richtig hält. Soll man bei jedem falschen Satz und bei jeder Übellaunigkeit was rausschneiden? Das wäre mir viel zu blöd gewesen. Ich habe ihr vertraut. Man will halbwegs sympathisch rüberkommen und es soll authentisch sein. Das hat sie sehr gut gelöst.
Für mich persönlich war das der reinste Horror. Ich fühlte mich unter totaler Kontrolle wie in George Orwells „1984“. Manche Regeln waren wirklich nur mehr absurd. Auch hier in Hamburg musstest du in der einen Straße Maske tragen, in der anderen wieder nicht. Absolut hirnrissig, das war zum Teil großes Theater.
Sagen wir so – meinen Geburtstag ignoriere ich weithingehend und konzentriere mich mehr auf die Hochzeit mit meiner Sara (lacht). Es geht einfach weiter. Das Alter ist schon ein bisschen eine Zäsur. Es ist schwer, da noch von Jugend zu sprechen, aber egal. Mein Lieblingsbeispiel ist immer Mick Jagger. Das ist mein Vorbild, das will ich auch so erreichen.
(lacht) Seit ich Sara kenne, haben sich diese Probleme erledigt. Die Karriere und die Band liefen super, aber da war mal eine Leere im Privatleben. Manchmal ist das schön und manchmal nicht, aber es war nicht zu 100 Prozent optimal so, wie man es gerne hätte.
Ich hätte schon Lust, wieder mal eine Techno-Weihnachtsnummer zu machen. Wir hatten Mitte/Ende der 90er-Jahre schon mal eine, die „Dutch Christmas“ hieß, im holländischen Hardcore-Style. Die „Bravo Hits“ stoppelten damals eine Weihnachts-CD zusammen. Wir waren schon auf dem Cover drauf, obwohl sie den Song noch nie gehört hatten. Wir haben ihn dann abgegeben und sie waren geschockt, weil die Version so brachial war (lacht).
Scooter feiern ihr 30-jähriges Jubiläum am 12. April in der Wiener Stadthalle D. Tickets gibt es bei oeticket.