Bild: Philipp Rathmer
Der deutsche Fernsehkoch Steffen Henssler hat ins Internet expandiert und ist mit seinem Kanal „Hensslers Schnelle Nummer“ nun auch dort erfolgreich. Er will vermitteln, dass Kochen keine Hexerei ist. Nun bringt der Hamburger mit Schnauze das Format auf die Bühne. Es wird seine letzte Live-Show sein, wie der Entertainer und Restaurantbetreiber mit Hang zum Multitasking verrät.
Die Leute zahlen auch Eintritt, damit ihnen jemand Witze erzählt. Das könnte man in der Kneipe am Tresen günstiger haben. Die wollen aber einen bekannten Comedian oder eben mich sehen. Es ist Entertainment, das ich biete. Ich stehe nicht nur stumpf da und koche. Die Show wird ein rundum lustiger Abend mit Anekdoten, Geschichten, Einspielern, Pannen. Und natürlich geht es auch darum, dass ich den Leuten etwas mitgebe, das sie zu Hause in der Küche nachmachen können: eine gute Rezeptidee, ein geiler Kniff.
Und viele kommen wieder, das freut mich. Es ist eine relativ neue Sache, die es vor 20 Jahren noch gar nicht gegeben hat. Die Konkurrenz ist auch überschaubar. Solche Shows haben meines Wissens bislang nur Tim Mälzer, Horst Lichter, Jamie Oliver und ich gemacht. Fertig.
Das ist eine tolle Plattform, wo ich allein bestimme, was ich mache. Ich mag Fernsehen, aber du bist immer abhängig von Produzenten und vom Sender. Im Netz redet mir niemand drein, was ich anziehen und sagen soll. Da bin ich autark. Ich liebe das Internet wirklich dafür, dass ich auf meinen Kanälen machen kann, was ich will.
Das stimmt. Nichtsdestotrotz ist Fernsehen jedes Mal ein Riesenaufwand. Wenn ich etwas fürs Netz drehe, muss ich nicht lange überlegen. Da ist es egal, wenn was nicht so gut läuft. Am nächsten Tag kommt schon das nächste Ding hinterhergeflogen. Einfach Sachen raushauen, das mag ich. Auch der Kontakt zu den Zuschauern ist viel direkter.
Die Zeit ist Nebensache. Manche Gerichte gehen in fünf Minuten, manche brauchen 50. Die Hauptsache ist: Unkompliziert muss es sein. Und einfach nachzumachen, auch wenn man nicht tief drin sitzt in der Kochmaterie.
Gar nicht. Gerade wenn man einfach kocht, muss alles stimmen. Ich mache diese Gerichte auch selber zu Hause so. Wenn ich koche. Noch lieber gehe ich essen.
Es ist die Frage, wie man’s erklärt. Wir bekommen oft Rückmeldungen von Leuten, die überhaupt keine Kocherfahrung hatten und die wir motiviert haben. Denen konnten wir die Angst nehmen. Zabaione heißt einfach, dass man mit einem Schneebesen in einer Schüssel rührt. Im Grunde will ich zeigen, dass Kochen halb so wild ist: Bisschen schneiden, rühren, Pfanne bewegen.
Jein. Es gibt verschiedene Tendenzen. Die Resonanz auf meinen Kanal ist sehr groß. Wir verkaufen durch die Videos auch viele Gewürze, Saucen und Öle in unserem Shop. Ein Trend, den ich beobachte, ist, dass Leute das Kochen verwenden, um ein bisschen runterzukommen von der täglichen Hektik. Man trinkt ein Glas Wein und kocht. Natürlich ist der Zeitgeist sehr schnell. Aber manche schätzen es, sich richtig Zeit zu lassen in der Küche.
Auch nicht mehr als Ihrer. Ich habe ein gutes Team und Leute in entscheidenden Positionen, mit denen ich schon lang zusammenarbeite. Man muss akzeptieren, dass man nicht immer alles unter Kontrolle hat.
Am Wochenende gar nicht so gering. Aber darum geht es nicht. Ich muss da nicht selber sein, es läuft auch ohne mich. Als Koch bist du ständig mit schwierigen Arbeitszeiten, Hitze und Stress konfrontiert. Irgendwann musste ich mich entscheiden: Will ich selber im Restaurant stehen und jeden Tag kochen? Oder will ich die ganzen anderen Möglichkeiten, die sich mir bieten, wahrnehmen? Ich liebe diesen Beruf, aber wenn ich es mir aussuchen kann, muss ich ihn nicht jeden Tag ausüben.
Noch geht’s. Ich bin eigentlich entspannt, lebe viel von Tag zu Tag und schaue, was passiert. Früher war ich wesentlich mehr unterwegs. Heute mache ich im Grunde nur noch meine eigenen Sendungen. Ich achte schon auf meine Kräfte. Deshalb wird diese Tour auch meine letzte sein. Ich merke, ich muss weniger machen, sonst leiden andere Sachen darunter. Man wird ja auch ein bisschen älter.
Besser als viele denken. Es wirkt so, als würden wir immer streiten. Wir lieben es, ein bisschen über den anderen herzuziehen. Aber immer mit einem Augenzwinkern. Wir sind gute Buddies.
Steffen Henssler gastiert mit „Hensslers Schnelle Nummer“ zwischen 1. und 5. Mai in Salzburg, Linz, Graz und Wien. Tickets gibt es bei oeticket.