HCH Fotopress
Was für Deutschland Andrea Berg oder Helene Fischer, das ist Melissa Naschenweng für Österreich: Mit ihrem kecken Schlager-Poprock verzeichnet die junge Kärntnerin mit der Lieblingsfarbe Rosa einen Erfolg nach dem anderen, egal ob auf der Bühne oder im Fernsehen. Nun hat sie sich auch noch dem Traktorführerschein gewidmet und mit uns über das heimische Frauenbild unterhalten.
Ich bin eine der Wenigen, die von Corona profitiert haben. Im ersten Monat habe ich daheim Energie aufgetankt, meinem Bruder die Haare geschnitten, bin mit dem Hund spazieren gegangen und habe gebacken und gekocht. Ein paar Konzerte gab es zwischendurch immer. Das Musikerleben ist kein leichtes und die Pause war dringend notwendig. Man singt nicht nur dreimal die Woche, sondern bedient Social-Media-Kanäle, gibt Interviews und soll dann im Fernsehen noch gut aussehen, wenn man völlig ausgelaugt ist.
Ein Jahr wie 2019 möchte ich nie wieder erleben. Da habe ich nur noch funktioniert. Nachträglich erkenne ich auf Fotos, wie schlimm ich aussah. Wenn 7.000 Leute wegen dir da sind, dann musst du liefern. Ich nehme vieles dafür in Kauf, was mir die Leute zurückgeben. 2019 habe ich nur in Discos und Festzelten gespielt. Da kann ich schlecht einen Salat und Suppe verlangen, wenn sie dir Würstel und Leberkäsesemmerl hinlegen. Das ist jetzt aber anders, ich lebe gesünder und bewege mich mehr.
Ich spiele nur mehr so viele Konzerte, wie es mein Körper zulässt. Im September 2019 hatte ich 19 Konzerte und war dazu noch zehn Tage im Tonstudio. Das war für mich als weibliches Wesen zu viel. Ein Mann schafft das vielleicht, ich mache das aber nie wieder.
Bei einer Autogrammstunde im Lavanttal hatte ich einen Kreislaufkollaps und brach zusammen. Ich bin mit meiner Songwriterin Anita Kollmann ins Auto gestiegen und verzweifelte völlig. Ich bräuchte nur einen Tag für mich, habe ich gesagt. Anita fuhr dann heim und schrieb um 5 Uhr morgens „Manchmal brauch ich’s still“. Ich bin auch nur ein Mensch und keine Maschine. Man muss selbst herausfinden, wie weit man gehen kann, sodass alle Beteiligten noch glücklich sind.
Ich komme von ganz unten, mir wurde nichts geschenkt. Ich habe mich durch alle Discos gespielt, dort kannst du keine Balladen spielen. Da drehen sich sofort alle um und gehen zur Theke trinken. Meine Fans wissen alles von mir und das ist auch etwas Schönes. Man glaubt immer, man müsse perfekt sein, aber das stimmt nicht.
Mein kleiner Bruder Tobias macht die Fotos. Er kann das viel besser als meine Eltern und hat ein gutes Auge. Der kriegt schon die Krise, wenn er mich wieder fotografieren muss und meinte schon, ich sollte mir wen Professionellen suchen. Seitdem kriegt er etwas Taschengeld dafür (lacht).
Ich bin das Madl vom Bauernhof, aber auch dort kann man mit einer kurzen Jeans und einem Top auf das Dorffest gehen. Ich war nie die Brave. Wenn ich mit 16 unterwegs war, hatte ich schon auch mal ein sehr kurzes Kleid an. Man muss ein Gespür dafür haben, es darf nur nicht zu billig sein.
Andreas Gabalier und Helene Fischer hatten immer Beziehungen und es hat funktioniert. In diesem Bereich halte ich den Ball flach. Ich will den Fans das Gefühl geben, ich wäre noch erreichbar.
Dem einen gefällt es, dem anderen nicht. Ich will es nicht jedem recht machen. Ich habe das nächste Album im Kopf und da ist vorerst nichts oben, was schockieren könnte. Ich entwickle mich weiter und werde erwachsener. Als Frau mit 40 würde ich „Difigiano“ nicht machen, das hätte keinen Stil.
Würde ich mir über alles Gedanken machen, könnte ich mich nie wieder auf etwas konzentrieren. Wenn andere glauben, sie müssten über Feminismus diskutieren ist das okay. Das Schlagerpublikum reicht mir völlig und wie andere denken ist mir egal.
Manche Frauen wollen häuslich sein, daran ist nichts falsch. In „Der Sensenmann“ frage ich, was wir Frauen ohne die Männer wären. Ein Mann ist das stärkere Geschlecht. Ich fühle mich sicherer, wenn mich ein Mann umarmt und nicht eine Frau. Einen Spruch wie „nur Frauen an die Macht“ halte ich für falsch. Ich würde die Hymne gleich singen wie Gabalier (lacht).
Dieser Begriff ist bei mir im Lesachtal noch nicht einmal angekommen (lacht). Von mir aus kann alles so bleiben, wie es ist. Ich fange auch mit dem Gendern beim Schreiben nichts an.
Es gibt das Sommer-Open-Air auf der Teichalm und das Winter-Open-Air am Nassfeld. Nächstes Jahr gehe ich auf „Bergbauern“-Tour, dort kommt eine neue Bühne regelmäßig zum Einsatz. Im Oktober spiele ich nach zwei Jahren endlich mit Helene Fischer und dann, irgendwann im Herbst, kommt das Album.
Melissa Naschenweng spielt ab Sommer wieder zahlreiche Open-Airs, darunter am 9. Juli das große Bergbauern Open-Air, am 10. Dezember das Nassfeld Open-Air. Alle Termine finden Sie auf oeticket.com.