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Kultur

Der Bücherwurm #1

28.01.2025 von Stefan Baumgartner

In der HEADLINER-Serie "Bücherwurm" empfehlen wir euch in regelmäßigen Abständen aktuelle Bücher und Lesungen. Denn Lesen ist, so finden wir, eine der wertvollsten Gewohnheiten, die das Leben bereichern: Wir tauchen ab in eine andere Welt, unsere Gedanken werden entfesselt und unser Bewusstsein erweitert. Wir lernen dazu, werden unterhalten oder schaffen es, für einen kurzen Moment aus der Realität auszubrechen. Lesen ist Entspannung und Bildung gleichzeitig!

Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen, Erwachsenen, damit sie aufwachen.

(Jorge Bucay)

Der Ärzte-Schlagzeuger Bela B mit seinem zweiten Roman

Bela B Felsenheimer kennt man zuvörderst freilich als Schlagzeuger (und Sänger) der Berliner Punkrock-Band Die Ärzte. Doch sein künstlerisches Schaffen geht weit über die Musik hinaus: Parallel hat er sich auch als Schauspieler etabliert („Tatort”), 2019 debütierte er zudem mit „Scharnow” auch als Autor. Sein zweiter Roman “Fun” ist soeben erst erschienen und erzählt aus dem Leben der erfolgreichen, wenngleich fiktiven Band nbl/nbl. Die Auftritte dieser umstrittenen Deutschrockband begeistern vor allem das weibliche Publikum, begehrter noch als die Konzerte selbst sind für sie aber die streng einlassbeschränkten Aftershow-Partys. Im Backstagebereich sorgen Drogen und Alkohol für eine lockere Stimmung - man muss nicht besonders vif sein, um sich sogleich erinnert an Rammstein und die Vorwürfe rund um Till Lindemann zu fühlen. Den titelgebenden “Fun”, den haben vielleicht die Musiker - die Lektüre ist teils verstörend.

Bela B liest am 30. April im Wiener Volkstheater aus “Fun”.

Ein neuer Wolf Haas, der aber kein Brenner-Krimi ist

Einen Namen gemacht hat sich Wolf Haas in erster Linie mit seinen Brenner-Krimis, von denen vier auch kongenial mit Josef Hader in der Hauptrolle für die große Leinwand adaptiert wurden. Sein neuer Roman “Wackelkontakt” ist nun zwar keine Fortsetzung der Serie geworden - der letzte "Brenner" erschien 2022 mit “Müll” -, dafür eine sehr originelle und knifflig verschachtelte Erzählung. Es geht hier um den nerdigen Puzzlefan Franz Escher (Künstler M.C. Escher, anyone?), der gerade auf den Elektriker wartet, weil er einen Wackelkontakt hat. Die Zeit vertreibt er sich mit einem Roman über Elio Russo, der als Kronzeuge im Gefängnis sitzt und dort ein Buch über einen Mann liest, dessen Steckdose auch einen Wackelkontakt hat: “Das Gleichzeitige ist spooky”, meint da nicht nur Russos Tochter im Buch selbst …

Wolf Haas liest am 19. Februar in der SZENE Salzburg, am 21. im Posthof und am 28. Februar im Wiener Volkstheater, mit anschließender Signierstunde.

Schlagerentertainer Schamoni und der Punkrock

Der “Schlagerentertainer” Rocko Schamoni tourte in den frühen Achtzigern mit den Goldenen Zitronen und den Toten Hosen und spielte später nicht nur in "Fraktus", sondern auch an der Seite von Helge Schneider in “00 Schneider - Im Wendekreis der Eidechse”. Seit den Nullerjahren ist Schamoni zudem auch als Autor tätig, großen Erfolg feierte er bereits mit seinem zweiten Roman "Dorfpunks" (2004), an dessen biografischen Erzählstrang er mit "Pudels Kern" anknüpft: Er erzählt seine Geschichte, die 1986 als zugereistes Landei im Hamburger Stadtteil St. Pauli begann. Zwischen Sauf-Exzessen mit Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten und einem Besuch eines Prince-Geheimkonzertes gemeinsam mit Bela B von den Ärzten entsteht so nicht nur ein Entwicklungsroman, sondern auch eine Punkrock-Biografie aus den späten Achtzigern und frühen Neunzigern, in der wir eintauchen in allerlei Weltschmerz und Eskalation, genährt von Testosteron, Alkohol und Speed.

Aktuell gibt es nur Lesungen in Deutschland.

Heinz Strunk eröffnet das Thomas-Mann-Jahr

Es gibt einige wenige Romane, die zum allgemeingültigen Kanon zählen: "Der Zauberberg" von Thomas Mann ist einer davon. Dieser Geschichte über Hans Castorp, der in die Schweizer Alpen reist, um dort im Sanatorium Berghof seinen Vetter Joachim Ziemßen zu besuchen und schließlich sieben Jahre bleibt, hat der deutsche Musiker, Autor ("Fleisch ist mein Gemüse", “Der goldene Handschuh”) und Schauspieler ("Fraktus", “Last Exit Schinkenstraße”) Strunk nun mit "Zauberberg 2" eine Hommage geschrieben - zugegeben, nicht gänzlich entfernt zu "Heilung" von Timon Karl Kaleyta wenige Wochen vor ihm. Nicht nur der titelgebende Berg fehlt in Strunks Version, die in Mecklenburg-Vorpommern spielt, auch wurden aus der Lungenerkrankung Angststörungen: So gelingt Strunk eine nachdenkliche Geschichte, die ähnlich, aber auch anders als die Vorlage geraten ist.

Aktuell sind leider keine Lesungen von Heinz Strunk in Österreich geplant. Mit dem Ticketalarm werdet ihr jedoch informiert, sollten Termine bekannt werden!

Wie Slime zu ihrem neuen Sänger Tex Brasket kamen

Tex Brasket wurde 1980 in Texas geboren, hinein in ein schwieriges Umfeld. Es folgte eine Adoption und ein Umzug nach Deutschland, aber die Themen Gewalt und Sucht blieben in seiner Kindheit und Jugend verhaftet. Schließlich landet er in Berlin auf der Straße, bewaffnet mit seiner Gitarre findet er in der Musik eine Sprache um zu thematisieren, was ihn zwischen Hungersnot, Kälte, Drogensucht und Schmutz tagein-tagaus so bewegt - und das kommt an. Ein Video davon landet im Netz, Menschen werden auf ihn aufmerksam - darunter auch Slime-Gitarrist Christian Mevs: In dessen Studio nimmt Tex eigene Lieder auf und legt damit das Fundament für seine Zukunft, denn Slime geht ihr Sänger verlustig und Mevs sieht in Tex dessen Nachfolger - kein Wunder bei dieser rohen, eindringlichen, berührenden Stimme. Und plötzlich schläft Tex nicht mehr auf der Straße, sondern unter einem Dach, steht nicht mehr auf einer Bahnhofsbrücke, sondern gar auf der Bühne in Wacken.

Slime spielen am 7. November in der Arena.

Benjamin von Stuckrad-Barre im Gespräch

Martin Suter ist Schweizer Autor - zumindest seinen Debütroman "Small World" (mit Gérard Depardieu 2010 verfilmt) sollte sich in jedem gut sortierten Buchregal wiederfinden. Benjamin von Stuckrad-Barre ist deutscher Schriftsteller und Journalist - seine Romane "Soloalbum" und "Panikherz" sind lesenswerte Popliteratur, viel mehr noch vielleicht seine Abrechnung mit dem Axel Springer-Verlag, die 2023 unter dem Titel "Noch wach?" veröffentlicht wurde. Bereits 2020 unterhielten sich die beiden gleichen-ungleichen Charaktere in "Alle sind so ernst geworden" über Allerlei, von Badehosen und Glitzer über LSD und Ibiza bis hin zu Mundharmonikas und Verliebtheit. Ende vergangenen Jahres folgte nun ihr neuer Gesprächsband, in dem der Tod und das Sterben eines der zentralen Themen ist, aber auch der Zustand der Welt im Allgemeinen.

Präsentiert wird das Buch am 2. März im Wiener Konzerthaus, im Mai gastiert Stuckrad-Barre mit seinem vorherigen Buch “Noch wach?” in Baden und Klagenfurt.

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