Die Brandstifter sind in der Stadt! Die Feuerwehr rückt aus, man hört die Sirenen. Jede Nacht herrscht Angst: Wann schlagen sie das nächste Mal zu? Biedermann hat natürlich von den Brandanschlägen gehört, auch die Taktik der Täter ist ihm bestens bekannt: Sie tarnen sich als einfache Hausierer, nisten sich auf Dachböden ein und wenn es keiner ahnt, zünden sie die Häuser an.
Nicht umsonst trägt das Stück den Untertitel „Ein Lehrstück ohne Lehre“. Denn Biedermann ist gewarnt und doch lässt er den ehemaligen Ringer Schmitz bei sich auf dem Dachboden übernachten. Schmitz beklagt sich, dass er – ein armer Obdachloser, der eine Bleibe sucht – von niemandem mehr aufgenommen wird, weil ihn alle für einen Brandstifter halten. Biedermann kommt das gerade gelegen; er will sich und der Welt beweisen, dass er ein guter Mensch ist.
Trotzdem macht sich ein unbehagliches Gefühl in Biedermann breit. Zumal seine „Gäste“ immer mehr werden. Die ganze Nacht hört er Poltern vom Dachboden, am nächsten Tag stehen dort plötzlich Fässer. „Benzin, eindeutig Benzin“, seine Gäste verheimlichen nichts, immer weiter sieht Biedermann weg. Und die Brandstifter reden inzwischen ganz offen über ihr Vorhaben, denn „die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand.“ Biedermann ist gefangen zwischen Selbstlüge, Gutmenschentum und der wachsenden Gewissheit über die sich anbahnende Katastrophe. Zuletzt kann er nicht anders und reicht seinen neuen Freunden die Streichhölzer. Und wieder hört man die Sirenen, die Feuerwehr rückt aus…
MAX FRISCH
ist einer der bedeutendsten Schweizer Schriftsteller. Geboren wurde er am 15. Mai 1911 in Zürich. Er studierte Germanistik und Architektur, er arbeitete als Architekt und Journalist bei der Neuen Zürcher Zeitung. Er verfasste zahlreiche Theaterstücke, Romane und Essays. Titel wie „Stiller“, „Andorra“ und „Homo Faber“ wurden Welterfolge und gehören bis heute zum literarischen Kanon.