Österreich, 1994. Sicheritz' Komödie "Muttertag" prägt mit dem damals noch nicht in esoterischen Wahnwelten taumelnden
Roland Düringer (unter anderem) als Opa Neugebauer in einer der Hauptrollen eine Generation mit einem schier unerschöpflichen Konvolut an Zitaten für die Ewigkeit. Eines davon ist das Zwiegespräch zwischen dem Senior und seinem Junior Edwin, gespielt von
Reinhard Nowak: „Do hätts mi glei im Heim a lossn können", beschwert sich der Ältere wieder einmal. Sein Sohn kontert wahrheitsgemäß: "Papa, du woast no nie in an Heim!" Und darauf wieder sein Vater: "Owa in Gefangenschaft mei liaber Freund, in französischer im Ersten und in russischer im Zweiten, die Franzosen woan um nix besser, de Gfraster."
Slayer befanden sich während ihrer jahrzehntelangen Karriere über zwar nie in Gefangenschaft, so doch durchwegs im Krieg: textlich, persönlich untereinander und nicht selten auch mit Zensoren, christlichen und muslimischen Gruppen und der Politik. Konsequent, dass sie sich nun selbst ins Altersheim einweisen bevor es jemand anders für sie macht - "auf den Kopfpolster spucken und ins Bett scheißen: das ist Freiheit. Oder Altersheim." wusste schon der heimische Kabarettist
Josef Hader zu plärren. Nachdem Slayer nun seit beinah 40 Jahren die Untiefen der Hölle erklommen und mit Nazis durch Blutmatsch und dampfende Gedärme über Knochenberge hinweg stiefelten, ist es durchaus verdient, dass man endlich einmal
einfach nur sitzen will.
Marsch und Schlacht wird mit dem Alter immerhin stets beschwerlicher, galten Slayer doch mit ihrer exzessiven Steigerung der Konstanten Lautstärke, Machismo und Theatralität lange Zeit als die bösesten Buben im Genre des Heavy Metal, selbiger ohnehin schon als unartiges Schmuddelkind des Rock'n'Roll verschrien. Bis zum Schluss hat man sich seine stilistische Starrköpfigkeit - besser: Standhaftigkeit - bewahrt, wenngleich man am frühen Meilenstein "Reign in Blood" (1986) nie wieder zu rütteln vermochte. Und doch haben Slayer gerade in den Frühzeiten ihrer Karriere den Grundstein für noch extremere Gangarten des Genres gelegt, den Weg für Stile wie Black und Death Metal erst geebnet - kein Wunder, dass ihnen namhafte, spätere Koryphäen wie
Hypocrisy,
Dissection,
Angelcorpse,
Jungle Rot,
At The Gates,
Cradle Of Filth,
Necrophobic,
Vader,
Monstrosity,
Malevolent Creation,
As I Lay Dying,
Decapitated,
Dark Funeral und
Children of Bodom Tribut zollten. Ja, sogar
Tori Amos,
Jugendliche der O'Keefe Music Foundation und ein Typ mit
Ukulele und
Banjo. Sie klangen in den frühen Achtzigern heftiger als alles andere zuvor, die Gitarren waren tiefer, das Schlagzeug raste, an hohen oder gar klaren Gesang war kaum zu denken und auch die Ästhetik überbot das Comicmäßige und irgendwie auch Süßliche der englischen Vorreiter wie Iron Maiden und Judas Priest, indem es Satanismus, Massenmörder und den zweiten Weltkrieg als Sujet wählte. Slayer hatten dabei nie einen Sündenfall wie Metallica in ihrer "Load/ReLoad"-Phase zu verbuchen (geschweige denn ein zweites "St. Anger"), man musste sich ihrer nie schämen wie für Iron Maiden mit Blaze Bailey. Slayer standen durch Geschwindigkeit und Thementreue immer für eine Art Essenz. Dadurch verzieh man ihnen die markigen Ami-Statements und ihr glubschäugiges Unverständnis, warum Hakenkreuze denn nicht zum Spielen da sind.