Lizki ist eine junge Musikerin aus München. Ausgebildet an Piano und in Operngesang, hat sie sich dennoch schon früh der Popmusik zugewandt, um persönliche Erfahrungen zu verarbeiten. Lizki arbeitet mit elektronisch produzierten Klängen und Klavier, lässt ihr klassisches Repertoire immer wieder durchblitzen, besonders gesanglich, wenn sie ihre bombastische Stimme in den Klangteppich webt, verformt, loopt. Musik macht sie schon seit ihren Teenagerjahren: zuerst zwei Alben mit den Münchner local heroes Tonwertkorrektur, dann eine Kollaboration mit dem DJ- und Produzentenduo Baal. Als Rey Lenon startete sie ihre Solokarriere mit den zwei Singles "MCKY" (2019) und "Fever" (2020). Ihr Solo-Debütalbum wird am 29. Oktober unter ihrem neuen Alias Lizki auf Seayou Records erscheinen.
Obwohl schon der Titel des Debütalbums von Lizki "Forward" lautet, mag sich beim Hören nicht so recht das Gefühl einstellen, dass es sich einer zuversichtlichen Zukunftsvision, einem hoffnungsvollen Nach-vorne-Schauen widmet. Zu düster sind Wort und Sound, wenn die Wienerin zu Industrialbeats und tobenden Synths verblichene Liebe ("Dynamite", "What", "MCKY"), Selbstzweifel ("Center", "Press Rewind") oder allgemeine Desillusionierung ("Video") besingt. Vergeblich warten wir auf die Katharsis, wenn sich alle Probleme in einem diffusen Optimismus auflösen, aber so ist das Leben halt allzu oft nicht. Viel mehr steht "Forward" also für: Es muss weitergehen. Oder wie es Lizki selbst in "Press Rewind" drastisch formuliert: Reformat the hard drive, reset and reboot. Start over again fresh, as if I were new.
Das Klischee von Musik als Medizin greift hier nicht, aber sie kann immer noch Diagnose sein. Wenn Lizki also Darkness fades, light shines through ("All Is New") singt, meint sie nicht die plötzliche Erkenntnis, dass oder wie alles besser wird, sondern die Möglichkeit, sich selbst zu verstehen. Damit vermeidet sie auch, schmerzhafte Erfahrungen zu fetischisieren, ihr Blick ist trotz aller Emotion ein analytischer und ihre Themen trotz aller Intimität allgemeingültige.
Dabei bleiben die meisten Songs auf dem Album ungeachtet aller inhaltlicher und musikalischer Dissonanz tanzbar, wenn auch melancholisch, ein bisschen so als würde Charli XCX Portishead für eine Darkwave-Compilation covern. Unverwechselbar bleibt Lizkis klassisch ausgebildete Stimme, die, obwohl manchmal gleichfalls durch digitale Kast‘ln gejagt, über allem zu schweben scheint. Der letzte, titelgebende Track gibt dem Album ein offenes Ende, wenn die immer gleichen Akkorde sanft von Synthesizer-Sounds umspielt werden, so als würden sie fragen, wie’s weitergeht: "Forward" eben.