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Konzerte

Trettmann baut sich im Gasometer eine utopische "Stadt aus Gold"

23.09.2026 von Stefan Baumgartner

Im Jänner erscheint mit "Stadt aus Gold" das neue Album von Trettmann – die erste Single hören wir bereits am Freitag, bevor am Montag die Tour in Verkauf geht!

Trettmann wuchs in einem Plattenbau in der Fritz-Heckert-Siedlung im heutigen Chemnitz auf: Einst war die Siedlung das zweitgrößte Neubaugebiet der DDR, ein Ort, der für Fortschritt und Wohlstand stand, der seinen Bewohnern sozialen Status und Komfort bieten sollte. Mit der Wende änderte sich diese Sichtweise so schnell wie drastisch.

Er war ein Teenager, als die Mauer fiel. Während um ihn herum Freunde und Bekannte abstürzten, entdeckte er die Musik als seinen persönlichen Fluchtweg. Schon als Kind konnte er wegen der günstigen Höhenlage des Heckertgebiets im Westradio die neuesten R'n'B- und Disco-Hits hören; später erwischten ihn Rap und Breakdance. In den frühen Neunzigern kamen dann Reggae und Dancehall aus Jamaika hinzu. Er begann, Partys zu veranstalten, zog nach Leipzig, um sein eigenes Soundsystem zu starten und schließlich auf Deutsch – und sogar im sächsischen Dialek! – zu singen. Der Rest ist, wie es immer so schön heißt, Geschichte: Immer mit dabei auf seinem Karriereweg, das Verabschieden von vertrauten Sounds und Erfolgsformeln – er kennt also das Gefühl, des sich immer wieder neu Sortierens.

Davon erzählt auch sein kommendes Album “Stadt aus Gold”: Mit der Zeile “Hinter mir verbrannte Erde, meine alte Welt liegt in Scherben” eröffnet das Album, das von Brüchen erzählt – genau von jenen, die Trettmann – natürlich angelehnt an “Dread Man”, also “Mann mit Dreads” – in den letzten Jahrzehnten immer wieder erlebt hat: Umwege und Provisorien pflastern seinen Erfolgsweg.

Denn zuerst war da die Ära mit dem Produzententeam KitschKrieg, Gastauftritte bei “Palmen aus Plastik” mit RAF Camora und Bonez MC (das 10-jährige Jubiläum wird im November und Dezember in Wien und Graz gefeiert!) und “Standard” mit Gzuz, Ufo361 (am 5. Oktober im Gasometer!) und Gringo. Dann kam die sonnige Leichtigkeit von “Your Love Is King” 2024. Und nun wieder: Neuanfang. “Neuanfang, halt es simpel”, sagt Trettmann dazu auch auf Social Media zur Ankündigung von “Stadt aus Gold”.

“Stadt aus Gold”, das ist das Ergebnis von der Herausforderung, sich erneut neu zu erfinden – weil: “Alte Wege öffnen keine neue Tür.” Man weiß bereits: Er hat mit Jimmy Torrio, Stoopid Lou und den Waters-Zwillingen, die unter anderem für Souly, Ufo361 und Juju gearbeitet haben, ein neues Team um sich herum gescharrt hat. Wie das Ergebnis klingt, weiß man jedoch erst ab übermorgen: Denn da erscheint dann die titelgebende erste Single.

Aber man munkelt bereits: Trettmann klingt nun luftig und unruhig, mit minimalistischen Produktionen, flirrenden Synthesizern und kühlen Drums, die leere Räume auszufüllen trachten. “Stadt aus Gold” soll wärmen, aber auch einen leisen Schauer verbreiten. Dabei ist der Titel durchaus treffend erwählt: Die titelgebende Stadt ist eine Utopie, ein Ort, den man gerade deshalb sucht, weil man weiß, dass er nie dauerhaft existiert. “Stadt aus Gold” wirkt wie ein Erinnerungsalbum mit offenen Rändern. Trettmann ist darin zugleich Sohn und Vater, Jugendlicher und Bilanzierender. Er blickt dabei auf eine Gesellschaft, in der kaum jemandem noch nach Lachen zumute ist: Es geht um die Grenzen von Empathie und natürlich auch um Rassismus – da erinnern wir uns zurück an die Dokumentation “Trettmann: Aufs Maul, weil er kein Nazi war”, in der er damals davon erzählte, dass die Hip-Hopper in den Neunzigern vor den Neonazis flüchten mussten, einfach nur, weil sie so waren wie sie nun mal waren. Und vielleicht sind diese Zeiten wieder zurück?


Live-Termine


Trettmann - "Stadt aus Gold"

03. April 2027 | Wien, Raiffeisen Halle im Gasometer
Tickets gibt es ab Montag, 28. September um 17 Uhr.


Infos auf dem Stand vom 23.09.2026  

Tickets Trettmann
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