Bild: Philipp Rathmer
In jungen Jahren investierte Steffen Henssler einen Lottogewinn in eine Ausbildung in Los Angeles zum Sushi-Experten, später wurde der Hamburger mit Sendungen wie „Die Küchenschlacht“ und „Grill den Henssler“ zu einem der populärsten Köche im deutschsprachigen TV. Eigentlich wollte der mittlerweile 50-jährige Gastronom („GO by Steffen Henssler“, „Ahoi“, „ONO“, „Henssler Henssler“) 2020 ein letztes Mal auf Tournee gehen, doch mittlerweile hat er „wieder richtig Bock“ aufs Rampenlicht.
Aber die Zutaten meiner Show sind immer noch frisch! Ich bin mit einer richtig amtlichen Produktion auf Tour; wir brauchen zwei große und einen kleinen Sattelschlepper für all das notwendige Equipment. Ich werde auf der Bühne drei Küchentresen stehen haben und vor einer zwölf Mal vier Meter großen LED-Wand kochen, über mir eine mächtige Lichtanlage. Wir betreiben einen richtig großen Aufwand, auch finanziell. Ich bin ja sehr umtriebig und mache viele verschiedene Dinge – aber mit nichts verdiene ich so wenig Geld, wie mit meinen Tourneen (lacht). Und weil ich in der Vorbereitung auf diese Tour so großen Spaß hatte, habe ich beschlossen, 2024 mit einem neuen Programm gleich nochmals auf Tournee zu gehen.
Absolut richtig! Ich will den Leuten einen geilen Abend bereiten. Dazu gehört, dass nicht alles, was ich auf der Bühne sage, hundertprozentig politisch korrekt sein wird: Die Leute können sich schon auf mein loses Maul freuen. Aber sie können sich auch auf viele Rezeptideen freuen, die sie dann zu Hause einfach nachkochen können.
Wie funktioniert das auf Tournee? Manche Dinge, wie den Guanciale, also den luftgetrockneten Speck von der Schweinewange, den ich für meine Spaghetti Carbonara brauche, nehme ich von zu Hause mit. Für andere Zutaten, wie zum Beispiel Fisch, bin ich mit Händlern in jeder Stadt in Verbindung und lasse mich jeden Tag lokal frisch beliefern.
Natürlich lässt man sich immer inspirieren. Aber ich habe meinen Stil als Koch mittlerweile gefunden und gehe eigentlich nur noch zum Genuss essen. In Wien freue ich mich mittags auf einen Besuch beim Plachutta, danach werde ich durch die Stadt spazieren und irgendwo einen Espresso trinken.
Früher war ich im Nightliner unterwegs und da gab es klarerweise ordentliche Partys mit jeder Menge Alkohol. Mittlerweile bin ich 50 und muss mit meinen Kräften besser haushalten. Wenn ich auf die Bühne gehe, muss ich in Bestform sein. Ich kann nicht sagen: „Sorry, Leute, gestern hab’ ich mir einen reingeschüttet!“
Man kann das Kochen auf der Bühne nicht mit dem Kochen in einer Restaurantküche vergleichen, die Atmosphäre in einer vollen Halle ist einzigartig! Wenn du spürst, wie mehrere Tausend Leute deine Show lieben, dann bist du automatisch on fire und du agierst noch einen Tick lustiger, noch einen Tick spontaner. Würde ich sagen, ich finde den Jubel nicht geil, dann würde ich lügen.
Es wäre nicht notwendig, meine Lokale würden trotzdem gut laufen. Aber ich habe mich bewusst dafür entschieden. Weil ich so eine riesige Lust am Leben habe und so viele Dinge wie möglich ausprobieren möchte. Bei mir ist es nie ein Müssen, sondern immer ein Wollen!
Die Konkurrenz im Internet ist mittlerweile sehr groß geworden. Aber ich koche zu Hause selbst tatsächlich mit so wenig Aufwand wie möglich: zwei, drei Gemüsesorten in die Pfanne, mit Teriyaki-Sauce ablöschen und rein mit den Nudeln, die ich parallel dazu gekocht habe. Fertig. Die Leute merken, dass ich vor der Kamera völlig authentisch bin.
Schau, ich koche zum Beispiel nichts mit Rosenkohl (Anm.: Kohlsprossen) und Leber, weil ich darauf keinen Bock habe. Es wäre widersinnig, etwas vor der Kamera zu kochen und dann zu sagen: „Naja, eigentlich schmeckt mir das überhaupt nicht.“
Es ist eine Herausforderung, der wir uns als Branche stellen müssen. Aber es ist auch ein Trend, der mich oft ratlos macht. Denn ich habe das Gefühl: Es ist heute einfach en vogue, irgendwelche Allergien zu haben. Nicht falsch verstehen: Wenn jemand wirklich eine Glutenunverträglichkeit hat, dann ist das überhaupt kein Thema, dann geht man darauf selbstverständlich ein. In den vergangenen Jahren hat sich aber viel verändert, viele Menschen definieren sich stark über ihre Art der Ernährung. Und das ist natürlich okay. Aber Essen sollte immer etwas mit Genuss zu tun haben.
Steffen Henssler gastiert mit „Manche mögens heiß!” am 27. Mai in der Wiener Stadthalle F, am 28. in der TipsArena. Bereits im Verkauf sind auch die 2024er-Termine von Steffen Henssler: Da zeigt er im Mai in Salzburg, Linz, Wien und Graz seine "schnelle Nummer". Tickets gibt es bei oeticket.com.