Wenn sich Klaas Heufer-Umlauf sich nicht gerade über einen Wasserfall treiben lässt oder im „Duell um die Welt“ aus einem Heißluftballon fällt, macht er Musik: Gemeinsam mit Mark Tavassol von Wir sind Helden entstehen kritische Texte eingebettet in Gitarrenpop mit Synthie-Anleihen. So auch auf dem dritten Album der gemeinsamen Band Gloria, das Mitte Oktober erschienen ist. Es zeigt das ernstere, brutal gesellschaftskritische Gesicht des Comedians, der mit der österreichischen Moderatorin Doris Golpashin und dem gemeinsamen Kind in Berlin lebt, und nach dem Aus des wöchentlichen Comedy-Krachers „Circus HalliGalli“ an einem neuen TV-Format bastelt. Die erste Geige spielt in diesen Tagen allerdings Gloria.
„Da“ ist von den Themen und Texten her auf keinen Fall ein einfaches Album ...
Klaas: Es war auch nicht der Plan, ein einfaches Album zu machen, sondern das, was wir unter guter Musik verstehen. Wir nehmen gerne in Kauf, dass es nicht so einfach zugänglich ist wie ein Pop-Album. Das ist unsere Art, Musik zu machen. Anders können wir es nicht.
Seid ihr, angelehnt an den Titelsong „Immer noch da“, im persönlichen Umfeld mit Rechtsextremismus konfrontiert?
Klaas: Im direkten Umfeld nicht. Das wäre absurd wenn man Freunde hätte, die so denken. Aber in den Medien ... Es berührt einem schon in der eigenen Filterblase.
Mark: Bei mir gibt's schon jemanden, der weit rechts ist. Mein erster Reflex ist aber nicht, dass ich jemanden, den ich von früher kenne, einfach blockiere oder sperre. Ich hab' einen entfernten Verwandten zum Beispiel, der ist sichtlich in der Hooligan-Neonazi-Szene, aber auch Familienvater. Da ist interessant zu sehen, was am anderen Ende der Filterblase so los ist. Es gibt viele Leute, die gar nicht offensichtlich rechtsradikal sind, wo aber aus der politischen Mitte heraus das unausgesprochene, subtile Antisemitische mitschwingt.
Gibt es da schon manchmal einschlägige Anfeindungen, etwa auf Facebook?
Mark: Zum Glück nicht. Es kann sein, dass es solche Kommentare gibt, vielleicht bei Klaas oder seiner TV-Plattform. Aber wir haben so eine Konfrontation, solche Angriffe noch nicht erlebt.
Klaas: Ich kenne das schon. Man muss ja heute schon froh sein, wenn man nicht direkt vom Computer beleidigt wird.
Woher kommen die sozialkritischen und politischen Themen und Texte? Sind sie aus dem Leben gegriffen oder dürfen auch mal fiktiv sein?
Klaas: Das sind so Konzentrate von dem, worüber wir uns so unterhalten. Wir haben festgestellt, dass Texte zu gesellschaftlichen oder auch politischen Themen schneller zu einem Song werden als persönliche. Bei persönlicheren Themen geht es aber auch nicht immer um uns, es sind zwischenmenschliche Dinge, die wir beschreiben. Gesellschaftliche Dinge liegen uns aber sichtlich schwerer im Magen und werden dementsprechend häufiger besprochen und geben schnell mal einen Anlass, einen Text zu schreiben.
Ein Zitat aus dem Lied „Narben“ ist „Danke für die Zeit“. Wie kostbar ist eigentlich eure Zeit bei all den Jobs und Projekten?
Mark: Zeit ist kostbar, aber das ist ja keine sensationelle Neuigkeit. Das wird einem aber erst durch das Leben bewusst, auch, wie schnell ein Jahr vergeht. Man empfindet das manchmal als Bedrohung. Aber in „Narben“ geht es ja darum, dass wir nicht das klassische Carpe Diem sagen, das ist gar nicht die Intention des Songs. Es geht um eine Hommage an Begegnungen mit Menschen, die heute nicht mehr für uns wichtig sind. Man sollte nicht sagen, dass nur nachhaltige Freundschaften auch wichtige Freundschaften sind.
Der Sound erinnert ein bisschen an NDW. War das beabsichtigt?
Mark: Das ist wahrscheinlich richtig, du meinst die Synthesizer. Der NDW sind wir immer wieder begegnet, aber das muss nicht zwangsläufig ein NDW-Zitat sein. Wenn eine Gitarrenband mehr oder weniger beginnt auf Synthesizer zurückzugreifen, ist das mal aus reiner Lust und reiner Neugier. Dabei denke ich nicht an NDW.
Auf der anderen Seite gibt es geniale Gitarren.
Mark: Ja, hoffentlich! Man kann Gitarre einfach pur spielen, oder sich drei Tage darüber den Kopf zerbrechen. Zu letzterem tendiere ich dann eher. Auf der Platte versuche ich, anders als auf den beiden davor, mit einer einzelnen Gitarre mehr zu sagen als mit mehreren. Ich habe versucht, es nicht zu kompliziert zu machen.
Ihr habt beide auch gut mit anderen Dingen zu tun. Darf Gloria dann gar nicht zu groß werden?
Mark: Da unterscheiden wir uns, da ich die Band produziere und vieles organisiere. Deshalb gibt es Zeiten, in denen ich Gloria nicht nebenbei mache, sondern es meinen Terminkalender füllt. Das sind Zeiten, in denen Klaas schon mal entspannter ist. Auf der anderen Seite haben wir Phasen, wo wir auf Tour sind, zwei, drei Tage miteinander spielen, danach hat die Band wieder frei. Während ich in den Tagen zwischen Konzerten nichts mache, arbeitet Klaas wieder sehr viel. An Tagen, die man als verlängertes Wochenende bezeichnen würde, sind wir dann wieder mit Touren beschäftigt. In den Pausen geht Klaas wieder seinem TV-Job nach und so hat er eine 8-Tage-Woche. So haben wir immer abwechselnd Augenringe.