Bild: Radius Films
Am 11. September startet in den österreichischen Kinos "Der Klimperclown", die offizielle Film-Biographie über den deutschen Kult-Jazz-Blödler Helge Schneider. Sie soll überaus authentisch geraten sein, teilweise aber auch gelogen.
Helge Schneider, musikalischer Clown, aber auch (und das wird nur allzu oft vergessen) begnadeter Jazzmusiker der Neuzeit, setzt in seinem 70. Lebensjahr sein (abwechslungs)reiches Leben als Patchwork zu einem bunten Filmabenteuer zusammen. Die von Schneider-Gitarrist Sandro Giampietro geführte Kamera bietet dem Zuschauer tiefe Einblicke in das Leben und Werk des Künstlers: Mit hier und da eingeworfenen Originalaufnahmen auf super 8 oder VHS (!), gespielten Sketches und Reality-Fotos verbindet der Film die Gegenwart mit den verschiedenen Stationen in Helge Schneiders Karriere.
Die Musik spielt dabei eine wesentliche Rolle: Ein bunter Reigen von Live-Auftritten und eigens für diesen Film produzierten Clips wechseln ab mit kurzen Statements des Künstlers. Eine Besonderheit des Films ist auch, dass im Gegensatz zu üblichen Biopics keine Kolleg*innen und Wegbegleiter*innen auftauchen, die Helge Schneider preisen oder über ihn gar das Blaue vom Himmel lügen - das hat der Meister nämlich nicht nötig, er spricht für sich selbst! Die ausgewogene Mischung der vielen Tätigkeiten von Helge Schneider allein besticht nämlich mehr als ausreichend und bietet ein Gesamtbild, dem man sich nicht entziehen kann.
Wobei: Angeblich nimmt es Helge Schneider in seinem Biopic nicht immer ganz genau, hie und da soll schon auch geschummelt oder gar gelogen werden, dass sich die Balken biegen - damit hat er ja durchaus Erfahrung, hat er ja bekanntlich bereits unter dem Titel “Globus Dei: Vom Nordpol bis Patagonien” einen Expreditionsroman herausgebracht. Der kleine Haken dabei: Die Reise und alle Erlebnisse sind frei erfunden, Schneider hat den Trip tatsächlich nur im Kopf unternommen.
„Ich wollte mal aufzeigen, wie es wirklich hinter den Kulissen der künstlerischen Arbeit aussieht und hatte mich von vielen in der Vergangenheit produzierten Formaten über mich nicht wirklich verstanden gefühlt“, bringt Helge Schneider seinen Ansatz zum “Klimperclown” selbst auf den Punkt und lässt uns freuen auf einen spannenden Film über einen der unkonventionellsten Künstler unserer Zeit!
Doch damit nicht genug! Neben der mal lustigen, mal komplizierten Musik macht Helge Schneider bekanntlich ja auch im Film - nicht nur als Schauspieler für unter anderem Werner Nekes ("Johnny Flash", 1986) und Christoph Schlingensief ("Menu Total", 1987 und “Mutters Maske”, 1988), sondern auch als Sprecher: Im Zeichentrickfilm “Kleines Arschloch” (1996) von Walter Moers spricht Helge Schneider den “Alten Sack”, im “Käpt'n Blaubär” den Bösewicht Prof. Dr. Feinfinger.
Zwischen 1993 und 2013 drehte Schneider aber auch fünf eigene Kinofilme: Wie auch das, was er auf der Konzertbühne macht, sind auch seine Filme weitgehend improvisiert und teilweise mit einfachsten Mitteln realisiert - aber trotzdem ganz, ganz großes Kino. In “Texas” (1993) und “00 Schneider” (1994 und 2013) werden da zum Beispiel Film-Grenes wie der Western und der Kriminalfilm persifliert und in ein kleinbürgerliches Ruhrgebiets-Ambiente mit autobiografischen Episoden übertragen.
Nun, nachdem der “Klimperclown” abgedreht ist, soll auch schon “irgendwann, bald” sein nächster Spielfilm folgen - und zwar über einen Mann, der den Traum hat, Weltmeister im Schwergewicht zu werden, obwohl er nur 65 Kilo wiegt. Man darf gespannt sein!