Du bedienst unterschiedliche Genres, hast Balladen und beinahe Hard Rock auf dem Album ...
David Duchovny: Das war auf dem Weg vom Instrument-Lernen zum Recording Artist interessant zu beobachten, dass Folk, Country, Rock, Hardrock und sogar Funk eigentlich erst durch die Produktion entsteht. Alle Stile benutzen ähnliche Akkordfolgen, es hängt nur von der Melodie und den Texten ab, in welche Richtung es geht. Alle meine Songs beginnen mit mir und der Gitarre. Erst wenn ich meine Band dazu hole, entsteht der Charakter. Manchmal möchte ich einen Fleetwood Mac-Touch oder das Track „Positively Madison Avenue“ wurde zu einem Neil Young-Rock-Song, beinahe Hardrock. Im Grunde bleiben die Songs trotzdem Folk-Rock-Gitarren-Stücke, Singer-Songwriter-Style. Mein Geschmack geht aber darüber hinaus. Im Studio setzen wir dann den Sound um, den ich mir zum jeweiligen Song vorstelle.
Du stehst auf verzerrte Gitarren, das ist unüberhörbar.
David Duchovny: (lacht) Ich bin ein Kind der Sechziger ...
Hast du ein Problem, wenn ich deine Stimme irgendwo zwischen Bob Dylan und Lou Reed einordne?
David Duchovny: Nein, überhaupt nicht, ich mag die beiden sogar sehr. Ich weiß, dass meine Stimme niemals bei „The Voice“ oder „American Idol“ gewinnen könnte, aber ich habe hart an ihr gearbeitet. Darunter hat die Gitarre gelitten. Als feststand, dass ich ein Album aufnehmen oder eventuell sogar live auftreten soll, musste ich zuerst an meiner Stimme arbeiten. Ich wollte im Studio nicht einzelne Gesangsfetzen aufnehmen und dann im Computer zusammensetzen, sondern ich wollte ein echter Sänger werden. Das war der Anspruch. Ich musste lernen mit dem umzugehen, was ich habe. Ich meine, ich bin nicht als genialer Sänger geboren worden. Belassen wir es dabei. Seither singe ich beinahe jeden Tag, mache meine Gesangsübungen. Dabei hat mein Gitarrespiel ein bisschen abgebaut.
Wie wichtig ist es, dass du alle Texte selbst schreibst?
David Duchovny: Es ist eigentlich gar nicht so wichtig. Ich bin ein großer Musik-Fan und ein Fan guter Texter, und ich spiele gerne Covers. Manchmal fühlt es sich seltsam an, sich in die Stimmung oder Gefühlslage des Originalinterpreten hineinzuversetzen. Das ist bei eigenen Stücken natürlich ganz anders. Aber meine Band darf im Studio auch bei meinen Texten mitreden und Änderungen vorschlagen. Ich bin nicht einer, der auf jedes seiner Kommas besteht.
Du bist als Schauspieler weitaus bekannter als als Musiker. Stört es dich, wenn Fans zu Konzerten kommen, nur um Fox Mulder live zu sehen?
David Duchovny: Nein, denn Fans sehen das am Beginn vielleicht so. Ich hoffe, dass sie dann auch meine Musik beurteilen können, naja, sie müssen sie sich ja anhören. Über Musik kann man nicht streiten, entweder du magst einen Song oder nicht. Ob es die „X-Files“ sind oder „Californication“, die die Menschen zu meinen Konzerten bringen, liegt sowieso nicht in meiner Hand. Es ist aber auf jeden Fall ein Vorteil. Es gibt nicht viele Typen da draußen, die in meinem Alter noch eine Karriere im Rock-Biz starten können.
Neben der Schauspielerei und der Musik hast du mehrere Bücher geschrieben. Hast du derart viel kreative Energie? Wann kommt die Malerei dazu?
David Duchovny: Niemals Malerei! Ich mache zwar meine eigenen Storyboards, wenn ich Regie führe, aber sogar diese Figuren sind schlecht gezeichnet. Also niemals Malerei. Für mich sind das alles nur Werkzeuge um mich auszudrücken und herauszuholen, was in mir steckt. Natürlich beeinflusst das Werkzeug auch das Ergebnis, denn es ist etwas anderes, einen Songtext oder ein Gedicht zu schreiben. Oder Prosa. Schauspielern ist anders als Singen, aber da gibt es Gemeinsamkeiten.
Zum einen hast du familiäre Wurzeln in der Ukraine, zum anderen einen jüdischen Background. Blickst du besorgt in die Zukunft, wenn man sich die politischen Entwicklungen in der Welt und den USA ansieht?
David Duchovny: Klar mache ich mir Sorgen. Ich habe eine tiefe Abneigung gegenüber unseren Präsidenten und gegen sein ungerechtfertigtes Kabinett. Ich bin besorgt wegen seinen Verbindungen zu Putin, ich bin besorgt wegen Putin. Ich mache mir Sorgen um die Ukraine, eigentlich über alles. Die Wiedererstarkung des Antisemitismus, der in der Geschichte der Menschheit in regelmäßigen Abständen erscheint. Und weil ich mir Sorgen mache, leiste ich Widerstand. Ich glaube daran, dass die Menschlichkeit und die Kraft der Liebe am Ende gewinnen werden.
David Duchovny gastiert am 12. Februar in der Arena Wien. Tickets gibt es bei oeticket.com.